Der Kriegsausbruch 1914 und seine Auswirkungen auf das Jeverland

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von Werner Menke

Hafer wird für die Armeepferde besonders benötigt. Für diese Getreideart setzt früh eine Zwangsbewirtschaftung ein, zumal ja die Lieferungen aus Russland wegfallen. (JW Nr. 201 /1914)

Hafer wird für die Armeepferde besonders benötigt. Für diese Getreideart setzt früh eine Zwangsbewirtschaftung ein, zumal ja die Lieferungen aus Russland wegfallen. (JW Nr. 201 /1914)

Der Erste Weltkrieg wird häufig als die ‚Urkatastrophe’ des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Auch wenn das Gedenken daran besonders in Deutschland durch die nähere und bedrückendere Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg stark überlagert worden ist, rückte 2014 der ,Große Krieg’ von 1914 bis 1918 mehr in den Vordergrund. Anlässlich des 100. Jahrestages seines Beginns ist eine immense Zahl von Publikationen erschienen, die sich mit unterschiedlichen Aspekten des Themas beschäftigen. Es steht eine Fülle von Informationen zur Verfügung.
Dieser Beitrag will dem keine weiteren Ausführungen zum militärischen Geschehen hinzufügen, sein Ziel ist es, in einzelnen Aspekten die Auswirkungen des Kriegsausbruchs in der Region darzustellen. Vor allem anhand seinerzeitiger Berichte und Anzeigen in der lokalen Presse soll ein Bild davon vermittelt werden, welche häufig einschneidenden Veränderungen der Krieg auch für die Zivilbevölkerung mit sich gebracht hat.

Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten

Sofort zu Kriegsbeginn am 1. August 1914 geht die „vollziehende Gewalt“ für die Festung Wilhelmshaven auf den Chef der Marinestation, Konteradmiral (ab März 1915 Admiral) Günther von Krosigk über. Zwar bleiben die bestehenden Zivil- und Kommunalbehörden in Funktion, doch haben sie den Anweisungen des Militärgouverneurs Folge zu leisten. Zum Festungsgebiet gehören zu der Zeit (später wird es mehrfach ausgeweitet) die beiden Jadestädte Wilhelmshaven und Rüstringen sowie die östlichen und nördlichen Teile des Amtes Jever, die angrenzenden Seegebiete und die Insel Wangerooge. Die Stadt Jever selbst ist nicht Teil der Festung.
Mit der Übergabe der Befehlsgewalt an das Militär sind erhebliche Beschneidungen der bürgerlichen Freiheiten verbunden. Hausdurchsuchungen, Verhaftungen und Beschlagnahmungen durch die Polizeiorgane sind jederzeit möglich. Plakate, Flugblätter und Presseerzeugnisse unterliegen einer Zensur durch die lokalen Polizeibehörden, denen Zeitungen bis 6 Stunden vor Auslieferung vorzulegen sind. Ausdrücklich hervorgehoben wird, dass nicht autorisierte Mitteilungen über Schiffbewegungen die sofortige Unterdrückung der entsprechenden Zeitung nach sich ziehen.
Die hier zum Ausdruck kommende Sorge, dass militärisch wichtige Informationen in die Hände der Feinde gelangen könnten, nimmt zu Kriegsbeginn teilweise hysterische Züge an, überall zeigt sich die Furcht vor Spionage und Sabotage. „Wir fuhren nicht, wir schlichen. Man hatte Angst vor Sabotagen durch Spione. Endlich tauchte Wilhelmshaven auf“, so beschreibt der Dichter Joachim Ringelnatz, der als Marinesoldat seit August 1914 für mehrere Monate in Wilhelmshaven stationiert war, die Eisenbahnanfahrt von Oldenburg in die Garnison (J. Ringelnatz, Als Mariner im Krieg, S. 16). Und die Zeitung gibt am 6. August eine angeblich aus sicherer Quelle stammende Mitteilung wieder: „Der Engländer Oxenham und der Franzose Sychon, die in Wilhelmshaven an der Berlitz-School als Lehrer tätig waren, sind als Spione verhaftet. Der Franzose soll bereits erschossen worden sein.“ (JW Nr.182 / 1914). (Der Wahrheitsgehalt konnte nicht mehr überprüft werden; W.M.)

