von Hans-Jürgen Klitsch
Vortrag, gehalten am 18. Juni 2026 im GröschlerHaus Jever
Herzlich willkommen im GröschlerHaus!

Stellen Sie sich vor, 1840 kommt ein junger Jude, der gerade mal 23 Jahre alte Joseph Mendelssohn, aus sehr einfachen Verhältnissen in einer von einem Gönner bezahlten Postkutsche nach Paris, sozusagen ein unbedeutender Schnösel. Die französische Metropole war damals mit einer Million Einwohnern die zweitgrößte Stadt der westlichen Welt [1], ein einzigartiges Zentrum für Kunst und Kultur. Man nimmt doch an, dass er starr ist vor Staunen und Ehrfurcht, doch er schießt mit Pfeilen um sich, wie Apachen bei den Karl-May-Festspielen. Schon kanzelt er eine Reihe von Honoratioren ab: Honoré de Balzac, Victor Hugo, selbst unseren allseits geliebten Heinrich Heine. Und den französischen König obendrein.
Dichtkunst, Theater, Malerei, Politik, die Pariser Gesellschaft – nichts ist ihm heilig.
Über Honoré de Balzac befindet er: „Nachdem er sich ein Vierteljahrhundert lang kurzweg H. Balzac unterzeichnet, wachte er an einem sonnigen Frühlingsmorgen mit der Ueberzeugung auf, von einem uralten französischen Edelhause abzustammen und hielt es daher für seine heiligste Pflicht, sich fortan Sir de Balzac d’Entraignes zu nennen.“[2]
Und zu Victor Hugo, der gerade einen Sitz an der Académie francaise hatte ergattern können: „Hugo sitzt, in der Hand den Blitz seiner Verse, ein majestätischer Jupiter, auf dem achtunddreißigsten der unsterblichen Lehnstühle. Der Areopag der französischen Literatur geht großen Erschütterungen entgegen.“[3]
Besonders nimmt er sich Heinrich Heine vor: „Der ‚ungezogene Liebling der Musen‘ ist übrigens der Gefahr ausgesetzt, binnen einigen Jahren auch die leiseste Spur eines poetischen Äußern im Fette zu verlieren.“[4] Zu Heine komme ich später noch einmal.
Schauen wir näher auf unseren Protagonisten und fragen uns:
Wer war Joseph Mendelssohn?
Er war der Bruder von Salomon Mendelssohn, dem ‚Turnvater von Jever‘ und des Oldenburger Landes. Joseph Mendelssohn wurde als Jude in Jever geboren, gemäß eigener Aussage am 4. Oktober 1817 [5], als Jever etwas über 3.000 Einwohner zählte.
Die Familie Mendel stammte aus Horb am Main. Die Eltern waren Moses Mendel [6] (er führte auch den Namen Mendelssohn) und dessen Frau Go(h)la, geborene Schwabe, eine Jeveranerin, deren Vater Levi Salomon Schwabe als Schutzjude im Jahr 1800 „unter Hinterlassung großer Geschäftsschulden“[7] verstorben war. Die Mendels lebten in einem eigenen Haus an der Schlachte, von dem aus Moses Mendel einen Hausierhandel betrieb und sich als Vorsteher der jüdischen Gemeinde engagierte.

Die ersten fünfeinhalb Lebensjahre verbrachte Joseph Mendelssohn in Jever. 1823 zog der Vater mit den Kindern für ein paar Jahre nach Hamburg. Am 1. August 1823 wurde Mendelssohn dort in die Israelitische Freischule eingeschult.
Die Israelitische Freischule ermöglichte es Kindern aus unvermögenden jüdischen Haushalten, eine gute Schulausbildung zu bekommen, eine Saat, die bei dem jungen Joseph offenbar nicht aufging.

Zu Mendelssohns Schulzeit stand die Israelitische Freischule unter dem Direktorat von Dr. Eduard Israel Kley, der einen eher säkular ausgerichteten schulischen Reformkurs vertrat.[8] Es gab dort bereits Ansätze, den jüdischen Schülern ein modernes Wissenschaftsverständnis zu eröffnen.[9] So kam Mendelssohn nicht allein mit den religiösen Aspekten des Judentums in Kontakt.
1831 tritt Mendelssohn als Schriftsetzerlehrling in die Buchdruckerei Vieweg in Braunschweig ein. Von 1836 bis 1839 arbeitete er bei Vieweg[10] als „Gehülfe“ (heute würde wir sagen, „Geselle“). Dort wurde offenbar eine Saat gelegt, die aufging. Trotz seiner Herkunft, erklomm Joseph schon bald den Pfad der Literatur, denn bereits als 21jähriger Schriftsetzer in Braunschweig veröffentlichte er das Buch „Blüthen“[11] mit Gedichten und zwei Novellen, eigenhändig gesetzt und selbstfinanziert gedruckt beim renommierten Verlag von Julius Campe.[12] „Blüthen“ wurde von Christian Friedrich Strackerjan im Jeverschen Wochenblatt wohlwollend rezensiert und empfohlen. Dieser schrieb: „Das elegant ausgestattete Bändchen eignet sich überdies sehr zu einem Weihnachts- oder Neujahrsgeschenke.“ Zu erwerben war es beim Buchdrucker Mettcker für 1 Courant.[13]
Joseph Mendelssohn kehrte 1839 nach Hamburg zurück. Wie er den jüdischen Bankier Salomon Heine kennenlernte und dessen Protektion erwarb, ist unbekannt. Dieser „rühmlichst bekannte Wohlthäter“[14] finanzierte ihm für 1840 und 1841 einen Aufenthalt in Paris, wo Mendelssohn die „Pariser Briefe“ verfasste.
Interessanterweise war Salomon Heine der Onkel von Heinrich Heine, den Mendelssohn so gründlich verunglimpfte. Dem Verhältnis zu Salomon Heine scheint dies nicht abträglich gewesen zu sein, denn noch vor dem Tode des Bankiers schrieb Mendelssohn einen umfangreichen Nekrolog für Salomon Heine. In den 1844 veröffentlichten „Blätter[n] der Würdigung und Erinnerung für seine Freunde und Verehrer“[15] verfasste Mendelssohn ein 36seitiges Lebensbild des Hamburger Bankiers und Wohltäters, welches noch heute als Standardreferenz für dessen Biographie gilt.
