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Herzlich willkommen!

GröschlerHaus aktuell


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Das im September 2014 gegründete GröschlerHaus befindet sich noch in einer Aufbauphase. Der virtuelle Ableger – die Internetzeitschrift groeschlerhaus.eu mit der Rubrik erinnerungsorte-friesland.de – ist seit Februar 2015 im Netz. Das GröschlerHaus versteht sich als Zentrum für Jüdische Geschichte und Zeitgeschichte der Region Friesland / Wilhelmshaven.

Real befinden wir uns auf 140 Quadratmetern im Erdgeschoss eines Klinkerhauses in der Großen Wasserpfortstraße 19, 26441 Jever. Das Haus schloss 1954 die hier seit der Zerstörung der jeverschen Synagoge durch den Novemberpogrom 1938 klaffende Baulücke. Im Neubau haben sich Reste der Mikwe und der jüdischen Schule erhalten. Wir haben uns nach den beiden letzten Vorstehern der Jüdischen Gemeinde Jever, den Brüdern Hermann (1880 Jever–1944 KZ Bergen-Belsen) und Julius Gröschler (1884 Jever–1944 Auschwitz) benannt.

Der Arbeitskreis GröschlerHaus im Jeverländischen Altertums- und Heimatverein e.V. betreut die Einrichtung ehrenamtlich und entwickelt sie zusammen mit dem Schlossmuseum Jever weiter. Wir sind aus einem 1979 am Mariengymnasium Jever begründeten regionalen Projekt zur Erforschung der NS-Geschichte hervorgegangen. Träger des GröschlerHauses ist der Zweckverband Schlossmuseum Jever, den der Landkreis Friesland, die Stadt Jever und der Jeverländische Altertums- und Heimatverein e.V. Jever bilden, Geschäftsführerin: Dr. Antje Sander. Das GröschlerHaus ist Bestandteil der Initiative “Erinnerungsorte in Friesland” des Zweckverbandes. Die Internetzeitschrift groeschlerhaus.eu wird von Hartmut Peters herausgegeben.

Konzept

Das GröschlerHaus ist kein Museum mit Exponaten zur jüdischen Kultur, sondern ein Informations- und Veranstaltungszentrum zur Jüdischen Geschichte und zur Zeitgeschichte der Region. Die Geschichte der Juden im Raum Friesland / Wilhelmshaven wird in den historischen Prozess gestellt. „Zeitgeschichte“ meint auch Themen, die nichts mit den “langen Schatten” der NS-Gewaltherrschaft zu tun haben, wie beispielsweise die aktuelle Situation von Geflüchteten in der Region.

Als außerschulischer Lernort wenden wir uns an die Schulen und entwickeln zusammen mit ihnen Module für die Fächer Geschichte, Politik, Religion und Werte/Normen. Wir kooperieren mit der Erwachsenenbildung und präsentieren der regionalen Öffentlichkeit und den Touristen Angebote unterschiedlicher Art. Über geeignete Materialien, Medien und Veranstaltungen sollen geschichtliches Wissen und Meinungsbildung unterstützt werden.

Wir planen: eine mediendidaktisch optimierte Basisausstellung über das 20. Jahrhundert, einen Bereich zum individuellen Quellenstudium, Platz für Gruppen und Veranstaltungen bis zu 60 Personen, eine flexible Raumgestaltung für Sonderausstellungen sowie eine Bibliothek zur Region. Die Mikwe und der Schulraum – bauliche Relikte der zerstörten Synagoge – werden seit dem großen Umbau 2017/18 angemessen in den Räumlichkeiten präsentiert. Seit der Wiedereröffnung am 15. April 2018 zeigen wir die Ausstellung “80 Jahre nach dem NS-Pogrom – die Synagoge von Jever und ihre Zerstörung im Jahre 1938” und bieten bereits einige Module sowie laufend Veranstaltungen an.

Die Website www.groeschlerhaus.eu (auch www.gröschlerhaus.eu) informiert über unsere Aktivitäten und Angebote und über thematisch passende unserer Kooperationspartner. Wenn die Informationen zugeschickt werden, nehmen wir auch gerne Veranstaltungen anderer Träger in den Veranstaltungskalender auf. Als Internetzeitschrift publiziert www.groeschlerhaus.eu – mit der auch unabhängig ansteuerbaren Rubrik www.erinnerungsorte-friesland.de – Artikel und Dokumentationen zur Jüdischen Geschichte und zur Zeitgeschichte des Landkreises Friesland und der Stadt Wilhelmshaven. (Stand 5. Mai 2018)


Welcome to Groeschler House

Groeschler House opened in 2014 and provides accomodation for the Centre for the History of the Jews and the Contemporary History in the (Northern German) Region of Friesland / Wilhelmshaven, which is still in an early stage of development. It is located in Jever, Große Wasserpfortstraße 19, the site, where the Jever Synagogue stood until its destruction in 1938. It fills the ground floor of a building from 1954 and preserves some remains of the destroyed synagogue.