Für die durch die Einberufung des Ernährers in Not geratenen Familien bildet sich ein Unterstützungsausschuss, der in erster Linie von Geschäftsleuten getragen wird. (JW Nr. 188 / 1914).

Für die durch die Einberufung des Ernährers in Not geratenen Familien bildet sich ein Unterstützungsausschuss, der in erster Linie von Geschäftsleuten getragen wird. (JW Nr. 188 / 1914).

Die Erklärung des Kriegszustands für die Festung bringt zudem erhebliche Einschränkungen für die Bewegungsfreiheit der Bürger mit sich. Alle hier nicht ansässigen Personen, die sich ohne Beschäftigung im Festungsbereich aufhalten, haben diesen zu verlassen; hier lebende Familien haben dafür Sorge zu tragen, dass ihre eventuellen Besucher dieser Aufforderung nachkommen. Der Zugang zum engeren Festungsbereich ist streng limitiert, für Berechtigte werden Passierscheine ausgegeben.
Strengstens reglementiert wird auch die zivile Schifffahrt. Ein- und Ausfahrten von Handels- und Fischereischiffen sind nur bei Tageslicht und unter Lotsenbegleitung (Minengefahr!) möglich, alle Schiffsbewegungen sind den Militär- bzw. Hafenbehörden anzuzeigen, welche die Ladung kontrollieren und Passierscheine ausstellen.
Weil die militärische Nutzung Priorität erhält, kommt es zu Behinderungen im zivilen Bahn- und Telefonverkehr; verschiedene Bahnverbindungen werden ganz gekappt (so die „Schülerzüge“) und über mehrere Wochen sind Telefongespräche zwischen den Amtsbezirken Jever, Varel, Rüstringen, Butjadingen und Brake nicht möglich.
Flankiert werden all diese Maßnahmen durch weitere Anordnungen militärischer und ziviler Behörden. So verfügt das Amt Jever Einschränkungen im Brieftaubenverkehr (Spionagefurcht!) und untersagt im Herbst 1914 die Ausübung der Jagd im nördlichen Jeverland, um die Aufklärungsarbeit der Küstenwache nicht zu erschweren.
In erheblichem Ausmaß bestimmt so der Krieg von Beginn an den Alltag der Zivilbevölkerung. Übliche sommerliche Friedensaktivitäten dagegen werden abgesagt, z. B. alle Kram-Märkte, Schützenfeste und viele traditionelle Vereinsaktivitäten; der jeversche MTV z. B. kündigt ebenso wie der Singverein an, dass die Übungsstunden bis auf Weiteres ausfallen.

Mehrfach schaltet das Rote Kreuz Anzeigen, mit denen um Spenden von „Liebesgaben“ gebeten wird. Die Auflistung verdeutlicht, was besonders begehrt ist. (JW Nr. 210 / 1914)

Mehrfach schaltet das Rote Kreuz Anzeigen, mit denen um Spenden von „Liebesgaben“ gebeten wird. Die Auflistung verdeutlicht, was besonders begehrt ist. (JW Nr. 210 / 1914)

