Oswald Andrae (1926 – 1997) – Autor, plattdeutscher Querdenker, Intellektueller aus Jever

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von Hans-Jürgen Klitsch

Oswald Andrae im Jahre 1977 (Sammlung Klitsch)

Inhaltsverzeichnis

  1. Das Werk und seine biographischen Prägungen
  2. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und „der jeversche Fahnenkrieg“ um das Gedicht „De Fahn“
  3. Die Übersetzung von Robert Burns in Plattdeutsche
  4. Das Theaterstück „Laway“
  5. Heimat von unten und „Dat Leed van den Häftling Nr. 562“
  6. Quellen

 

1: Das Werk und seine biographischen Prägungen

„Andrae, Oswald Andrae, ja, irgendwo hat man doch schon mal was von ihm gehört.“1 So moderierte Rolf Heinrich Wecken ein Radiofeature des NDRs anlässlich einer Lesung von Oswald Andrae in Husum am 1. April 1982 an. Ja, man hatte schon mal von ihm gehört, nicht allein in Schleswig-Holstein, auch in England und Italien oder anderswo. Oswald Andrae war ein Autor aus Jever, der das Plattdeutsch ins Ausland gebracht hat. Ich bleibe bei dem Begriff Plattdeutsch und erläutere nicht die Varianten des Niederdeutschen, denn es gilt nicht, eine linguistische Diskussion zu führen, sondern eine Person zu beleuchten, die unter oft selbstausbeuterischen Bedingungen in Jever gute Literatur gemacht hat.

Plattdeutsch war für Andrae keine Verkehrssprache, er schrieb und redete Hochdeutsch. Seine Mutter Hilda Andrae war Jeverländerin, sein Vater aus Posen. Oswald Andrae erklärte Dr. Jochen Schütt: „Plattdeutsch sprach [meine Mutter] mit ihren Eltern, Geschwistern, Verwandten, Bekannten und mit den Kunden. (…) Mit meinem Vater und mir sprach sie stets hochdeutsch. So habe ich als Kind und als junger Mensch nie plattdeutsch gesprochen.“2 Er bekam das Plattdeutsche mit, nebenbei, im Uhrmacherladen der Eltern und aus der Bevölkerung. Viele Kinder in seiner Jugendzeit waren des Hochdeutschen nicht mächtig. Wenn er später auf Plattdeutsch schrieb, dann benutzte er ausschließlich die Jeversche Variante. Schon das Plattdeutsch in Tettens oder Hooksiel unterscheidet sich davon. Hannelore Andrae: „Er sagte immer, das Plattdeutsch ist (…) mein Werkzeug, damit kann ich arbeiten und viel mehr ausdrücken als in Hochdeutsch.“3

Oswald Andrae im Jahre 1953 (Sammlung Klitsch)

In Oswald Andraes Elternhaus spielten Bücher keine große Rolle. 1986 erzählte Andrae dem Journalisten Jochen Schütt, welche Bücher sein Vater besaß. Das waren nur wenige.4 Auch hatten die Eltern kaum Zeit für ihn.5 Seine Lehrer am Mariengymnasium demoralisierten ihn so stark, dass er es nicht schaffte, eine Zeile fehlerfrei vorzulesen. Oswald Andrae: „Am Mariengymnasium waren die Studienräte nicht in der Lage gewesen, mich ein korrektes Hochdeutsch zu lehren – oder mich für Literatur zu begeistern.“6 Bis 1953 hatte Oswald Andrae nicht geschrieben. Während der Schulzeit führte er jedoch Tagebuch, und darin bezog sich vieles auf den Krieg, um diesen emotional zu verarbeiten.

Oswald Andrae, geboren am 25. Juni 1926, hatte am 11. Juli 1942 seinen ersten Kriegseinsatzdienst zu leisten, und mit gerade mal sechzehn Jahren wurde er im Herbst 1942 Flakhelfer. Da wurde seine ganze Klasse nach Upjever zum Flugplatz abkommandiert, und von nun an kamen die Lehrer dort hin, um Unterricht zu machen – solange keine feindlichen Flugzeuge gen Wilhelmshaven im Anflug waren. Dann mussten die Jungs schießen. Und wie sie, die pickeligen Kindsköpfe, mit dem Fahrrad um das Rollfeld sausten, mit dem Stahlhelm auf dem Kopf und vor Angst stinkend, auf dem Flachdach zuschanden gemacht wurden, dies beschrieb er 1987 in einem Gedicht.7 Wie eine Ladehemmung zu beseitigen war, das wusste Oswald auch.8