Groeschler House is named after the last two leaders of the Jever Jewish community, the brothers Hermann and Julius Groeschler. Hermann was born 1880 in Jever and died 1944 in the concentration camp of Bergen-Belsen. Julius was born 1884, also in Jever, and was murdered in Auschwitz 1944.

Legally responsible for the Groeschler House is the association “Zweckverband Schloss-Museum Jever”. This
organisation was founded by the county of Friesland, the town of Jever and the “Jeverländische Altertums- und Heimatverein e.V.”, a group for the exploration of local history. Manager of the association “Schloss-Museum Jever” is Dr. Antje Sander.

Members of the working group Groeschler House within the “Altertums- und Heimatverein” are volunteers. They take care of the institution and will, together with the association “Schloss-Museum Jever”, develop Groeschler House further. The working group grew out of a project initially started 1979 by the local high school “Mariengymnasium” and tasked with the exploration of Jever’s Nazi past.

Concept

GroeschlerHouse, still in the setting-up-phase, is not meant as a museum for exhibits of Jewish culture. It is supposed to be a centre for information, events and meetings focusing on regional Jewish and contemporary history. This means the history of Jews of our home region will be placed into the general historic process. „Contemporary history“ includes subjects, that not necessarily deal with the long shadows of the Nazi-past.

As an additional site for learning we apply to schools in order to develop modules for school subjects such as History, Politics, Religion and Ethics. We also are cooperating with adult education and offer various arrangements to the regional population as well as tourists.

With the help of appropriate material, media and arrangements like meetings or lectures we want to support historical knowledge and opinion building. We also act as platform for giving notice of events offered by other organizations based in our region Friesland/Wilhelmshaven.

Our plans: A modern basic exhibition on the 20th century; an area for individual original research; space for group-meetings and events with up to 70 participants; flexibility of rooms for special exhibitions; a regional library. And last not least: an adequate presentation of the cellar – mikwe.

At present the exhibition „History of Jever’s Jews“, originating in the year 2006, can be visited. Modules and arrangements are offered (see “Angebote”).

 


 

Hermann und Julius Gröschler

Auf dem Grundstück des jetzigen GröschlerHauses errichteten die Juden Jevers 1802 ihre erste Synagoge. Hier weihten sie 1880 einen größeren Neubau ein, der als schönste Synagoge weit und breit galt. Diesen zerstörten jeversche Nationalsozialisten beim Pogrom vom 9. November 1938. Gleichzeitig wurden alle männlichen Juden der Stadt für mehrere Wochen in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Auf dem Gelände der Synagoge entstand 1954 ein Geschäftshaus. Seit 2014 befindet sich hier das “Zentrum für Jüdische Geschichte und Zeitgeschichte der Region Friesland / Wilhelmshaven”. Der Name “Gröschlerhaus” erinnert an die beiden letzten Vorsteher der Synagogengemeinde. Diese waren Mittelpunkt und Ansprechpartner für alle jeverschen Juden, bevor sie vertrieben oder ermordet wurden.

HermannGroeschler

Hermann Gröschler

 

Hermann Gröschler (1880 Jever-1944 KZ Bergen-Belsen) leitete zusammen mit seinem Bruder Julius bis zur Enteignung durch die Nationasozialisten 1938/39 den Großhandel “S. Gröschler KG” an der Albanistraße. Hermann Gröschler war seit 1923 Vorsteher der jüdischen Gemeinde und politisch und gesellschaftlich sehr engagiert. 1933 entfernten ihn die Nationalsozialisten aus dem gleichgeschalteten Stadtrat Jevers, aus dem Vorstand der Stadtsparkasse Jever und aus dem Vorstand des Arbeitsamts Wilhelmshaven /Rüstringen.

Nach dem Novemberpogrom emigirierte er Anfang 1939 in die Niederlande, kam hier nach der deutschen Okkupation 1942 in das Konzentrations- und Durchgangslager Westerbork und erlag den Grausamkeiten 1944 im KZ Bergen-Belsen.

JuliusGroeschler

Julius Gröschler

 

Julius Gröschler (1884 Jever-1944 Auschwitz ) gelang die Emigration nicht. Als nachfolgender Gemeindevorsteher wurde er Anfang 1940 von der Geheimen Staatspolizei, dem Landkreis Friesland und der Stadt Jever bei seinem Leben und seinen finanziellen Mitteln dafür haftbar gemacht, dass die angeordnete Zwangsumsiedlung der jeverschen Juden in die deutschen Großstädte innerhalb von sechs Wochen auch tatsächlich erfolgte.

Nach drei Jahren in einem sog. “Judenhaus” in Hamburg wurde das Ehepaar Julius und Hedwig Gröschler 1943 in das Konzentrations- und Durchgangslager Theresienstadt deportiert und 1944 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet.