1843 legt Joseph Mendelssohn einen weiteren Gedichtband vor, „Wilde Blumen“[16], gedruckt bei Ph. Reclam Jr. Die Gedichte sind nun wesentlich ausgereifter, auch politisch. So ruft er seine jüdischen Mitbürger auf, sich aus der Passivität zu erheben:
Auf, Brüder, auf ! nur frisch gewagt,
Es hat getagt ![17]
Als Lyriker erwarb er sich einen guten Ruf; einige seiner Gedichte in „Blüthen“ und „Wilde Blumen“ sind von bekannten Komponisten vertont worden, unter anderem von Anton Bruckner.
Mit seinem Buch „Pariser Briefe“, veröffentlicht 1841 bei J.J.Weber[18] in Leipzig, als Mendelssohn gerade 24 Jahre alt war, wandelte er auf den Spuren von Ludwig Börne und Heinrich Heine, doch während letztere überdauern sollten, geriet unser Jeveraner später mehr und mehr in Vergessenheit. Vielleicht wurde er auch ignoriert, wie so viele jüdische Autoren.

Damit sind wir noch einmal bei seiner Schelte für Heinrich Heine. Ich zitiere aus den „Pariser Briefen“: „Sein Witz bekommt einen dicken Bauch, schrieb einmal Jemand, und ich zweifle sehr, daß er das Zeichen einer gesegneten Leibesfülle ist. Sein tiefblondes Haar wird dabei immer unordentlicher, sein etwas scheublickendes graublaues Auge immer kurzsichtiger und in seinem ursprünglich sehr geistreichen Gesichte mit den feingeschnittenen, sarkastischen Zügen tauchen hier und da philisterhafte Fettrunzeln auf.“[19]
Warum schreibt er so etwas?
Mendelssohn traf Heine in Paris auf der Straße – aber Heine beachtete ihn kaum, anstatt mit ihm in eine gepflegte Konversation einzutreten.[20] Und bereits als Mendelssohn von seinem Begleiter Alexander Weill[21] Heine vorgestellt wurde, hatte er sich geärgert, denn Weill bezeichnete ihn als „Naturdichter“[22], was Mendelssohn als herabwürdigend empfand, da er wohl eher über seine Ironie und seinen frechen Sarkasmus charakterisiert werden wollte. Doch Weill lag mit seiner Einschätzung nicht ganz falsch, denn die Natur spielt in den Gedichten von Mendelssohn eine nicht unerhebliche Rolle. Das folgende Gedicht mag da exemplarisch sein:
Am Meeresstrande[23]
Blau wölbet sich der warme Sonnenhimmel,
Verglühend bebt und stirbt das Abendroth,
Und lächelt sterbend noch im Wogenschooße,
Wie sie gelächelt in des Sängers Nacht.
Die Wellen wiegen sich so sanft, so murmelnd,
Wie flüsternd Laub vom leisen West umkos’t,
Der Brandung Perlen netzen meine Füße,
Wie Lämmer küßten meines Mädchens Hand.
Ein Segel tauchet auf in weiter Ferne,
und schaumumrauscht zieht her der scharfe Kiel,
Stolz schwebt das Schiff auf seinem Wogengrabe,
Wie auf des Teiches Silberfluth ein Schwan.
Das Weltmeer ruhig, und mein Herz zerrissen !
Der Zephyr hier, in meiner Brust der Sturm !
Der reine Himmel hell, mein Auge trübe !
Das Schiff so stolz, und schmerzgebeugt mein Geist !
O könnte ich des Trostes Balsam trinken
An deinem eis’gen Herzen, Ocean,
In deine Tiefen würd‘ ich freudig stürzen,
Wie einstens ich an ihren Busen flog.
Er hat dieses Gedicht für die Mittheilungen aus Oldenburg geschrieben. Aus Paris sandte er regelmäßig Gedichte nach Oldenburg, die dann in den Mittheilungen abgedruckt wurden.
Wie gesagt, Joseph Mendelssohn aus Jever ist in Paris, und nicht jeder würde sich so unerbittlich über die Pariser mokieren. Insgesamt erscheint ihm, zumindest anfangs, das dortige Leben höchst suspekt. Was er vorfindet, sind, heute würden wir sagen: Poser, Heuchler, Egozentriker.
Manches gerät ihm widersprüchlich.

Er beklagt sich über die „dummstolze haute volée“ in lauten Equipagen[24] und schreibt: „Ich sah im Allgemeinen nur wenig schöne Frauen, die wenigsten aber in den Reihen der eleganten Fuhrwerke“.[25] Doch schon drei Briefe später befindet er das Gegenteil: „In Sachen des Geschmacks, der Eleganz stehen die Franzosen, vor allem die Damen, ganz oben“.[26]
Bald vergleicht er das „muffige“ Deutschland mit dem „fortschrittlich-frischen“ Frankreich.[27] Und große Freude hat er an den einfachen Menschen, den Studenten und den Handwerkern: „“…diese Schaaren fröhlicher Menschen zu sehen (…) – das ist ein köstliches Schauspiel.“[28]
Mendelssohn erlebt die Rückholung des Leichnams von Napoleon Bonaparte, seine Repatriierung, und sein Intellekt erlaubt es ihm, dies entsprechend satirisch zu begleiten.[29] Da liefert er schon gute literarische Kunst, auch weil er das Possenspiel durchschaut: aus einem Despoten wird aus politischem Kalkül plötzlich ein Menschenfreund. Der Leichnam, heimgeholt von St. Helena, im großen Trauermarsch zum Invalidendom gebracht, vor dem eine von den Künstlern der Académie Française initiierte Napoleon-Statue[30] auf ihn wartet; ein Toter Napoleon begrüßt quasi den anderen toten Napoleon.
Nun ist es nicht so, dass die „Pariser Briefe“ allein negativ geprägt sind. Interessanterweise sind jene Protagonisten, die unter seine Hosenträger passen und welchen er die gleiche liberale Einstellung zubilligt, aus einer vergangenen Epoche: Voltaire[31], Racine[32], Corneille[33] oder Moreau[34], welcher auch in der Julirevolution von 1830 aktiv gewesen war.
Er findet aber auch zeitgenössische Autoren, deren Loblied er singen kann: den Freigeist Nepomuck Lemercier[35], der immer gegen Napoleon aufbegehrt hatte, oder Casimir Delavigne[36].