Einmal mussten die Kinder auf einem Flakgeschützturm in glühender Hitze ausharren, ohne Schutz, und da ist Oswald Andrae einfach umgefallen. Er kam ins Militärkrankenhaus nach Rostrup. Die Verlegung ins Militärkrankenhaus Hamburg-Eppendorf scheiterte an Bombenangriffen. Hannelore Andrae erzählte, dass dieser Zusammenbruch nicht allein der Hitze geschuldet war, sondern spätes Resultat eines Sturzes vom Barren in der alten Gymnastikhalle am Mariengymnasium war: abgeglitten und mit Wucht mit dem Kopf auf den eisernen Standfuß desselben. Schutzmatten gab es nicht. Resultat: Schädelbasisbruch, doch ein Jeveraner Arzt hatte nur eine Gehirnerschütterung diagnostiziert.9 Oswald Andrae wurde dann Sanitäter, weil nicht mehr tauglich für den Kriegsdienst. So hat ihm die Fehldiagnose des Arztes vielleicht das Leben gerettet. Einige seiner Freunde haben den Krieg nicht überlebt. 1946 macht Oswald Andrae das Abitur am Mariengymnasium. Danach zog es ihn zur Augenoptik.

Im Schloss zu Jever unterhielt der Verfassungsschutz ein Büro. 1951 wurde Oswald Andrae eben dorthin bestellt. Er sei wohl ein gefährliches Element, ein Kommunist, vermuteten die Verfassungsschützer, schließlich trage er ein Abzeichen: SJ. Nein, das war die Sodalitas Jeverensis, der Zusammenschluss der jeverschen Nachkriegsabiturienten. Und Andrae hat eine zeitlang deren Hausbuch geführt.

Dann lernte er Hannelore, seine spätere Frau, im Kirchenchor kennen. Und sie wurde seine Muse für erste Schreibversuche. Er hatte Hannelore Schönbohm immer mal wieder ein paar Zettel zum Lesen gegeben, natürlich in Hochdeutsch, nicht nur mit Liebesgedichten. Schon bald wurde ein erster Text vom Organisten Dirk Luiken vertont. Die zum Teil sehr romantischen Gedichte wollte er im Nachhinein nicht publiziert sehen. „19. Jahrhundert“ nannte er sie.10 Damals jedoch schrieb er sie in einem Buch auf, ordnete Fotos und Zeichnungen dazu, und schuf so ein intimes Werk, das er, laut Hannelore Andrae, „Unser Buch“11 nannte und welches ich aus der Distanz bei Frau Andrae ansehen durfte.

„De Sünn schient jeden Dag“ (1957) – im Selbstverlag herausgebrachte, erste Publikation, mit der Oswald Andrae gar nicht zufrieden war

Im Jahre 1957 wurde Andraes erste Veröffentlichung gedruckt, De Sünn schient jeden Dag12. Finanziert hat er das Büchlein selbst. Nach Erscheinen hielt er den Inhalt für eher schlecht: ein Sammelbändchen mit heimatbezogenen Anekdoten in Plattdeutsch und meist hochdeutschen Gedichten an die Heimat. „Döntjes“ halt, sagte er. „Taugen nichts.“13 Hein Bredendiek, in Jever geborener Maler, Schriftsteller und Kunsterzieher, der von 1949 – 1952 am Mariengymnasium unterrichtete und mit dem Oswald Andrae eng befreundet war, bestätigte ihm dies. „Oswald, das bist nicht du“.14 Aber mit irgendetwas fängt man halt an. Bredendiek war es auch, der Oswald Andrae in den Ollnborger Schrieverkring, eine Vereinigung niederdeutsch schreibender Schriftstellerinnen und Schriftsteller, einführte. Und dort lernte Andrae von den bereits etablierten.

Während uns die Bilder in den Gedichten in De Sünn schient jeden Dag bekannt vorkommen – das dampfende Moor, das güldne Herbstgefieder, der ahnungsvolle Wind – hat Andrae acht Jahre später in seinem zweiten Buch, Heiseres Rufen15, bereits einen höheren Reifegrad erreicht. „Der Autor hat sich nicht nur formal vom strengen Reim gelöst, er lässt auch eine eigene Perspektive erkennen. Und vor allem: er nimmt Widersprüchliches in seine Gedichte hinein, überlässt sich nicht widerstandslos einer Stimmung, sondern reichert sie an mit Erfahrungen und Reflexionen“, sagte Jochen Schütt.16

SEETANG17
Zwischen den Steinen der Buhne
entdecke ich Pflanzen des Meeres.
Man soll sich von ihnen ernähren können.
In Zeiten der Hungersnot,
sagt man, sollen sie helfen können,
daß wir das Elend überleben.
Die Silbermöwe über mir
fraß manchmal in der Gier,
des Nachbarns schwächliche Kinder.