 


 

Rückblick des Arbeitskreises GröschlerHaus auf das Jahr 2019

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Im Mittelpunkt des Jahres 2019 standen zwei Ausstellungseröffnungen und eine Umstrukturierung der ständigen Ausstellung. Zunächst wurde vom 31. März bis 15. August die Wanderausstellung: „Unter uns? Sinti in Ostfriesland“ des Heimatmuseums Leer und des dortigen 1. Sinti-Vereins Ostfriesland e.V. gezeigt. Die Ausstellung ergänzten zwei gut besuchte Veranstaltungen mit Vertretern des Sinti-Vereins, die sich speziell an Schulen richteten. Mit dieser Dokumentation der Geschichte und der Gegenwart der Sinti in Ostfriesland rückte ein bisher wenig beachteter Teil der Regional- und Landesgeschichte in den Blick und regte die Mehrheitsgesellschaft an, einmal einen Perspektivwechsel vorzunehmen.

Am 1. September – 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen und damit des Beginns des Zweiten Weltkriegs – eröffnete unter großer Beteiligung der Bevölkerung die umfangreiche Ausstellung „Aufrüstung, Krieg und Befreiung im Jeverland: 1933 bis 1945“. Sie wurde durch die entschiedene Förderung des Schloss-Museums und durch Spendengelder an das GröschlerHaus möglich und wird noch bis zum August 2020 gezeigt. Wenig später erschien der gleichnamige Katalog zur Ausstellung, der die Aktualität des historischen Themas durch das gewählte Format einer Tageszeitung betont.

Gleichzeitig wurde die bereits bestehende Ausstellung über die jeversche Synagoge, auf deren Grundmauern ja das GröschlerHaus steht, und die jüdische Gemeinde neu gestaltet und als Basis-Ausstellung unter dem Titel „Was blieb“ im östlichen Teil des Raumes neu zusammengefasst. Als Besonderheiten werden die beim Umbau des Jahres 2018 gefundenen Reste vom Brand der Synagoge 1938 und die Keller-Mikwe präsentiert.

Im Jahr 2019 haben rund 1.600 Besucher das GröschlerHaus besucht, darunter eine Reihe Schulklassen sowie Besuchergruppen aus dem kulturellen und politischen Leben der Region. Die Führungen erfolgen durch die Mitglieder des Arbeitskreises. Volker Landig und Uta Esselborn boten 2019 erneut auch Führungen über den jüdischen Friedhof und durch das jüdische Jever an.

Durch Veranstaltungen im GröschlerHaus, aber auch an anderen Bildungsstätten wie z.B. der Volkshochschule Wilhelmshaven wurden weitere rund 400 Besucher erreicht. So musste beim Vortrag des Historikers Heiko M. Pannbacker am 17. September über das Thema „Wie der Jazz unter die Nazis geriet“ u.a. der umgedrehte Papierkorb als Sitzgelegenheit herhalten.

Nach dem Mordanschlag auf die Synagoge von Halle Anfang Oktober 2019 gehörte der Arbeitskreis zu den Initiatoren einer spontanen Kundgebung gegen Gewalt und Antisemitismus. Das Gedenken an den Pogrom vom 9. November 1938, für dessen jährliche Organisation die Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit zuständig ist, wurde unterstützt und durch eine eigene Veranstaltung zum Thema „Jüdische Frauen während des Progroms“ und die Präsentation eines interaktiven Hörspiels von Gina Bremer über den Pogrom in Jever ergänzt.

Der Arbeitskreis GröschlerHaus, organisert im Jeverländischen Altertums- und Heimatverein e.V., besteht gegenwärtig aus zwölf Ehrenamtlichen. Für die Arbeitskreismitglieder, ihre Freunde und die teilnehmenden Repräsentanten des öffentlichen Lebens war sicherlich die Bar Mitzwa Feier von Jacob Rumens aus Northampton am 26. August ein Höhepunkt. Jacob ist ein Urenkel des Ehepaars Julius und Hedwig Gröschler, das die Nationalsozialisten 1944 in Auschwitz ermordeten. Nach dem Novemberpogrom 1938 gelang es dem Ehepaar noch, die beiden Söhne nach England in Sicherheit zu bringen. 1984 kam Frank Gale (Fritz Gröschler) zusammen mit seiner Ehefrau und den beiden Töchtern zurück nach Jever. Er folgte der Einladung der Initiative „Juden besuchen Jever“ am Mariengymnasium. Nach dem Tod des Vaters im Jahre 1997 hielten die Töchter den Kontakt zu Jever. 2014 nahmen sie zusammen mit ihren Kindern an der Namensgebungsfeier für das Gröschler-Haus teil. Als Lori und Paul Rumens ihren Sohn fragten, wie er sich denn nun sein Bar Mitzwa vorstelle, war dessen klare Antwort: „In Jever“. Einfacher wäre es in England gewesen. So nahm ein nicht leicht zu organisierendes Vorhaben seinen Lauf, das das GröschlerHaus für wenige Stunden in eine Synagoge verwandelte. Über die Veranstaltungshektik wurde übrigens der 5. Jahrestag der Eröffnung des Gröschlerhauses (29. September 2015) schlichtweg vergessen.

Nach dem liturgischen Teil der Bar Mizwa von Jacob Rumens spielte am 26. August der Oldenburger Liedermacher Iko Andrae zum Tanz auf.