„Notprüfungen“, Einquartierungen und Mangelwirtschaft

Um Lehrlingen und Gymnasialschülern eine rasche Meldung zum Militär zu ermöglichen, werden Gesellen- und Abiturprüfungen in stark vereinfachter Form vorgezogen; am Mariengymnasium findet die erste „Notreifeprüfung“ am 7. August statt. Das Thema des deutschen Aufsatzes bietet breiten Raum, vaterländische Gesinnung zum Ausdruck zu bringen, es lautet „Über die Berechtigung des Schillerschen Wortes ‚Aber der Krieg auch hat seine Ehre’“. Die zehn männlichen Prüflinge, die alle erfolgreich bestehen, werden bald eingezogen bzw. melden sich freiwillig zum Soldatendienst. Erleichtert werden auch die Formalitäten der Eheschließung, wobei eine Befreiung vom zeitfordernden Aufgebotszwang erteilt wird, „sofern der Verlobte der bewaffneten Macht angehört“. In Wilhelmshaven gibt es bis zum 11. August schon 238 Kriegstrauungen, bis zum 23. 8. 14 erhöht sich die Zahl auf 483, bis Mitte September auf rund 800.
Die durchgreifende Militarisierung schlägt sich bald auch im Bild der Stadt nieder; Marinesoldaten der Wilhelmshavener Garnison sind teilweise bei Privatleuten in Jever und im Umland untergebracht. Mehrfach finden sich Zeitungsmeldungen bzw. Anzeigen, mit denen sich Soldaten bei ihren privaten Quartiergebern für die gute Aufnahme bedanken; z. B. sprechen zwei Matrosen der 3. Kompanie der 7. Seewehrabteilung dem jüdischen Kaufmann Julius Schwabe ihren Dank aus „für liebevolle Aufnahme und Verpflegung“ (JW vom 2. 9. 14). Dass es allerdings nicht alle so gut antrafen, zeigt sich in den Aufzeichnungen von Ringelnatz, der sich bitter über eine Bäuerin aus Mariensiel beschwert, bei der er mit seiner Gruppe untergebracht war: Sie „war steinreich. Sie hatte große Äcker und viel Vieh. Aber sie war herzlos geizig und verpflegte uns in einer Art, die durchaus nicht der Entschädigung entsprach, die ihr die Behörde dafür zahlte“ (Aus dem Leben eines Mariners, S. 26)
Anfang Oktober 2014 erhält Jever dann massive Einquartierung. Die Kasernen in Wilhelmshaven können die große Zahl der einberufenen Marinesoldaten nicht fassen und diese werden auf die umliegenden Orte verteilt. Nach Jever kommen über 1000 Rekruten, die in der Turnhalle und in allen Sälen der Stadt untergebracht werden. Sie exerzieren auf dem Alten Markt und dem Schulplatz des Mariengymnasiums. Hier findet am 1. November die Vereidigung statt. Der Platz ist dazu mit Girlanden und Fahnen geschmückt, und um ihm „ein etwas kriegerisches Aussehen zu geben, waren zwei Geschütze […] aufgestellt.“ (JW vom 3.11.14) Dass die Einquartierung von Soldaten teilweise auch Probleme für die öffentliche Ordnung mit sich bringt, lässt sich aus einer Verfügung des jeverschen Magistrats ableiten, die ein Ausschankverbot für Schnaps an Soldaten ausspricht und die Sperrstunde in Gaststätten auf 23 Uhr vorzieht.

"Ausgabe von Kartoffeln" auf dem Kirchplatz von Jever während des Ersten Weltkriegs, ca. 1917 (Schlossmuseum Jever)

“Ausgabe von Kartoffeln” auf dem Kirchplatz von Jever während des Ersten Weltkriegs, ca. 1917 (Schlossmuseum Jever)

Mit dem Kriegseintritt Englands verschärft sich die wirtschaftliche Situation, da die einsetzende Seeblockade die Einfuhr wichtiger Rohstoffe erschwert. Auch die bisherigen Getreideimporte aus Russland brechen weg. So zeigen sich erste Anzeichen einer Mangelwirtschaft, die mit zunehmender Kriegsdauer z.T. dramatische Züge annimmt. Erste Maßnahmen einer Zwangsbewirtschaftung zeigen sich schon im August 1914, so in einer Verfügung des jeverschen Magistrats vom 27. 8. für die Landwirte zum unverzüglichen Haferdreschen. Daneben finden sich Aufrufe, bei der Aussaat von Getreide sparsam zu wirtschaften, zum Fleischverzicht oder zum Einsparen von Petroleum. Aus der Bevölkerung werden erste Klagen über Preiserhöhungen in Geschäften der Stadt laut.

"Ausgabe von Brot" auf der Schlachtstraße von Jever während des Ersten Weltkriegs, ca. 1917  (Schlossmuseum Jever)

“Ausgabe von Brot” auf der Schlachtstraße von Jever während des Ersten Weltkriegs, ca. 1917 (Schlossmuseum Jever)

Geschäfte bieten Feldpostbriefe mit bereits fertig gepackten „Liebesgaben“ an. Dem Absender bleibt die Aufgabe, ein paar an den jeweiligen Soldaten gerichtete Zeilen zu schreiben. Empfänger sind z.B. Familienangehörige, Kollegen und Nachbarn. (JW Nr. 198 / 1914)

