Sande-Neustadtgödens: Ehemalige Synagoge (Ausstellung)

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Eröffnung des Erinnerungsorts "Ehemalige Synagoge Neustadtgödens" durch den Landrat von Friesland, Sven Ambrosy, am 9. Juli 2015. Am rechten Bildrand v.r.n.l.: Stephan Eiklenborg, Bürgermeister von Sande, Dr. Antje Sander, Kulturverbund Friesland, Jehuda Wältermann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Oldenburg (Foto H. Peters)

Eröffnung des Erinnerungsorts “Ehemalige Synagoge Neustadtgödens” durch den Landrat von Friesland, Sven Ambrosy, 9.7.2015. Am rechten Bildrand v.r.n.l.: Stephan Eiklenborg, Bürgermeister von Sande, Dr. Antje Sander, Kulturverbund Friesland, Jehuda Wältermann, Vorsitzender der Jüd. Gemeinde Oldenburg (Foto H. Peters)

 

Die Besichtigung ist nach vorheriger Absprache oder im Rahmen einer gebuchten Gästeführung (u.a. auch die Themenführung “Jüdische Nachbarn”) möglich.

Informationen Gemeinde Sande: 04422-958835 Frau Gädiecke

www.landrichterhaus.de

Kulturverbund Friesland/Schlossmuseum Jever: www.schlossmuseum.de

Anfragen für Projekttage oder -wochen für Schulklassen an: info@schlossmuseum.de

 

Die jüdische Gemeinde und ihre Synagoge

Die Synagoge von Neustadtgödens (erbaut 1852) gehört zu den wenigen jüdischen Gotteshäusern in Deutschland, die im äußeren Baubestand erhalten geblieben sind. Durch verschiedene Umstände fiel sie nicht wie andernorts den Zerstörungen in der Pogromnacht von 1938 zum Opfer. Nach vielen Umbauten, Renovierungen und den unterschiedlichsten Nutzungen kann nun das Erdgeschoss nach und nach als Informationsstätte eingerichtet und damit zu einem Baustein der Erinnerung an jüdisches Leben und Kultur werden.

Die politische Situation in der kleinen Herrlichkeit Gödens ließ für lange Zeit ein Klima entstehen, das religiöse Toleranz zuließ und daraus wirtschaftlichen Erfolg zog. In kaum einem anderen Ort ist auf so dichtem Raum das Miteinander der verschiedensten Konfessionen und Religionen noch heute nachvollziehbar, für Nordwestdeutschland ist dies einzigartig. Davon zeugen die erhaltenen Gotteshäuser, also die mennonitische, reformierte, lutherische und katholische Kirche sowie die jüdische Synagoge.

Aufgrund der stark wachsenden jüdischen Gemeinde, die Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu einem Viertel der Einwohner von Neustadtgödens ausmachte, wurde 1852/53 der Neubau einer Synagoge umgesetzt. Diese zeugt in ihrer Gestaltung von dem wachsenden Selbstbewusstsein und der Blüte der jüdischen Gemeinde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Vorbild für den Bau im so genannten “Rundbogenstil” war ein Entwurf für kleine Stadtkirchen von Karl Friedrich Schinkel.

Durch den Ausbau Wilhelmshavens und die Umstrukturierungen in der Landwirtschaft in dieser Region verlor die jüdische Gemeinde bereits seit den 1870er Jahren immer mehr Mitglieder. Als dann ab 1933 die Repressalien gegen die Gemeinde deutlich stärker wurden und von Seiten der nationalsozialistischen lokalen Behörden “Baufälligkeit” attestiert wurde, fand aufgrund dieses massiven Drucks schließlich im August 1936 ein Abschiedsgottesdienst in der Synagoge statt. Sie wurde schließlich im Frühjahr 1938 an einen Privatmann verkauft. Daher blieb der Synagogenbau während der Pogromnacht im November 1938 unversehrt, während die verbliebene jüdische Bevölkerung Verhaftung und Erniedrigung ausgesetzt war.

Nach verschiedenen Nutzungen, u.a. auch als Feuerwehrhaus, konnte 1986 das Gebäude umfangreich renoviert und restauriert werden. Nun befindet es sich in Privatbesitz, doch ist das Erdgeschoss ab Juli 2015 der Öffentlichkeit im Rahmen von Führungen durch Neustadtgödens wieder zugänglich.

 

Gestaltung und Themen der Ausstellung

Themenführung durch die Ausstellung des Erinnerungsorts "Ehemalige Synagoge Neustadtgödens": "Graf von Frydag" erläutert die Funktion des Almemor in einer Synagoge. (Foto H. Peters, 11.7.2015)

Themenführung durch die Ausstellung des Erinnerungsorts “Ehemalige Synagoge Neustadtgödens”: “Graf von Frydag” erläutert die Funktion des Almemor in einer Synagoge. (Foto H. Peters, 11.7.2015)

Für diesen einst sakralen Ort, der viele Verwundungen und Verletzungen, Veränderungen und Umbauten erfahren hat (Sande-Neustadtgödens: Die Synagoge von 1852 und die jüdische Gemeinde in der NS-Zeit), ist bewusst eine zurückhaltende gestalterische und thematische Ausrichtung gewählt worden.

Für die Synagoge gibt es – im Gegensatz zu anderen stark zerstörten jüdischen Gotteshäusern – gute, fundierte Rekonstruktionszeichnungen und sogar historische Außen- und Innenaufnahmen. So ist es möglich, über die Ausstattung und Möblierung der Synagoge zu informieren. Zudem ist ein spezieller Rundgang durch den Ort zur Geschichte der Synagoge und der jüdischen Gemeinde erarbeitet worden. Im Rahmen von schulischen Projektwochen könnten die ehemalige Synagoge  und der Rundgang  eine Rolle spielen und so Schüler und Schülerinnen fächerübergreifend an die Thematik herangeführt werden.

Im Mittelpunkt der Präsentation steht die Geschichte der jüdischen Gemeinde und ihrer Synagoge vom Ende des 17. Jahrhunderts bis zur Deportation und Ermordung der letzten jüdischen Einwohner von Neustadtgödens ab 1940/41. Ein offenes Erinnerungsbuch gedenkt der jüdischen Bürger, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden.

Da für die Synagoge die Themen des jüdischen Glaubens und der religiösen Praxis, der Einrichtung und Architektur des Gotteshauses im Fokus stehen, ergänzt diese die bereits bestehenden bzw. ebenfalls im Aufbau befindlichen Einrichtungen, wie das GröschlerHaus in Jever, gut. So kann die Synagoge in Neustadtgödens zu einem wichtigen Baustein im Konzept der Erinnerungsorte für den Landkreis Friesland werden.

Das Vorhaben wird in enger Kooperation mit der jüdischen Gemeinde Oldenburg weiter entwickelt. Zugleich wird eine Kooperation mit den weiterführenden Schulen im Landkreis Friesland und darüber hinaus aufgebaut. Außerdem ist die Synagoge eng in das kulturtouristische Konzept der Gemeinde Sande, des Landkreises Friesland sowie der Oldenburgischen und Ostfriesischen Landschaft zu diesem Themenkomplex eingebunden.

 

Wir danken unseren Förderern:

Landkreis Friesland, Gemeinde Sande, Oldenburgische Landschaft, EWE Stiftung

(Text übernommen vom Schlossmuseum Jever; Stand 27.1.2017)