Auch in weiteren Monaten des Jahres besuchten Nachkommen jeverscher Juden die Marienstadt auf den Spuren ihrer Vorfahren, sie kamen aus Kanada, England, den Niederlanden und Australien. Als Hartmut Peters für sein ehrenamtliches Engagement in der Geschichtsaufarbeitung am 7. Mai das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, war Prof. Dr. Bob Löwenberg aus Rotterdam, ein Enkel des in Bergen-Belsen umgekommenen vorletzten Vorstehers der jeverschen Synagogengemeinde Hermann Gröschler, einer der Laudatoren.

Durch persönliche Kontakte fanden auch weiterhin wichtige Fotos und Dokumente ihren Weg in das Archiv des Zeitgeschichtszentrums. Die Kontaktaufnahme kam meist über die Internetzeitschrift groeschlerhaus.eu des Arbeitskreises zustande. Die Mitarbeiter beantworteten außerdem zahlreiche Anfragen aus dem In- und Ausland. 2019 nutzten 32.000 Besucher mit 96.000 Aufrufen die Seite, eine vergleichsweise stattliche Bilanz. Das Portal erinnerungsorte-friesland.de des Schloss-Museums ist mit der Internetzeitschrift eng verbunden. Die Portale bieten eine interaktive Landkarte Frieslands der Erinnerungsorte und an die 150 Informationsartikel sowie viele weitere Angebote zur Landesgeschichte. So sind z.B. sämtliche Tafeln der aktuellen Ausstellung als PDF hier verfügbar. Wegen des großen Interesses an Fritz Levy, dem letzten Juden Jever, bietet das GröschlerHaus seit kurzem auch die Website www.fritzlevy.de angeboten.

Das GröschlerHaus baute 2019 sein Netzwerk weiter aus und kooperierte u.a. wie schon in den Jahren zuvor mit den Kinofreunden Friesland e.V. in der Reihe „Der besondere Film“ und ist als außerschulischer Lernort im Verbund der fünfzehn Lernorte in der „Bildungslandschaft Landkreis Friesland“ aktiv. Über das Bildungsbüro des Landkreises können Fahrten von Schulklassen zum GröschlerHaus finanziell gefördert werden. Mehrfach konnte das Team befreundete Initiativen durch wissenschaftliche Recherchen und Kontakte unterstützen, wie z.B. bei der Einweihung der Gedenkstele für die sogenannten Exodus-1947-Juden am 6. September in Sengwarden.

Der Historiker Heiko M. Pannbacker aus Hannover während seines sehr gut besuchten Vortrags zum Thema „Wie der Jazz unter die Nazis kam“ am 17. September.

In der Reihe „Schriften zur Geschichte des Nationalsozialismus und der Juden im Landkreis Friesland“ konnten 2019 im Verlag Fuego, Bremen, unter dem Titel „Das offene Versteck“ die Erinnerungen von Robert de Taube veröffentlicht werden.

Das GröschlerHaus erfährt nach wie vor große Unterstützung durch den Landkreis Friesland, die Stadt Jever, den Zweckverband Schloss-Museum Jever, das Schloss-Museum und durch viele Förderer aus der Zivilgesellschaft und fast allen politischen Parteien. Ohne sie alle könnte die Geschichtsarbeit, die im Grunde Arbeit für unserer demokratische Gegenwart ist, ideell und finanziell gar nicht aufrechterhalten und weiterentwickelt werden können. Ihrem Schulterschluss gilt der Dank in gesellschaftlich und politisch schwieriger Zeit.

Hartmut Peters

 

Das GröschlerHaus in der Gr. Wasserpfortstraße 19, Jever, ist regelmäßig geöffnet Dienstag und Freitag von 10 bis 12 Uhr und Donnerstag von 16 – bis 18:30 Uhr. Weitere Öffnungszeiten und Führungen für Gruppen können über 04461-964426 oder info@groeschlerhaus.eu vereinbart werden. Weitere Informationen über www.groeschlerhaus.eu sowie www.erinnerungsorte-friesland.de.

 


Rückblick auf das Jahr 2017 im GröschlerHaus

Die beste Nachricht für das Zentrum für Jüdische Geschichte und Zeitgeschichte der Region war seine Schließung im September 2017. Denn diese markierte den Beginn der lange erhofften, umfassenden Sanierungsmaßnahmen, die das bisherige Provisorium in der Großen Wasserpfortstraße 19 zu einem zeitgemäßen außerschulischen Lernort umgestalten sollen. Fußboden, Elektrik, Brandschutz, Heizung, Energetik, Toiletten, Fenster, Dach u.a.m. des Gebäudes, das an der Stelle der 1938 zerstörten Synagoge steht, müssen modernisiert werden. Dafür haben auf Initiative von Prof. Dr. Antje Sander vom Zweckverband Schlossmuseum die LEADER-Regionen Nordseemarschen und Südliches Friesland beträchtliche Mittel der Europäischen Union für die Förderung des ländlichen Raums bereitgestellt. Diese werden gegenwärtig im Rahmen des Projekts „Erinnerungsorte in Friesland“ investiert. Die Wiedereröffnung des Zeitgeschichtszentrums ist für den 15. April 2018 geplant. Dann sollen auch die Artefakte der zerstörten Synagoge präsentiert werden, die beim Abriss eines Schuppens im Hof gefunden wurden.