Der damals berühmte Eugène Scribe[37], gekennzeichnet als reich und unersättlich, ist es eher nicht, aber Mendelssohn sagt voraus, dass dessen neues Stück „Ein Glas Wasser“ bald ein halbes Dutzend Übersetzungen ins Deutsche nach sich ziehen werde.[38] Ins Deutsche wurde es übersetzt u.a. von Alexander Cosmar, und bis heute sind die Rezensionen eher positiv. Scribes „Der Minister und der Seidenhändler, oder: So braucht man seine Leute.“ [39] wurde ebenso vielfach übersetzt und 1847 auch in Oldenburg aufgeführt.
Neben „Wilde Blumen“ waren die „Pariser Briefe“ sicherlich sein literarisches Highlight, es ist mir aber nicht gelungen, zu ermitteln, inwieweit diese rezipiert wurden, denn die Auflagenzahlen sind im Dunkel der Vergangenheit verloren gegangen. In den Mittheilungen aus Oldenburg fand ich aber folgende Notiz, die zeigt, dass die „Pariser Briefe“ gelesen wurden: „Des Jeverschen Schriftsetzers Mendelssohn »Pariser Briefe« haben zur Zeit, als das darin besprochene noch frischen Ursprungs war, in den Journälen ihre Leser gefunden; ob die Sammlung nötig war, ist eine Frage.“[40] Diese Notiz deutet darauf hin, dass die einzelnen Briefe wohl zuerst in Zeitschriften veröffentlicht wurden.
Unsterblich in der deutschen Literaturgeschichte hat ihn sein Streit mit Karl Gutzkow, einem der Stimmführer der jungdeutschen Bewegung[41], gemacht. Dieser Streit war auch der Ausgangspunkt für mein Interesse an Joseph Mendelssohn. Durch das „Projekt Gutzkow“, geleitet von Frau Prof. Martina Lauster (University of Birmingham), war ich auf diesen Zwist aufmerksam geworden.
Der Verriss seines Theaterstücks „Die Schule der Reichen“ durch Joseph Mendelssohn in dessen Zeitschrift Panorama der Gegenwart hat Gutzkow auf die Palme gebracht. Mendelssohn schreibt unter anderem: „Man merkt es diesem unglückseligen Schauspiele bei jeder Scene an, wie kläglich mühsam der Autor die buntesten Bausteine herbeigeschleppt, um seiner dramatischen Fehlgeburt einen möglichst originellen Anstrich zu geben, wie er stirnreibend, martervoll, angstschwitzend gesessen, um die schillerndsten Farbentöne zu erfinden (…)[42].

So wenig Verbreitung, wie das Panorama der Gegenwart hatte – Gutzkow hätte die Kritik besser an sich abprallen lassen. Doch der gelegentlich aufbrausende Gutzkow reagierte offensichtlich zornesrot: diskriminierend sprach er Handwerkern allgemein und dem Schriftsetzer Mendelssohn insbesondere die Berechtigung zu literarischem Tun ab. Über Mendelssohn schreibt er in der von ihm redigierten Zeitschrift Telegraph für Deutschland u.a.: „Er wagte es, auf die mattesten Gedichte, die fadesten Erzählungen, auf gestohlene Reime, gestohlene Bilder hin, sich in die Literatur einzudrängen, nach Paris zu reisen und mit der trivialsten Umständlichkeit von dort aus, immer mit seinem Schriftsetzerthum kokettirend, uns belehren zu wollen über das, was sich in der großen Welthauptstadt ereignete.“[43]
Ein paar Jahre später hat Mendelssohn in einem weiteren Zwist noch ärger als Gutzkow reagiert, denn Mendelssohn konterte nicht durch eine Zeitungsreplik, sondern er ließ eine ganze Druckschrift dazu auflegen.
Der Hintergrund: Im Sommer 1844 hatte Mendelssohn die von ihm mitredigierte Zeitung Jahreszeiten – Hamburger Neue Modezeitung verlassen müssen, weil er „mit deren unabhängigen Redacteur C. F. Vogel […] aber bös aneinander gerieth.“[44]
Die Fehde zwischen den beiden sollte zwei Jahre später eine Fortsetzung finden, als Mendelssohn sich von Carl Friedrich Vogel öffentlich angegriffen fühlte.
Der Hintergrund: Chéri Maurice, Regisseur und Bühnenleiter am Thalia-Theater in Hamburg, hatte Mendelssohn „um 400 Thaler“[45] engagiert, um Maurice‘ „dramatische Tollheiten (indem er z. B. ein Kamel auf die Bühne bringt) zu rechtfertigen und ihn gegen die bösen Angriffe des Jahreszeiten-Redakteurs Carl Friedrich Vogel mit entsprechenden Pamphleten zu verteidigen“[46] – was Mendelssohn offensichtlich tat. Vogel warf Mendelssohn deshalb öffentlich u.a. vor, korrumpierbar zu sein – und sich für Geld eingeheiratet zu haben. Mendelssohn hatte in der Tat im Frühjahr 1846 Radisch, die Tochter seines Verlegers Bernhard Salomon Behrendsohn, geheiratet.[47]
Joseph Mendelssohn konterte Vogel mit einem 16seitigen, gedruckten Pamphlet, verlegt bei seinem Schwiegervater: „Die Vogel-Scheuche oder: Jahreszeiten-Unfug. Veröffentlicht zur Warnung von Publikum und Literaten“ [48]. In dieser bezeichnet er in einer „Erklärung“ C. F. Vogel als „sogenannten Redacteur“, er sei „in Wahrheit aber nur das willenlose, sklavisch gehorchende Werkzeug dirigirender Mächte“.[49]

Eine Ecke Deutschlands
Mendelssohn war im Oldenburger Land durchaus nicht unbekannt. 1836 und 1839 hatte er Oldenburg bereist, nach einer erneuten Reise 1845 veröffentlichte er das Buch „Eine Ecke Deutschlands“.[50]

„Aber sei geboren, Mensch, wo du willst, in dem armseligsten Flecken, in dem obscursten Dorfe, am unheimlichsten Gestade, du wirst dieser Scholle Erde immer ein liebes, trauliches Plätzchen in deinem Herze bewahren, wirst dich für ihre Geschichte interessieren und deren Wendungen mit Theilnahme verfolgen, als gehörte sie zu deinem eigenen Selbst.“[51]
An Jever bindet ihn seine Vergangenheit, und er erfreut sich an allen dortigen Errungenschaften, auch dass es nun ein „litterarisch-städtisches-politisches Organ“ gebe: Die ‚Jeverländischen Nachrichten‘.[52]
Beginnend mit Edo Wiemken geht Mendelssohn dann ausführlich auf die Geschichte Jevers und die Konflikte mit Ostfriesland ein.[53] Besonders ans Herz gewachsen scheint ihm Fräulein Maria zu sein, „so viel Unruhe und Kriegsgefährde sie anfangs zeigt“, so viele „Bilder der Ordnung und Wohlbehaglichkeit“ bot sie später, und weiter: „durch angeborene Klugheit, durch seltene Herzensgüte und Umsicht in Allem, was sie zum Besten des Landes unternahm“ [54] inklusive der Gründung der damaligen Provinzialschule (das heutige Mariengymnasium),[55] machte sie sich bei den Jeveranern ungemein beliebt.[56]
Mendelssohn preist die wogenden Felder im Jeverland, das wohlgenährte Vieh, den Wohlstand und Reichtum auf den Höfen[57] aufgrund der Fruchtbarkeit des Landes.[58] Bei den Bauern gebe es deshalb die „Prunkstube“[59], während sie auf die Köthner, Brinksitzer und Heuerleute[60] herabschauten.[61] Prozessucht und Spielsucht seien unter den Bauern verbreitet, aber rauflustig seien sie nicht.[62]
Interessanter noch sind seine Aussagen zu Oldenburg, die weitgehend politischer Natur sind.