1965 schrieb Andrae auch sein erstes Radiofeature: Inselbesöök.18

Das Uhren- und Optikgeschäft der Gebrüder Andrae in der Gr. Burgstraße 20 um 1980 (Sammlung Peters)

Oswald Andrae war bis zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand im elterlichen Optiker- und Uhrmachergeschäft angestellt. Den Beruf des Optikers hatte er in Wilhelmshaven erlernt und im Meisterkurs in Jena studiert. Der Optiker residierte in der rechten Hälfte des Ladens. Im linken Teil des Ladens wirkte nach dem Tod des Vaters 1958 sein schwieriger Bruder Georg als Uhrmacher. Um 1968 herum kam dann Oswald Andraes hauptsächliche Hinwendung zum Schreiben, während jedoch als Brotberuf weiterhin ganztägig das Optikerhandwerk ausgeübt wurde.

Als Autor war Andrae ausgesprochen vielseitig. Er verfasste Lyrik und Lieder, Prosa, Sachliteratur, Theater, Hörspiele, Features und andere Arbeiten für Funk und Fernsehen, aber auch Essays, Übersetzungen, Nachdichtungen ausländischer Lyrik und Songs. Durch die 68er Aufbruchstimmung motiviert, machte Andrae sich daran, auch seine kritischen Gedanken zu Papier zu bringen. Er politisierte sich. „Schrieven för un över dat minner Volk‘“ hat Johann P. Tammen es charakterisiert.19 Das kann man gut ergänzen: un gegen de hogen Herrn. Der Ollnborger Schrieverkring gefiel ihm bald nicht mehr, stattdessen wurde er Mitglied im Schriftstellerverband. Später gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Internationalen Dialektinstituts IDI, in dem sich Mundartautoren aus allen deutschsprachigen Regionen organisierten. Von einer von Andrae auf Wangerooge organisierten Tagung gibt es sogar ein Tondokument.

Oswald Andrae mit Teilnehmern der Tagung des Internationalen Dialektinstituts auf Wangerooge (September 1989, Sammlung Klitsch)

Oswald Andrae mit Giovanni Nadiani, Tagung des Internationalen Dialektinstituts auf Wangerooge (September 1989, Sammlung Klitsch)

Obwohl Andrae auch ein Meister des witzigen Wortspiels war, so war er dennoch kein Spaßvogel. „Er ist ein Mann, der weiß, was er meint, und dies in eine Form verpackt, die seiner Natur entspricht.“20 Viele von Andraes Arbeiten sind provokant. Er ist politisch, doch bietet er gängige politische Indoktrination feil? „Andrae selbst antwortete mehrdeutig, er verkaufe nicht sich, er verkaufe Brillen.“21 Andrae ist kein linker Dogmatiker, er hat nicht den Finger erhoben, um zu belehren, aber er konnte Finger in Wunden legen, „garstig“22 sein, wie er das nannte. Oswald Andrae sagte einmal: „Gerade bei diesem Text Riet dien Muul up! (…) ist es ein Aufruf zur Zivilcourage (…), dass man den Mut haben sollte, seine Schnauze, verdammt nochmal, aufzumachen!“23 Selbst auf die Gefahr hin, dass man aneckt oder geschnitten wird. Ruhe ist nicht mehr erste Bürgerpflicht. Dieser Text war zuerst auf Hochdeutsch erschienen, Reiß dein Maul auf, aber in Plattdeutsch ist der Text direkter und bissiger.

Wenn Oswald Andrae Gedichte veröffentlicht, dann hat dies oft Kraft. Das mag an seiner Liebe zur Anapher liegen. Und weil im Plattdeutschen die Zwielaute, die Diphtonge weitgehend fehlen, ergibt sich auch ein besonders ausgewogenes Klangspektrum, von dem Andraes Gedichte profitieren – eine starke lautmalerische Komponente. Dazu kam seine ausgebildete Stimme; er hatte Gesangsunterricht gehabt – in einem Jeverschen Doppelquartett sang er den Bass.