Kurz zuvor war der Ankauf des Gebäudes aus Privatbesitz durch die Hanna- und Elfriede-Heeren-Stiftung unter dem Dach der JaWir-Stiftungen erfolgt. Hiermit ist die weitere Existenz des GröschlerHauses, das durch eine Gruppe von Ehrenamtlichen betrieben wird, abgesichert.

Wegen der Schließung sanken naturgemäß die jährlichen Besucherzahlen, die in den Sommermonaten noch durch die Präsentation des eindrucksvollen Ölbilder-Zyklus „Reise nach Jerusalem“ der Essener Künstlerin Michaela Classen stark angestiegen waren. Durch eine Reihe von Veranstaltungen außer Haus wurde ein gewisser Ausgleich geschaffen. So suchten die Schulklassen einmal nicht den authentischen Gedenkort auf, sondern die Mitarbeiter des GröschlerHauses kamen mit dem Medienkoffer in der Schule vorbei. Jeweils zwei stark frequentierte Rundgänge durch das jüdische Jever bzw. Besichtigungen des jüdischen Friedhofs wurden angeboten. Zusammen mit den „Kinofreunden Friesland e.V.“ fand in der jeverschen „Filmpalette“ ein wissenschaftliches Seminar der Murnau-Stiftung mit Filmvorführung über den antisemitischen Hetzfilm „Jud Süß“ statt. Außerdem wurde der aktuelle Dokumentar-Spielfim „Die Unsichtbaren“ über untergetauchte junge Juden im Berlin der 1940er Jahre nach Jever geholt. Wie in jedem Jahr fand am 9.November in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit eine feierliche Kranzniederlegung an der Synagogengedenktafel statt. Der Historiker Dr. Georg Wagner-Kyora beleuchtete in einer vielbeachteten Rede, unter Bezug auf das laufende Reformationsjahr, Luthers Antijudaismus.

Sicherlich ein Höhepunkt war das spontane Benefizkonzert der bekannten amerikanischen Folksängerin Laura Wetzler am 28. Mai im Audienzsaal des Schlosses. Laura Wetzler befand sich auf Europa-Tournee und spürte gleichzeitig den Wurzeln ihrer vom Nationalsozialismus verfolgten Familie in Wilhelmshaven nach. Mitarbeiter des GröschlerHauses halfen ihr bei der Spurensuche und begleiteten sie durch die Stadt. Musikalisch wurde es auch im Oktober, als die Band „Hellhead“ 50 Exemplare ihrer CD „Denkmal“ mit dem gleichnamigen Song über die jeverschen Juden überreichte. Der Song wurde der vor dem Mahnmal für die ermordeten Juden in der Frl.-Marienstraße abgespielt. Leider musste ein Open-Air-Kultur-Festival „Musik gegen Rassismus“, dessen Planungen schon weit vorangeschritten waren, abgesagt werden, weil just auf diesen Tag ein kommerzieller Veranstalter ein Rockkonzert legte.

Das GröschlerHaus wird zunehmend Anlaufpunkt für Menschen aus dem Ausland auf den Spuren ihrer jüdischen Vorfahren. Insgesamt sechs kleine Reisegruppen bis hin zu Australien und Alaska wurden 2017 durch die Straßen Jevers geleitet. Die innerfamiliären Informationen sind durch die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands unwiederbringlich zerstört und die Überlebenden in alle Welt zerstreut worden. Das GröschlerHaus hilft mit seinen Informationen, Teile des Puzzles wieder zusammenzufügen.

Anlaufpunkt für neue Kontakte ist meist die Internetzeitschrift www.groeschlerhaus.eu, die jährlich über 40.000 Besucher aufweist und in der auch 2017 zahlreiche neue Artikel zur Landesgeschichte Frieslands erschienen sind. Die Seite stellt keine übliche Website dar, sondern ein eigenständiges Informationsangebot, das unabhängige Beobachter als fast einzigartig kennzeichnen. Die Internetartikel werden auch von Schulen im Rahmen des Unterrichts genutzt.

Das Jahr 2017 sah den Einstieg in die Schriftenreihe „Zur Geschichte des Nationalsozialismus und der Juden im Landkreis Friesland“, zu der sich als Herausgeber das GröschlerHaus, der Jeverländische Altertums- und Heimatverein e.V., das Schlossmuseum Jever und der Heimatverein Varel e.V. zusammengefunden haben. Als Nr. 1 erschien im Verlag Hermann Lüers in der Bearbeitung von Hartmut Peters und in der Übersetzung von Linda Robbins-Klitsch in einer zweisprachigen Ausgabe der Bericht der jeverschen Jüdin Änne Gröschler „Aus dieser schweren Zeit“ / About these Hard Times“ von 1945. Weitere Veröffentlichungen in der Reihe stehen unmittelbar bevor.