In Oldenburg herrsche „klarer, freier Sinn“ und „geistige Rührigkeit“. [63] Als „Hauptgrund der moralischen Höhe“ macht er die abgeschiedene Lage aus[64]. Er behauptet, dass Oldenburg von den Bremern als nördliches Weimar betrachtet wird.[65]
Obwohl er Paul Friedrich August von Oldenburg (als August I. Großherzog von Oldenburg, ein konservativer, konstitutionellen Gedanken abholder Herrscher) immer wieder lobt und als „bei allen beliebt“ [66] beschreibt, ist sein Blick auf die Oldenburger Gesellschaft nicht ungetrübt. Mendelssohns liberaler Attitüde widerspricht, dass nur Offiziere, Beamte und Kaufleute Zutritt zum Oldenburger Casino haben, dies begünstige den „Kastengeist“ und fördere die Klassengesellschaft; „kleinstädtisches Philistertum wuchert unter den Oldenburgern“.[67] Auch bezüglich Verordnungen und Gesetzen finde sich Kleinliches, er nennt es „krähwinkelig Fabelhafte(s)“, und fragt, „Wer begreift z.B., daß es keinem Reisenden, der mit der Post irgendwo im Großherzogtum angekommen, gestattet ist, früher als nach 24 Stunden sich eines Omnibus oder Lohnkutschers zu bedienen?“[68]
Aber auch August I. kommt nicht immer positiv weg, der Großherzog liebe „Prachtgebäude“, lebe in einer kostspieligen Residenz, aber die Straßen seien schlecht.[69] Er wirft ihm sogar vor, die Rechte des Volkes zu missachten, denn das Verlangen nach einer „Constitution“ sei ihr gutes Recht und „der Schutz wider Rechtsübergriffe und Despotismus“ gehöre in die Verfassung.[70]
Als Gründer des Oldenburger Hoftheaters ist ihm August I. natürlich lieb, und dass er mit ihm über Julius Mosens Drama „Don Johann von Österreich“ diskutieren konnte, zeige dessen Theatersachverstand.[71] „Zweideutige Theaterneigungen“, wie bei anderen Fürsten, sieht er beim Großherzog nicht.[72]
Ganz frei von Widersprüchlichem bei der Verteilung seiner Honneurs bleibt er dabei nicht: Den Oberamtmann Christian Friedrich Strackerjan[73] preist er für die Publikation zweier belletristischer Journale, „‚Die Oldenburger Mittheilungen‘[74] und die ‚Neuen Blätter für Stadt und Land‘“[75], obwohl Strackerjan ein stark konservativer Verfechter des patriarchalischen Obrigkeitsstaats und Gegner des Liberalismus war. Diesen lobt er vielleicht als Gegenleistung für Besprechungen mit positivem Inhalt in Journalen aus dem Oldenburgischen und die Möglichkeit, Gedichte in dessen Mittheilungen zu veröffentlichen.
Natürlich geht Mendelssohn auch ausführlich auf den Lebenslauf seinen Bruders Salomon ein und wie dieser sich um das Turnen verdient gemacht hat.[76]

Theaterstücke
Mendelssohn hat zahlreiche Theaterstücke aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt. In der Regel handelte es sich um Boulevardtheater. Diese Übersetzungen dienten allein dem Broterwerb. In der Regel lagen sie den Theaterensembles gedruckt als gebundene Büchlein vor, so dass die Schauspieler eine Textvorlage hatten. Erwirbt man solche kleinen Büchlein antiquarisch, so sind sie oft mit Anmerkungen, Textänderungen und Streichungen versehen. Von verschiedenen Theaterstücken gibt es konkurrierende Übersetzungen, so dass beispielsweise Mendelssohns Übersetzung im Norden und in Berlin gespielt wurde, die eines anderen Übersetzers in Süddeutschland.

Er hat einen kleinen Kanon von eigenen Theaterstücken hinterlassen. Seine Stücke waren in der Regel Schwänke oder Einakter für das Boulevardtheater; für intellektuell anspruchsvolle Stücke fehlte Mendelssohn die Bekanntheit, ein intellektuelles Publikum galt es nicht zu bedienen. Er hielt einen „gesteigerten Conversationston“ für sprachlich angemessen.[77] Man muss dazu sagen, dass auch Schiller, Lessing oder Goethe am Theater damals nicht die Rolle spielten, die wir heute vermuten, denn Theater diente zu jener Zeit oftmals eher dem Zeitvertreib als der intellektuellen Auseinandersetzung. Der Beobachter bezeichnete 1847 das Großherzogliche Hoftheater in Oldenburg explizit als eine Bühne, die „vorzugsweise ihre Kräfte dem Lustspiel und der Posse zuwenden muss und auch zuwendet“[78]. Die Dramaturgie am Hoftheater wurde auch von Joseph Mendelssohn positiv bewertet.[79]
Das bekannteste eigene Stück dürfte der Einakter „Ueberall Jesuiten !“ sein, ein Schwank von 1846.