Geschäfte bieten Feldpostbriefe mit bereits fertig gepackten „Liebesgaben“ an. Dem Absender bleibt die Aufgabe, ein paar an den jeweiligen Soldaten gerichtete Zeilen zu schreiben. Empfänger sind z.B. Familienangehörige, Kollegen und Nachbarn. (JW Nr. 198 / 1914)

Die Mobilisierung der Heimatfront

Nach dem Kriegseintritt Englands richtet sich die Empörung vor allem im norddeutschen Küstenraum verstärkt gegen diesen Feind, dem man sich bisher freundschaftlich verbunden fühlte. Und man setzt Zeichen: Das Hotel ‚Bristol’ in Wilhelmshaven gibt sich schon im August den neuen Namen ‚Hansa-Hotel’. Auch sonst ist man sprachlich auf der Hut: Der Allgemeine Deutsche Sprachverein mit Sitz in Berlin ruft ebenfalls schon im August zur Vermeidung von Fremdwörtern auf, um die nationale Gesinnung zu stärken („Der Krieg reinigt die deutsche Sprache“). Fremdwortgebrauch wird als „geistiger Landesverrat“ gebrandmarkt und z. B. in vielen Schulen nicht allein als Fehler angestrichen, sondern auch durch einen Strafobolus geahndet. So kommen kleinere Geldbeträge zusammen, die selbstverständlich für „vaterländische Zwecke“ gespendet werden.
Überhaupt ist die Bereitschaft der Bevölkerung groß, die im Feld stehenden Soldaten und die durch Einberufung oder Tod des Ernährers in Not geratenen Familien zu unterstützen. Der Obst- und Gartenbauverein erbittet die Abgabe von Gemüse und Früchten im Drostenhaus (dem früheren Gebäude des Gymnasiums), wo Dauerkonserven bzw. Säfte für die Frontsoldaten hergestellt werden. Auch andere Vereine, in erster Linie das Rote Kreuz, rufen zu Spenden auf und veranstalten Sammlungen.

Das Rote Kreuz bittet außer um „Liebesgaben“ auch um Kleidung und pflegerisch notwendiges Material für das in Schloss und Sophienstift eingerichtete Lazarett. (JW Nr. 200 / 1914)

Das Rote Kreuz bittet außer um „Liebesgaben“ auch um Kleidung und pflegerisch notwendiges Material für das in Schloss und Sophienstift eingerichtete Lazarett. (JW Nr. 200 / 1914)

Eine zentrale Bedeutung kommt den sogenannten „Liebesgaben“ zu, das sind Päckchen, die als Gruß aus der Heimat an die Frontsoldaten geschickt werden. Schokolade, Zigaretten, Wollsocken, später zum Winter hin auch warme Unterhosen – das und vieles weitere Angenehme und Nützliche wird versehen mit ein paar aufmunternden Briefzeilen auf den Weg gebracht. Findige Geschäftsleute bieten bereits fertig gepackte Feldpostbriefe an, die Zigarren oder andere Liebesgaben enthalten. Schon Ende August wird nach dem Vorbild anderer Städte in den Wallanlagen vor dem Verlagsgebäude Mettcker ein Spendenkasten aufgestellt, in den Liebesgaben, aber auch Bargeld eingeworfen werden können. Der Kasten wird täglich geleert, die Weiterleitung der Spenden erfolgt durch das Rote Kreuz. Die so bedachten Soldaten bedanken sich auch über die Presse; in der Ausgabe vom 24. 11. 14 des Jeverschen Wochenblattes werden mehrere Dankschreiben von der Front wiedergegeben, darunter eines in Gedichtform:

Soldatendank

Die Liebesgabensendung
Ist pünktlich eingerückt,
Und unsere braven Jungen
Sind sehr davon entzückt.
Den jeverschen „Getreuen“
Ein Hurra, dass es schallt
Bis an die Wasserkante
Aus dem Argonnerwald.