Im Januar 2017 erhielt das GröschlerHauses einen Award der renommierten amerikanischen Obermayer-Stiftung, die mit dem Leo-Baeck-Institut zusammenarbeitet. Die Ehrung im Berliner Abgeordnetenhaus galt dem jahrzehntelangen Engagement von Volker Landig und Hartmut Peters beim Aufbau der regionalen Erinnerungskultur. Die Auszeichnung führte zu einem spürbar höheren Bekanntheitsgrads des GröschlerHauses und seiner Internetzeitschrift und zu vielen Kontakten.

Der Arbeitskreis GröschlerHaus arbeitet zur weiteren Entwicklung der Einrichtung und im Rahmen des Projekts „Erinnerungsorte in Friesland“ intensiv mit Prof. Dr. Antje Sander und Holger Frerichs vom Schloss-Museum Jever zusammen. Er kooperiert u.a. mit dem Netzwerk „jüdisches Ostfriesland“, der Bildungsregion Friesland, den Kinofreunden Friesland e.V., dem Verein der Freunde der Sinti und Roma e.V. Oldenburg und erhält gute Unterstützung aus Bevölkerung, Politik und Verwaltung.

Für ihre konkrete Arbeit sind die Ehrenamtlichen nach wie vor auf Spenden aus der Bevölkerung angewiesen, die aufgrund der gegenwärtigen Schließung leider zurückgegangen sind.

H. Peters, 2.1.18


Bericht des GröschlerHauses für das Jahr 2016

Im Jahr 2016 kamen über 1.000 Besucher in das GröschlerHaus Jever, das Zentrum für jüdische Geschichte und Zeitgeschichte der Region Friesland-Wilhelmshaven in der jeverschen Großen Wasserpfortstraße. Bei Veranstaltungen, die nicht im GröschlerHaus selbst stattfanden, wurden ca. 500 Personen gezählt. Die Steigerung um gut das Doppelte zum Vorjahr im GröschlerHaus führt Hartmut Peters vom gleichnamigen Arbeitskreis auf das zunehmende Interesse der Schulen der Region, spezielle Veranstaltungen und den sogenannten Bildungstourismus zurück:

„Immer mehr Lehrer wollen Geschichte auch konkret vermitteln, z.B. an einem außerschulischen Lernort. Und das bieten wir am Standort der 1938 zerstörten Synagoge, wo glücklicherweise die Keller-Mikwe erhalten blieb. Der jüdischen Friedhof, den wir außerdem anbieten, ist eine Zeitreise in eine Epoche, die erstaunlich gut bei jungen Menschen ankommt, die sonst eher wenig an Grabsteine denken. Dann kommen verstärkt die Touristen, die bei ihrem Tag Jever nicht nur Schloss und Brauhaus interessiert, sondern auch die Zeitgeschichte der Region, in der sie ihren Urlaub verbringen.“

Auf einen besonderen Zulauf stieß die im Juni eröffnete und vom Arbeitskreis erarbeitete Fotoausstellung über die Synagogen in Nordwestdeutschland „Nur Bilder blieben.“ Es war der erste Überblick über die vom nationalsozialistischen Deutschland und ihren lokalen Handlangern beim Novemberpogrom von 1938 verübten Zerstörungen von Synagogen in Nordwestdeutschland.

Christel Schwarz überreichte am 8. März 2016 im GröschlerHaus einem Vertreter des Gemeinderats von Zetel das Beispiel einer Gedenktafel für seine 1943 aus Zetel nach Auschwitz deportierten Familienangehörigen. (Foto C. Hinz)

Bis auf den letzten Platz besucht war die Veranstaltung mit dem Sinto Christel Schwarz aus Oldenburg, der im März 2016 über die Deportation seiner Großeltern, seiner Mutter und weiterer Familienangehöriger von Zetel nach Auschwitz im Jahre 1943 berichtete. Im Anschluss fand eine längere Diskussion darüber statt, dass der Gemeinderat von Zetel die Einrichtung einer Gedenktafel für die fast alle in Auschwitz ermordeten Zeteler Sinti ablehnt.

Als weitere wichtige Stationen des Jahres sind zu nennen: die öffentliche Bekanntgabe der Entdeckung des Verstecks der Jüdin Erna Hirche auf dem Dachboden des ehemaligen Kinos im „Concerthaus“ am Alten Markt, die Aufführung des Films „Die Sonne geht nicht wieder auf“ unter Anwesenheit des Filmemachers Farschid Ali Zahedi zusammen mit den „Kinofreunden Jever e.V.“ und der von vielen als Sensation empfundene Fund einer Architekturaufnahme der jeverschen Synagoge, von der bisher nur sehr schlechtes Fotomaterial vorlag.

Hier versteckte sich 1943 die Jüdin Erna Hirche, die den Holocaust überlebte. Die Entdeckung des Verstecks 2015 wurde nach vergeblichen Kontaktversuchen mit dem Hauseigentümer erst ein Jahr später veröffentlicht. (Foto H. Peters)

Hartmut Peters legte auf Anfrage der Stadt Schortens dieser 2016 eine schriftliche Expertise über die nationalsozialistische Belastung zweier Offiziere der Wehrmacht vor, nach denen in Upjever seit der NS-Zeit zwei Straßen heißen. Der Text führte, als er von Ratsmitgliedern veröffentlicht wurde, zu erregten Diskussionen vor allem unter den Anwohnern der Straßen, zu einer öffentlichen Veranstaltung im Bürgerhaus, auf der der Potsdamer Militärhistoriker Dr. Vogel neben Peters weiteres belastendes Material vortrug, und schließlich zur Umbenennung der beiden Straßen. Der Vorschlag von Peters, die Straßen nach Stanislaw Maczek und Josef Rosensaft zu benennen, fand allerdings keine Berücksichtigung.