Der Beobachter schreibt 1847, dass „Ueberall Jesuiten“ in Berlin 23 Mal, in Hamburg 13 Mal und in vielen anderen Städten „mit bestem erfolge gegeben worden“ ist und sein neuestes Lustspiel „Die Nebenbuhler, oder: So täuscht man sich!“[80] ebenfalls sehr gut nach Oldenburg passen würde, da es zeitgemäß sei, weil es zeige, „daß der Stand nicht den Menschen macht“. [81]
Aufführungen von Mendelssohns Stücken sind auch für das Oldenburgische bekannt. So wurde am 29. April 1845 sein Erstlingswerk „Die Namensbrüder, oder Bankier und Journalist“ am Großherzoglichen Hoftheater in Oldenburg gegeben, und Der Beobachter applaudierte eine Woche später dem „dramatischen Erstlings-Producte (…) und in der That, wir können uns nur lobend darüber aussprechen. Es soll, wie jede Posse, nichts weiter als Lachen erregen und diesen Zweck erreichte es hier vollkommen.“[82]

Selbst in Neustadtgödens („Neustadt-Gödens“) wurde am 18. August 1861, fünf Jahre nach Mendelssohns Tod, „Marie-Anne, eine Mutter aus dem Volke, oder: Das Findelhaus zu Paris“ im „Locale von Herrn Kloppenburg“[83] in der Kirchstraße als „Schauspiel in 5 Abtheilungen“ aufgeführt[84], wohl von einer reisenden Theatergruppe. Zu diesem Zeitpunkt gab es etwa 190 Juden im Ort, knapp 25 % der Gesamteinwohner.
„Die Nebenbuhler oder Soldat und Jurist“ war ein Lustspiel in fünf Akten, online ist eine Ausgabe einzusehen, die aus dem Nachlass des Wiener Burgtheaters stammt[85]. Sie enthält diverse Streichungen, Textkorrekturen und z. T. ganzseitige Anmerkungen. Dies deutet wohl darauf hin, dass es von der Regie am Burgtheater benutzt wurde, d.h. Mendelssohn wurde auch an renommierten Theatern gespielt.
Ich habe noch nicht herausfinden könne, wie Mendelssohn oder andere Autoren für die Theaterstücke entlohnt wurden. Das gilt auch für die Übersetzungen von Theaterstücken aus dem Französischen. Die Frage ist, ob diese einmalig monetär abgegolten wurden, oder gab es, wie später üblich, einen Prozentanteil von den beim Theater eingenommenen Eintrittsgeldern? Der Börsenverein des deutschen Buchhandels war 1825 gegründet worden, um die Buchhändler und Autoren finanziell auf solide Füße zu stellen, aber erst 1875 wurde die Buchpreisbindung eingeführt, wodurch die Honorierung transparenter wurde. Julius Mosen[86], als Dramaturg am Hoftheater in Oldenburg, erhält ein von Mendelssohn als angemessen angesehenes Jahressalär von 800 Thalern.[87]
Nicht nur in „Ecke Deutschlands“ zeigt sich Joseph Mendelssohn immer wieder als liberaler Geist; er gehört definitiv zu den Autoren des Vormärz und des Jungen Deutschland. Beim Aufmarsch von 2.000 Studenten und Arbeitern an der Pariser Freiheitssäule ist Mendelssohn zugegen, ihr „Vive le réforme“ klingt wohltuend in seinen Ohren.[88] Vernunft und Freiheit Hand in Hand wie in den Vereinigten Staaten von Amerika spricht ihm nach dem Sinn.[89] Die protzigen Mausoleen auf den Pariser Friedhöfen nötigen ihn zu der Bemerkung, wie viel Gutes man für das Geld an den Armen hätte tun können.[90] Er begrüßt die Umwälzungen für die arbeitenden Klassen,[91] gegen die „verfaulte Adels- und Geldaristokratie“ gehen die Arbeiter neue Wege des Denkens und an die Entfaltung ihrer intellektuellen Kräfte.[92] Und George Sand lobt er für ihren zweiphasigen Literaturansatz: erst Zorn, dann Beruhigung. Den von Sand geforderten Rechten der Ehefrau kann er folgen.[93]
Den sozialen Unruhen der Arbeiter in Paris – den aus der sozialen und politischen Lage entstandenen Demonstrationen – steht Mendelssohn gewogen gegenüber. Der Streik der Schneidergesellen ging auf die anderen Handwerker über, weil friedliche Reformen anscheinend unmöglich waren.[94] Gegen die Streikenden wurde mit massivem Polizeieinsatz vorgegangen, so dass es bald Tote gab.[95] Diese Brutalität der Exekutive entsetzt den liberalen Mendelssohn. Immer wieder kritisiert er die Regierung, spricht von Willkür[96] und Machtmissbrauch.[97]
Nun erlebte Mendelssohn die Revolution von 1848 in Deutschland, aber wie er darauf reagierte, wissen wir leider nicht. Vielleicht hat er in seinen zahlreichen Zeitungsbeiträgen dazu Stellung bezogen, denn politisch müsste die 48er Revolution seinen Einstellungen entsprochen haben. Diese Zeitungsbeiträge aufzuspüren ist mir nicht einmal im Ansatz gelungen, denn die meisten Zeitungen waren damals Kleinstauflagen und sind an den verschiedensten Stellen archiviert. Diese zu finden und zu analysieren würde mich überfordern – und online zugängig ist davon kaum etwas. Der Aufwand wäre unverhältnismäßig zum zu erwartenden Ertrag. Auch erfährt man von deutschen Archiven selten die Hilfestellung, die man bräuchte.
Judentum
Mendelssohn ist Jude, und er äußert sich auch zum Judentum. Ich habe vorhin schon aus einem Gedicht zitiert.
Für Oldenburg stellt er fest, dass es kaum Judenhass gibt, auch weil es bei den Juden keine, wie er es nennt, „Rohheit“ gäbe.[98] Allerdings beklagt er für Jever, dass nur der älteste Sohn den Status des „Schutzjuden“ erlangen kann und seine Geschwister keine Geschäfte betreiben können.[99] Jevers Juden mussten gegen Vorurteile und Nachteile kämpfen; der liberale Heinrich Georg Ehrentraut, damals noch Hofrat in Oldenburg und Redakteur des Jeverschen Wochenblatts, beklagte, dass diese nicht als Staatsbürger anerkannt seien.[100] Mendelssohn selbst war wohl kein praktizierenden Jude, er schreibt, der israelische Gottesdienst in Hamburg habe ihn nicht interessiert.[101]
Der Journalist
Joseph Mendelssohn war für sehr viele Zeitschriften tätig, unter anderem brachte er eine eigene heraus: Panorama der Gegenwart[102]. Durch eine Anzeige im Jeverschen Wochenblatt wissen wir, dass ein Jahresabonnement „nebst artistischen Beilagen 6 Pr. Ct.,[103] ohne Postporto“ kostete. Wollte der Leser auch das Beiblatt Hamburger Guckkasten erwerben, so musste er – ohne Postporto – noch 2 Pr. Ct. drauflegen.[104] Die Zeitung existierte von ca. Oktober 1841 bis Frühjahr 1842, genaueres kann ich nicht sagen. Die letzte mir bekannte Ausgabe ist No. 14 und gerade mal vier Seiten stark. Ein Exemplar vom Hamburger Guckkasten konnte ich nicht finden. Aber die Herausgabe einer eigenen Zeitschrift macht deutlich, dass es Joseph Mendelssohn durchaus nicht an Initiative und Wagemut mangelte.