Unterarzt U.-

Und der jeversche Soldat Carl Breithaupt dankt den Bürgern der Stadt: „Wie viel Opfer der Bürger und wie viel Arbeit muß dort geleistet worden sein, um die Krieger zu erfreuen. Sollten Sie aber nur ein einzigesmal sehen, mit wie viel Dank diese Gaben entgegengenommen werden, ich glaube, dann hätten Sie alle Ihre Freude daran und fühlten sich glücklich, solche Sendungen ins Feld schicken zu können.“
Die vielfältigen Liebesgaben-Aktivitäten sind vielleicht eines der stärksten Indizien für die Mobilisierung der Heimatfront. Durch sie soll die kämpfende Truppe der solidarischen Anteilnahme der Bevölkerung versichert werden; das Bewusstsein, dass die Heimat hinter den Soldaten steht, soll deren Kampfmoral stärken.

Der Gymnasiallehrer Adolf Strube (1872 – 1962) präsentierte sich den Kollegen mit Feldpost vom 11.10.1915 stolz in Uniform. Fünf Tage später wurde er schwer verwundet und schied aus dem Militär aus. (Bibliothek des Mariengymnasiums)

Der Gymnasiallehrer Adolf Strube (1872 – 1962) präsentierte sich den Kollegen mit Feldpost vom 11.10.1915 stolz in Uniform. Fünf Tage später wurde er schwer verwundet und schied aus dem Militär aus. (Bibliothek des Mariengymnasiums)

Einberufungen und erste Kriegstote

Die zunehmende Zahl von Einberufungen trifft natürlich auch die hiesige Bevölkerung und ihre Folgen zeigen sich in den Zeitungsanzeigen. Da sucht z. B. ein Landwirt einen Knecht, weil sein Sohn, oder eine Bäckerei einen neuen „Schwarzbrotbäcker“, weil der bisherige zum Militär eingezogen wurde; auch für den einberufenen Gemeindediener Albers Schortens muss ein Vertreter gefunden werden. In mehreren Fällen kommt es wegen Einberufung des Inhabers sogar zur Schließung von Geschäften. Gravierend sind die Folgen auch für die Schulen. Von den 16 Lehrkräften des Mariengymnasiums werden 1914 sieben eingezogen, es gelingt nur mühsam – etwa durch das Einspringen bereits pensionierter Lehrer – den Unterricht in notwendigem Umfang aufrecht zu erhalten.
Unter den Einberufenen ist auch der Lehrer Paul Nordhausen (1882 – 1914). Er fällt bereits am 26. September und gehört damit zu den ersten Kriegstoten der Region. Mit Fortgang des Krieges, mit dessen langer Dauer die Menschen in der patriotischen Begeisterung des Augusts 1914 kaum gerechnet hatten, steigt die Zahl stark an. Die im Historienkalender 1916 enthaltene „Ehrentafel“ führt („soweit bis zum 1. Dezember 1915 bekannt“) bereits die Namen von mehr als 33 gefallenen Jeverländern auf. Die Todesanzeigen in den Zeitungen bilden das Korrektiv zu den Siegesmeldungen auf den ersten Seiten und den stolzen Berichten über Heldentaten und Ordensauszeichnungen.
Die Front ist zwar weit weg, doch ihre blutigen Spuren hinterlässt sie auch in Friesland. Ende August 1914 wird das Schloss ebenso wie das Jugendheim am (heutigen) P.-W. -Janßen-Weg umgerüstet und soll zusammen mit dem Sophienstift als Lazarett für Kriegsverwundete dienen; um Schloss und Sophienstift besser miteinander zu verbinden, wird über die Graft eine Brücke errichtet. In der folgenden Zeit füllt sich das Lazarett, der Anblick von Verwundeten und Versehrten gehört dann auch in Jever zum Alltag.
Quellen

  • Großherzogliches Oldenburgisches Mariengymnasium, Bericht über das Schuljahr 1914 /15.- Jever 1915 (Bibliothek des Mariengymnasiums Jever)
  • Historienkalender auf das Jahr 1916.- Jever 1915
  • Jeversches Wochenblatt, Ausgaben von Aug. bis Nov. 1914 (Schloss-Bibliothek Jever; hieraus auch die Abbildungen)
  • Joachim Ringelnatz: Als Mariner im Krieg,.- Zürich 2004

Der Text wurde zuerst am 11. Okt. 2014 im Jeverschen Wochenblatt (Beilage „Friesische Heimat“, Nr. 481) veröffentlicht.