Veranstaltungen im Juni sowie neue Forschungsartikel
Liebe Freundinnen und Freunde des GröschlerHauses,
es stehen zwei besondere Veranstaltungen im Juni an:

1) Prof. Dr. Meron Mendel: „Staatsräson nach dem 7. Oktober 2023: Die deutsche Debatte über Israel und Gaza"
Vortrag mit anschließendem Gespräch
Freitag, 5. Juni 2026, 19 Uhr
LOK Kulturzentrum Jever, Moorweg 2
Eintritt frei!
Anmeldung wird erbeten über info@groeschlerhaus.eu oder über die Platzreservierung des Lok Kulturzentrums. Veranstalter sind der Arbeitskreis GröschlerHaus im Heimatverein Jever und das LOK, wo der Abend stattfindet.
Prof. Dr. Meron Mendel ist ein israelisch-deutscher Publizist und international anerkannter Wissenschaftler. Seit 2010 leitet er die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main, eine der führenden Einrichtungen für politische Bildung gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus. Zudem lehrt er als Professor für Soziale Arbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences.
Mendel setzt sich intensiv mit Fragen der Erinnerungskultur, Identitätspolitik und dem jüdisch-muslimischen Dialog auseinander. Seine Publikationen, darunter das mehrfach ausgezeichnete Buch „Über Israel reden. Eine deutsche Debatte", prägen den öffentlichen Diskurs zu aktuellen gesellschaftspolitischen Herausforderungen in Deutschland maßgeblich mit.
In seinem Vortrag wird Mendel die Ereignisse des 7. Oktober 2023 auf seinem speziellen Hintergrund erläutern und sich kritisch mit der deutschen Debatte darüber auseinandersetzen. Ist das Konzept der Sicherheit Israels als deutsche Staatsräson eine angemessene Antwort auf die historische Verantwortung Deutschlands und tragfähig in Bezug auf die aktuelle Situation im Nahen Osten? Im Anschluss ist Raum für Diskussion und Gespräche.

2) Hans-Jürgen Klitsch: „Joseph Mendelssohn aus Jever (1817- 1856) - ein jüdischer Autor mit spitzer Feder"
Buchpräsentation
Donnerstag, 18. Juni 2026, 19 Uhr
GröschlerHaus Jever, Gr. Wasserpfortstr. 19
Eintritt frei!
Der Dramatiker, Lyriker und Reiseschriftsteller Joseph Mendelssohn (1817-1856) aus Jever war auch ein Meister der spitzen Feder, der sich weder vor den literarischen Größen seiner Zeit noch vor den Hamburger oder Berliner Kulturkreisen scheute. Am 18. Juni 2026 präsentiert Hans-Jürgen Klitsch die erste Monographie überhaupt über diesen fast vergessenen Sohn der Marienstadt. „Joseph Mendelssohn: Jüdischer Autor aus Jever - ein streitbarer Jungdeutscher in Paris, Hamburg und Oldenburg" ist in der Schriftenreihe der Oldenburgischen Landschaft beim Verlag Isensee, Oldenburg, erschienen und wirft einen Blick hinter die Kulissen der demokratischen Vormärz-Literatur.
Joseph Mendelssohn ist ein jüngerer Bruder des Oldenburgischen „Turnvaters" Salomon Mendelssohn, nach dem seit 2010 die Sporthallen des Mariengymnasiums Jever heißen. Das Elternhaus stand an der jeverschen Schlachte, das Grab des Vaters hat sich auf dem jüdischen Friedhof bei Schenum erhalten.
Joseph Mendelssohn entwickelte sich zu einem Virtuosen des Wortgefechts und legte sich gerne mit Autoritäten in einer Mischung aus Witz und Ironie an. In seinen „Pariser Briefen" (1841) verspottete er beispielsweise Heinrich Heine, den er dort traf, und übte in dem Hamburger Almanach „Theater-Teufel" (1848) Schmähkritik in alle Richtungen. Sein Mäzen Salomon Heine, den er biographisch würdigte, verstarb Ende 1844. Die März-Revolution von 1848 scheiterte, Mendelssohn starb mit 39 Jahren in Armut.
Obwohl der genannte Almanach und sein Reisebericht über Oldenburg „Eine Ecke Deutschlands" (1845) in den letzten Jahrzehnten neu aufgelegt wurden, ist Mendelssohn fast unbekannt geblieben. Nach akribischer Quellenarbeit hat Hans-Jürgen Klitsch nun einen Beitrag vorgelegt, diese Lücke zu schließen.
Veranstalter ist der Arbeitskreis GröschlerHaus im Jeverländischen Heimatverein.
Abschließend noch Hinweise auf zwei neue Artikel im Bereich Forschung unserer Webseite:
Wolfgang Jagnow bringt das Schicksal eines bisher nicht gewürdigten NS-Opfers, des katholischen Pfarrers Johannes Obernüfemann aus Neustadtgödens (1887 - 1944), in eine neue Diskussion. Der Artikel dokumentiert den Leidensweg eines Homosexuellen, den die SS 1944 in der Gaskammer der Tötungsanstalt Schloss Hartheim (Österreich) ermordete, und hinterfragt die bisherige Erinnerungpraxis durch die Kirche an ihn.
2) Fundstücke zur Geschichte nicht-weißer Menschen in Jever, Varel, Wilhelmshaven und Ostfriesland
Hartmut Peters zeigt „Fundstücke zur Geschichte von Nicht-Weißen in Jever und Umgebung", seit sich bei der Regentin Maria von Jever „ein M* präsentierte", wie es in einem Rechnungsbuch von 1559 heißt. Ein Kapitel zeichnet z.B. die „Affäre" um den Pastor Robert Kwami aus Togo nach. Dieser konnte 1932 zwar unbehelligt in Rüstringen und Schortens predigen, wurde aber in Oldenburg von der NS-Landesregierung massivst rassistisch beleidigt. Auch die kulturprägende Zeit des „Pumpwerk" in Wilhelmshaven, wo sich ab 1976 Legenden der Schwarzen Musik wie Charles Mingus, Max Roach, Elvin Jones, Archie Shepp oder Miriam Makeba die Klinke in die Hand gaben, ist einbezogen.
Mit freundlichen Grüßen,
Hartmut Peters
(Redaktion von groeschlerhaus.eu)