Wir wissen, nicht nur durch den Zwist mit Vogel, dass Mendelssohn als Redakteur bei der Zeitschrift Jahreszeiten – Hamburger Neue Modezeitung tätig war, und zwar von Februar 1843 bis Juli 1844.[105] Dieser Tätigkeit verdanken wir auch Mendelssohns eigenhändige Unterschrift, denn wir konnten als Förderverein einen Brief für das Mendelssohn-Archiv am Mariengymnasium erwerben, den er kraft seines Amtes an Edouard Maria Oettinger, Herausgeber des Charivari, geschrieben hatte.
Die Journalistik kommt bei Mendelssohn indes nicht immer gut davon. „Eh‘ die Zeitungen die Wahrheit bringen, geht die Welt unter“[106] klagt er und mokiert sich über „diese Helden der Feder und der geladenen Flinte“[107]. Ich hoffe, dass er damit nicht auf sich selbst zielte.
Theater-Teufel

In Joseph Mendelssohns literarischem Kanon findet sich Lyrisches, Satirisches, Biographisches, Sozialanalytisches, Dramatisches, Prosaisches in munterem Wechsel. Er war Novellist, Lyriker, Journalist und Sachbuchautor.
Nun haben Sie ja vielleicht aus der Ankündigung entnommen, dass es heute auch um einen Theater-Teufel gehen soll. Man könnte Joseph Mendelssohn durchaus als solchen bezeichnen, denn das Theater hat bei ihm zeitlebens eine große Rolle gespielt, und gerne hat er einiges davon, wenn nicht verteufelt, so doch zumindest sehr kritisch begleitet. Dass gerade er 1848 das satirische, „theatergeschichtlich werthvolle Curiosum“[108] „Der Theater-Teufel….“[109] herausgibt, ist so fast zwangsläufig. Neben vielen anderen Beiträgern hat auch Joseph Mendelssohn einiges darin verfasst. Seine Beiträge sind mit „M.“ oder „Theaterteufel“ gekennzeichnet.[110]
Im „Theater-Teufel“ setzen sich die Autoren durchweg satirisch und kritisch mit der Welt des Theaters auseinander: z. B in „Zehn Gebote für die Kunstwelt oder Ergänzung des Berliner Hoftheater-Reglements“[111]: als Gebot VI gilt natürlich: „Du sollst keinen Theaterskandal durch ehebrechen und andere lasterhafte Privat-Angewöhnungen verursachen.“[112]
Im „Theater-Teufel“ finden wir satirische Essays, Gedichte, halbphilosophische Charakterisierungen und Portraits unter anderem von Carl Toepfer[113], Dramaturg in Hamburg, oder dem liberalen Schriftsteller und Theaterintendanten Feodor [von] Wehl[114] (der später die Jahreszeiten herausgeben sollte). Es gibt Beiträge von dem deutschen Humoristen Adolph Glasbrenner[115], bekannt als Vater das Berliner Witzes, dem Dramatiker Johann Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroy[116], den Schriftstellern Karl Arnold Schlönbach[117] und Moritz Gottlieb Saphir.[118]
Und neben vielen anderen Beiträgen hat uns Joseph Mendelssohn sieben Verse eines Gedichts dazugetan. Den ersten Vers „Aus des Teufels Nadelbüchse“[119] möchte ich zitieren:
Weiß man bei Hof nichts zu beginnen
Mit dummen adligen Bekannten,
So macht man sie, nach kurzem Sinnen,
Ganz ohne Müh‘ zu – Intendanten!
Gerade einmal 39jährig verstarb Joseph Mendelssohn am 4. April 1856 im Allgemeinen Krankenhaus in Hamburg. Woran er gestorben ist, weiß ich nicht. Aber er war verarmt, und er hinterließ einen minderjährigen Sohn, ggf. unehelich.
Es ist mir noch nicht gelungen herauszufinden, auf welchem Friedhof er begraben liegt. Es wird diesbezüglich Unterlagen geben, aber meine Anfragen an das Staatsarchiv der Stadt Hamburg wurden negativ beantwortet.
So, damit haben wir nun die Brücke ins 21. Jahrhundert geschlagen.
Ich danke ihnen für ihre Geduld mit mir.
………
Der Vortragstext wurde vom Referenten mit Fußnoten versehen. Weitere Informationen zu Joseph Mendelssohn bietet das Buch: Klitsch, Hans-Jürgen: Joseph Mendelssohn. Jüdischer Autor aus Jever – ein streitbarer Jungdeutscher in Paris, Hamburg und Oldenburg.- Oldenburg: Isensee 2026 (Vorträge und Schriften der Oldenburgischen Landschaft, Bd. 61). Stand Juli 2026.
[1] London war knapp doppelt so bevölkerungsreich, New York City kam auf 300.000 Einwohner.
[2] Mendelssohn, Joseph, Pariser Briefe, 1. Bis 3. Band, Leipzig, 1841 (in einem Band), hier: Band 2, Brief 12, S. 149.
[3] Ebd., Band 3, Brief 1, S. 9.
[4] Ebd., Band 3, Brief 2, S. 21.
[5] Eine Ecke Deutschlands. Reisesilhouetten, Oldenburger Bilder, Charaktere und Zustände, Oldenburg, Gerhard Stalling, 1845, S. 107.
[6] geb. 17. Juli 1778, gest. 10. August 1848
[7] Meiners, Werner, Nordwestdeutsche Juden zwischen Umbruch und Beharrung – Judenpolitik und jüdisches Leben im Oldenburger Land bis 1827, Hannover 2001, S. 273.