Außer mit den „Kinofreunden Jever e.V.“ und der Stadt Schortens arbeitete der Arbeitskreis GröschlerHaus, der eine Arbeitsgruppe innerhalb des Jeverländischen Altertums- und Heimatvereins e.V. darstellt, vor allem mit Dr. Antje Sander und Holger Frerichs vom Schlossmuseum Jever zusammen, außerdem mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e.V. Oldenburg und den Schulen der Stadt.

Ansteigendes Interesse erfährt auch die Website des GröschlerHauses www.groeschlerhaus.eu, die sich zu einem Internetmagazin mit gegenwärtig 130 Artikeln über Friesland und Wilhelmshaven von u.a. Holger Frerichs, Werner Menke und Hartmut Peters entwickelt hat. Integriert ist die Rubrik www.erinnerungsorte-friesland.de, die bisher 25 geographische Punkte der Region mit einem besonderen Bezug zur NS-Ära darstellt. Der hier zuletzt eingestellte Beitrag ist ein Forschungsbericht von Holger Frerichs über den Mord an einem polnischen Zwangsarbeiter 1944 auf einem Gehöft bei Jever. Im Jahre 2016 kam die Website auf 38.000 Klicks, während es im Jahr davor 16.000 waren. Der virtuelle Zwilling des GröschlerHauses wird von Lehrern in den Geschichtsunterricht einbezogen, hat inzwischen regelmäßige Nutzer auch im Ausland und bekommt immer wieder Anfragen, die von den Mitarbeitern der Seite beantwortet werden.

Für das Jahr 2017 erhofft sich der Arbeitskreis den Umbau der Räumlichkeiten, die Erweiterung der analogen und digitalen Angebote, die weitere Vernetzung mit vergleichbaren Initiativen sowie einen guten Start in die geplante Publikationsreihe „Schriften zur Geschichte des Nationalsozialismus und der Juden im Landkreis Friesland“.


Bericht des GröschlerHauses für das Jahr 2015

21.12.2015

Das GröschlerHaus macht auf sich aufmerksam

  • 750 Besucher im Haus

  • 750 Besucher bei Veranstaltungen „unterwegs“

  • Erfolg der Internetzeitschrift groeschlerhaus.eu

Der Fußgänger-Stopper wird während der Öffnungszeiten hinausgerollt

Der Fußgänger-Stopper wird während der Öffnungszeiten hinausgerollt

Im Kalenderjahr 2015 verzeichnete das GröschlerHaus, Zentrum für Jüdische Geschichte und Zeitgeschichte von Friesland und Wilhelmshaven, rund 500 Besucher in seinen Räumlichkeiten in der jeverschen Gr. Wasserpfortstraße. Während der allgemeinen Öffnungszeiten kamen neben den Einheimischen auch viele Touristen und Butenjeveraner, um die Ausstellungstafeln und die Artefakte der 1938 zerstörten Synagoge zu betrachten. Häufig entstanden intensive Gesprächen über die jüngere Vergangenheit, eine Reihe von Exponaten und Materialen wurde dem Archiv übergeben. Weitere zusammen rund 250 Besucher zählte der Arbeitskreis GröschlerHaus bei der Lesung aus Texten von Holocaust-Überlebenden am Progrom-Gedenktag 9. November, von Schulklassen und Konfirmandengruppen („außerschulischer Lernort“) und Vereinen, die ihre turnusmäßigenTreffen einmal zur Information ins GröschlerHaus verlegten. Die „Reinschnupperer“ beim Altstadtfest-Flohmarkt und bei der Kürbisnacht der „Langen Meile“ gehen nicht in die Statistik ein. In einigen Fällen schlossen sich vom GröschlerHaus aus zeithistorische Führungen durch Jever und über den jüdischen Friedhof in Schenum an.