[8] Brämer, Andreas, „Kley, Eduard Israel“, in: Institut für die Geschichte der deutschen Juden (Hrsg.), Das Jüdische Hamburg – Ein historisches Nachschlagewerk, Göttingen 2006, S. 160.
[9] Herzig, Arno, Wohlwill (auch: Wolf), Immanuel, in: Institut für die Geschichte der deutschen Juden (Hrsg.), Das Jüdische Hamburg – Ein historisches Nachschlagewerk, Göttingen 2006, S. 282.
[10] Brümmer, Franz, Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten des neunzehnten Jahrhunderts, 3. Ausgabe, Zweiter Band. M bis Z, Leipzig 1888, S. 29; NB. Der Vieweg Verlag existierte als wissenschaftlicher Verlag bis 2008.
[11] Mendelssohn, Joseph, Blüthen: Gedichte und Novellen eines Schriftsetzers. Mit einer Vorrede des Geheimraths Fr. v. Strombeck, Braunschweig, 1839.
[12] Julius Campe verlegte auch Heinrich Heine, Karl Gutzkow, Ludwig Börne u.a. und war als Sprachrohr des Jungen Deutschlands eine wichtige Instanz.
[13] Jeversches Wochenblatt, No. 51, 23. December 1838, Spalte [5f].
[14] Allgemeine Deutsche Biographie, Zweiundfünfzigster Band, Nachträge bis 1899: Linker – Paul. Historische Commission bei der Königl. Akademie der Wissenschaften (Hrsg.), Leipzig 1906, S. 559.
[15] Mendelssohn, Joseph, Salomon Heine – Blätter der Würdigung und Erinnerung für seine Freunde und Verehrer, Hamburg 1844; 3. vervollständigte Auflage, Hamburg 1845.
[16] Mendelssohn, Joseph, Wilde Blumen, Dichtungen, Leipzig 1843.
[17] Aus: „An viele deutsche Juden“, in: Wilde Blumen, S. 115.
[18] Johann Jakob Weber war ein konservativer Verleger, der die 1848 Revolution höchst abwertend begleitete.
[19] Pariser Briefe, Band 3, Brief 2, S. 21f.
[20] Ebd., S. 22f.
[21] Alexander (Alexandre) Weill, der auch ‚Reisebriefe‘ aus Paris in deutschen Zeitschriften veröffentlichte, zum Beispiel in „Die Grenzboten: Zeitschrift für Politik, Literatur und Kunst“, 1841 u. 1842.
[22] Pariser Briefe, Band 3, Brief 2, S. 22.
[23] In Mittheilungen aus Oldenburg zur Beförderung angenehmer Unterhaltung., Oldenburg, Siebenter Jahrgang. No. 5. 30. Januar. 1841. S. [1]; NB: Dieses Gedicht ist recht progressiv für die Zeit. Mendelssohn verzichtet auf Endreime; stattdessen betont er den Rhythmus: paarweise wird immer eine 11silbige Verszeile von einer 10silbigen gefolgt.
[24] Pariser Briefe, Band 1, Brief 3, S. 23.
[25] Ebd., S. 24.
[26] Ebd., Brief 6, S. 60.
[27] Ebd., Brief 21, S. 207.
[28] Ebd., Brief 3, S. 22.
[29] Pariser Briefe, Band 1, Brief 5, S. 42ff.; Brief 10, S. 90ff; Brief 11, S. 104; Band 2, Brief 6, S. 73f.; Brief 9, S. 107ff.; Brief 10, S. 121ff.; Brief 11, S. 131ff.; Band 3, Brief 1, S. 1ff.
[30] Ebd., Band 2, Brief 11, S. 139.
[31] Eigentlicher Name: François-Marie Arouet, *21.11.1694,†30.5.1778; Pariser Briefe, Band 1, Brief 5, S. 52.
[32] Jean Baptiste Racine, *22.12.1639. † 21.4.1699; ebd., Band 3, Brief 5, S. 49.
[33] Pierre Corneille, *6.6.1606,†1.10.1684; ebd.
[34] Hégésippe Moreau, richtiger Name: Pierre-Jacques Rouillot; *8.4.1810, †20.12.1838, ebd., Band 2, Brief 5, S. 41ff.
[35] Louis Jean Népomucène Lemercier, *20.4.1771, †7.6.1840); ebd., Band 1, Brief 6, S. 53f.
[36] Jean François Casimir Delavigne, *4.4.1793, †11.12.1843, ebd., Brief 4, S.28ff.
[37] Augustin Eugène Scribe, *24.12.1791, † 20.2.1861 leitete quasi eine Fabrik für Theaterstücke, wobei er mehr als ein Dutzend Textautoren beschäftigte und selbst quasi als Ideenlieferant wirkte.
[38] Pariser Briefe, Band 2, 7. Brief, S. 97f.
[39] Der Originaltitel war „Bertrand et Raton, ou l’art de conspirer“; in der Übersetzung von Heinrich Marr hieß es „Der Minister und der Seidenhändler, oder: Die Verschwörungskunst.“; in der Übersetzung von Carl Riemann hieß es „Der Minister und der Seidenhändler, oder: Die Verschwörungskunst.“, aber auch „Der Minister und der Seidenhändler, oder: Die Kunst, Verschwörungen zu leiten“; in der Übersetzung von H. Meindl hieß es „Minister und Seidenhändler oder die Kunst Verschwörungen zu leiten“
[40] Unbekannter Autor, in: Mittheilungen aus Oldenburg. Achter Jahrgang, No. 11, 12. März 1842.
[41] https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Gutzkow, aufgerufen 20.4.26, 19:04 h.
[42] Mendelssohn, Joseph, in: Panorama der Gegenwart. Originalblätter für Unterhaltung, Literatur, Kunst und Weltleben, Hamburg. Nr. 2, 5. November 1841, Sp. 14f.
[43] Karl Gutzkow, „Literarischer Augiasstall I. Der Schriftsetzer Joseph Mendelssohn in Hamburg“, in: Telegraph für Deutschland, Nr. 184, Hamburg 17. November 1841, S. 733f.
[44] Allgemeine Deutsche Biographie, S. 560.
[45] Allgemeine Deutsche Biographie, S. 250.
[46] Ebd., S. 251.
[47] Die Ehe dauerte nur bis November des Jahres, als Radisch im Wochenbett verstarb.
[48] Mendelssohn, Joseph, „Die Vogel-Scheuche oder: Jahreszeiten-Unfug. Veröffentlicht zur Warnung für Publikum und Literaten“, Altona 1846.
[49] „Die Vogel-Scheuche“, S. 3. NB: Diese Erklärung war schon in Privilegirte wöchentliche gemeinnützige Nachrichten von und für Hamburg vom 25. Juni 1846 abgedruckt gewesen.
[50] Eine Ecke Deutschlands. Reisesilhouetten, Oldenburger Bilder, Charaktere und Zustände, Oldenburg, Gerhard Stalling, 1845. NB: Eine Faksimile-Ausgabe gibt es vom Verlag Schuster, Leer.
[51] Ecke, S. 108f.
[52] Ebd., S. 119; die Jeverländischen Nachrichten war ein unterhaltsames, eher literarisch geprägtes Beiblatt zum Jeverschen Wochenblatt.
[53] Ecke, S. 108ff.
[54] Ebd., S. 116.
[55] Ebd., S. 111.
[56] Ganz nebenbei: Das scheint sich bis in unsere Zeit erhalten zu haben, selbst als Playmobil-Spielzeug erfreut Maria die Herzen der Jeveraner!
[57] Ecke, S. 101.
[58] Ebd., S. 114.
[59] Ebd., S. 105.
[60] Dies waren landwirtschaftlich tätige Menschen, Besitzer von Kotten, Kleinbauern mit wenig Land oder ohne Landbesitz; deshalb waren sie abhängig vom Wohlwollen des Bauern, dem sie auf Befehl Hilfsdienste zu leisten hatten.
[61] Ebd., S. 105.
[62] Ebd., S. 106f.
[63] Ebd., S. 8.
[64] Ebd., S. 22.
[65] Ebd., S. 51.
[66] Ebd., S. 25.
[67] Ebd., S. 38.
[68] Ebd.
[69] Ebd., S. 44.
[70] Ebd., S. 50.
[71] Ebd., S. 31.
[72] Ebd., S. 32.
[73] * 1777 1848. Ein Oldenburger Jurist, Historiker und bekennender Freimaurer, der auch als Autor tätig war.
[74] Er meint die Mittheilungen aus Oldenburg.
[75] Ecke, S. 80f
[76] Ecke, S. 89ff. Auch zu Salomon Mendelssohns Hauptwerk „Worte über die Turnanstalt zu Jever“ von 1842 gibt es eine Faksimile-Ausgabe.
[77] Ecke, S. 73.
[78] Der Beobachter, Oldenburg, 12.1.1847, S. 14.
[79] Ecke, S.75f.
[80] Er meint: „Die Nebenbuhler oder Soldat und Jurist.“
[81] Der Beobachter, 12.1.1847, S. 14.
[82] Ebd., 2.5.1845, S. 144.
[83] Das für Neustadtgödens untypisch große, dreigeschossige Haus in der Kirchstr. 58 war um 1820 von einem Herrn Urban aus Böhmen erbaut worden und ging 1833 an Diederich Kloppenburg (* 1805 in Brake, 1877 in Neustadtgödens) über. Der Saal war im Obergeschoss. Ab ca. 1850 war Kloppenburg auch Billardhalter. In den 1870er Jahren wurde das Lokal in Hotel zur Deutschen Eiche umbenannt. Die SA benutzte das Haus während des NS-Pogroms vom 9./10. Nov. 1938 als Interimgefängnis für die jüdischen Menschen aus Neustadtgödens und Horsten. Von hier wurden am folgenden Tag die Männer in das KZ Sachsenhausen verschleppt. In den 1960er Jahren fanden noch Tanzveranstaltungen mit Live-Bands im Saal statt. Heute steht das Gebäude leer.
[84] Jeversches Wochenblatt, No. 98, 15.8.1861, Sp. [8].
[85] https://play.google.com/books/reader?id=w7BZ-zRLSKQC&pgGBS.PP4&hl=de aufgerufen 10.4.26, 16:04 h.
[86] * 8.7.1803, 10.10.1867, der Texter des Andreas-Hofer-Lieds
[87] Ecke, Seite 60.
[88] Pariser Briefe, Band1, Brief 8, S. 72.
[89] Ebd., Brief 9, S. 80
[90] Ebd., Band 2, Brief 2, S. 13f
[91] Ebd., Band 3, Brief 14, S. 154.
[92] Ebd., S. 155
[93] Ebd., Brief 3, S. 27f.
[94] Ebd., Band 1, Brief 13, S.119ff.
[95] Ebd., S.125.
[96] Ebd., Brief 18, S. 181.
[97] Ebd., Brief 14, S. 133f.
[98] Ecke, S. 93f.
[99] Ecke, S. 95.
[100] Ecke, S. 96.
[101] Pariser Briefe, Band 1, Brief 10, S. 98.
[102] Panorama der Gegenwart. Originalblätter für Unterhaltung, Literatur, Kunst und Weltleben, Hamburg.
[103] Preussische Courant
[104] Jeversches Wochenblatt, No. 17, 24. April 1842, Sp. [14].
[105] Recherche von Charlotte Hinrichs, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, eMail vom 29.01.2025, 16:04.
[106] Ecke, S. 29.
[107] Pariser Briefe, Band 1, Brief 12, S. 112.
[108] Allgemeine Deutsche Biographie, S. 251.
[109] Mendelssohn, Joseph [Hrsg.], Der Theater-Teufel – Humoristisch-satyrischer Almanach für 1848, Hamburg 1848, B. S. Behrendson.
[110] Allgemeine Deutsche Biographie, S. 561.
[111] Theater-Teufel, S. 155ff.
[112] Theater-Teufel, S. 159.
[113] Theater-Teufel, S. 1; Karl Friedrich Gustav Töpfer, * 26. Dezember 1792,† 22. August 1871, war ein damals in Hamburg ansässiger Theaterfachmann, Dramaturg und Publizist.
[114] Theater-Teufel, S. 21ff.
[115] * 27.3.1810, 25.9.1876; deutscher Satiriker und Humorist, bekannt als Vater das Berliner Witzes; Theater-Teufel, S. 89 – 115.
[116] * 7.12.1801, 25.5.1862; österreichischer Dramatiker, Schauspielen und Sänger; Theater-Teufel, s. 39ff.
[117] Karl Arnold Schlönbach, * 31.8.1817, 17.9.1866, deutscher Schriftsteller.
[118] Moritz Gottlieb Saphir, * 8.2.1795, 5.9.1858; österreichischer Schriftsteller, Journalist und Satiriker.
[119] Theater-Teufel, S. 33.