Das Werbeschild „Lange Meile“ in der Nähe vom Kirchplatz

Das Werbeschild „Lange Meile“ in der Nähe vom Kirchplatz

Das Werbeschild „Lange Meile“ am Anfang der Gr. Wasserpfortstraße

Das Werbeschild „Lange Meile“ am Anfang der Gr. Wasserpfortstraße

Im Jahr 2015 trat das GröschlerHaus auch aushäusig mit einer Reihe von gut besuchten Veranstaltungen in Erscheinung und erreichte „unterwegs“ in Jever, Schortens und Wilhelmshaven weitere rund 750 Menschen. Der Vortrag über die „Ermordung der Juden in Jever“ am Holocaust-Gedenktag 27. Januar und die Musik-Text-Veranstaltung „Das Fritz-Levy-Kaleidoskop“ am 25. September fanden in Kooperation mit der Bibliothek des Mariengymnasiums vor jeweils rund 170 Besuchern in der Aula statt. Zum Vortrag über „Das Kriegsende in Jever“ am 4. Mai im Graf-Anton-Günther-Saal kamen rund 80 Zuhörer. Der Vortrag-Film-Veranstaltung „Schortens in der NS-Zeit“ – zusammen mit der Initiative „Up Jever lieb ich“ – am 6. Oktober im Bürgerhaus Schortens folgten 130 Schortenser. In Kooperation mit den Kino-Freunden Friesland e.V. liefen in der jeverschen „Film-Palette“ am 29. Januar „Im Labyrinth der Schweigens“ (über Fritz Bauer), am 10. Mai der von einem Arbeitskreismitglied erstellte Dokumentarfilm „Aufrüstung, Krieg und Befreiung in Wilhelmshaven und Jever“, am 7. Oktober „Fritz Levy lebt!“ und am 11. November „Elser: Er hätte die Welt verändert“. In die Filme führten jeweils Arbeitskreis-Mitglieder ein. Am 5. Mai zeigte das Küsten- und Stadtmuseum Wilhelmshaven anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung zum Kriegsende vor 100 Personen ebenfalls den genannten Dokumentarfilm des GröschlerHauses. Außerdem arbeiteten wir bei Veranstaltungen mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Oldenburg e.V., der ev. und der kath. Kirchengemeinde und der Stadt Jever zusammen.

Der vordere Raum im GröschlerHaus mit Blick auf das geöffnete und dekorierte Schaufenster

Der vordere Raum im GröschlerHaus mit Blick auf das geöffnete und dekorierte Schaufenster

Überraschend viel Zuspruch erfährt die Ende Januar 2015 online gegangene Website des GröschlerHauses, die sich zu einer Internetzeitschrift mit gegenwärtig rund 100 Beiträgen über Friesland und Wilhelmshaven von u.a. Holger Frerichs, Werner Menke, Hartmut Peters und Ulrich Räcker-Wellnitz gemausert hat. In groeschlerhaus.eu integriert ist die Rubrik erinnerungsorte-friesland.eu, auf der bisher 20 Orte der Region mit einem besonderen Bezug zur nationalsozialistischen Ära dargestellt sind. Der hier zuletzt eingestellte Beitrag geht über die in Auschwitz ermordete Sinti-Familie Frank aus Zetel. Insgesamt 16.000 Klicks, Tendenz ansteigend, wurden bisher gezählt. Nach Auswertung der Hintergrundstatistiken kann man von ca. 6.500 wirklichen Lesevorgängen und Ausdrucken von Artikeln ausgehen, viele Nutzer informieren sich regelmäßig über die neu eingestellten Seiten. Die Website wird vom Mariengymnasium Jever bereits in den Geschichtsunterricht einbezogen. Der virtuelle Zwilling des GröschlerHauses hat inzwischen Nutzer nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern, wie Statistiken und E-Mail-Anfragen zeigen. Vielfach nutzen ausländische Leser digitale Übersetzungsprogramme.

2015 hat das GröschlerHaus auch mit äußeren Veränderungen im Stadtbild auf sich aufmerksam gemacht. Auf den Werbeschildern der Interessengemeinschaft „Lange Meile“ findet sich das Zeitgeschichtszentrum jetzt in der Gesellschaft der Kaufleute wieder. Zuletzt kam ein Stellreiter hinzu, der während der Öffnung die Aufmerksamkeit der Passanten erregen soll. Das Design stammt auch hier von Andreas Reiberg, bei dem sich der Arbeitskreis herzlich bedankt. Das linke Schaufenster der ehemaligen Papeterie präsentiert auf flexiblen Holzkuben, die das Arbeitskreismitglied Hennes Wegener hergestellt hat, ausgelegte Bücher. Die Materialkosten des neuen Außengesichts, die von Gunnar Rott (München) zu Vorzugsbedingungen professionell gemasterte Website und die Archiv- und Kopierkosten des im Aufbau befindlichen Archivs wurden aus den eingegangenen Spendenmitteln bezahlt. Das GröschlerHaus besitzt noch keinen eigenen Etat und wird auch im kommenden Jahr für die tatsächliche Arbeit auf Zuwendungen der Bevölkerung angewiesen sein. Für die Miete stehen öffentliche Institutionen ein. Der Arbeitskreis GröschlerHaus im Jeverländischen Altertums- und Heimatverein e.V. bedankt sich herzlich beim Landkreis Friesland, der Stadt Jever, dem Zweckverband Schloss-Museum Jever, seinen Kooperationspartnern, bei allen Spenderinnen und Spendern sowie bei allen, die mit Rat und Tat Unterstützung leisten.

Nach Dr. Rolf Keller von der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, der das GröschlerHaus im Oktober besichtigte, gibt es im Bundesland nur noch ein anderes dem GröschlerHaus in Anspruch und Vernetzung vergleichbares ehrenamtliches Projekt. Das spricht für den Bürgersinn in Friesland.

Autor: Hartmut Peters