Riet dien Muul up!24
Schree doch ut,
wat du glöövst,
wat du meenst,
wat du denkst,
wat dien Angst is!
Schree doch ut,
wenn du Courage hest,
Up de
Gefahr hen,
dat dar annern sünd,
de di seggt: dat stimmt nich;
dat dar annern sünd,
annern Menen,
dat dar annern sünd,
de geern hißt!
Schree doch ut!
Naderhand
Kann well kamen,
kann di sehn,
man kiekt weg
un will di nich.
Riet dien Muul up!

„Hier regieren die Imperative, die Ausrufezeichen. In diesem Gedicht gibt es nichts zwischen den Zeilen. Es gibt keine Verschlüsselungen. Diese Verse leben von der Dynamik“, findet Heinz-Werner Pohl.25 So direkt angesprochen zu werden, macht den Rezipienten nachdenklich.

Oswald Andrae im jeverschen Moorland in den 1970er Jahren (Sammlung Klitsch)

Oswald Andraes lyrisches Spektrum war weit – Balladen, Liebeslieder, Oden an die Natur, Gedichte an seine Heimat, Erinnerungen und Fantasien, Sozialhistorisches, Sozialkritisches, nichts war ihm fremd. Er schrieb Gedichte über Windmühlen und Lieder gegen Brokdorf. Er prangerte Zynismus an, er agitierte gegen Gleichgültigkeit, gegen Obrigkeitsglauben. Niemand sollte sich Zwängen unterwerfen. Andrae ergriff Partei, zum Beispiel gegen Atomkraft und die Polizei, die bei Demonstrationen oft Grenzen überschritt. Das war politische Literatur. Aber er konnte auch romantisch sein. Sein wichtigstes Medium war das Gedicht. Er liebte die Alliteration. Dann hatte das Gedicht Kraft. Und er mochte es kurz, auf den Punkt gebracht.

Aftellriemel26
Ziepel,
Zappel,
Zägenbuck.
Enterbeest
in’n Höhnerhuck.
Köst’n Koh ?
Wi hebbt ja kein!
Eier
In de Melkmaschein.
Melkbumm
vull
Franzosenkruut.
Hebbt je nix ?
Denn
mööt’t
ji
rut.

Oswald Andrae hatte keineswegs den Anspruch, mit seiner Autorentätigkeit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Allerdings sah er seine Texte gerne gebunden. Aber er hat niemals Texte an Verlage geschickt, um sie um Veröffentlichung zu bitten. Die Verlage kamen zu ihm. Hannelore Andrae erzählte mir, wie es eines Tages klingelte und ein Herr aus Rothenburg ob der Tauber vor der Tür stand. Es war Bernhard Doerdelmann, welcher nicht nur selbst als Dichter und kritischer Autor tätig war – er hatte sich u.a. wie Oswald Andrae mit den Problemen der Minderheiten und der Juden in seiner Region auseinandergesetzt – sondern er war auch Herausgeber von Anthologien und Sammelbänden mit mundartlicher Dichtung für den Verlag J.P. Peter. Hannelore Andrae: „Er sagte, er habe von Oswald Andrae gehört. Er würde gerne eine Veröffentlichung mit ihm besprechen.“27

Oswald Andrae in Horumersiel, ca. 1980 (Sammlung Peters)

Daraus wurde Hoppenröök geiht üm28, sein Meisterwerk aus dem Jahre 1975, mit beigelegter Schallplatte, von ihm selbst mit Texten besprochen. Andrae hat nun eine Unbekümmertheit erreicht, die ihn freimacht von allen Vorbildern, von allem Epigonenhaften. Er hat die Onomatopoesie zur Meisterschaft gebracht, und wenn er beschreibt, dann sitzen die Bilder. Seine Texte sind weiterhin politisch, doch er reißt nicht mehr sein Maul auf, sondern leitet den Leser auf leisen Pfaden zu Dingen, die er beklagenswert findet.

Im gleichen quadratischen Format und wieder mit Schallplatte erschien 1987 Dreeundartig Mullsbülten29, und wie schon in Wat maakt wi? stehen den plattdeutschen Gedichten die hochdeutschen Übersetzungen gegenüber. Es zeigt sich, wieviel wuchtiger und intensiver sowie onomatopoetisch kohärenter die plattdeutschen Varianten sind.

Lügen30
Sagt der eine:
Lügen haben kurze Beine.
Sagt der andere:
Rede große Worte
und trage ein Licht
vor Dir her!
Wenn das Licht
dann so leuchtet,
lügt
es sich leicht.
Lögens31
Seggt de een:
Lögens hebbt lüttje Been.
Seggt de anner:
Snackt große Wöör
und drag en Lucht
vör di her!
Wenn dat Lucht
denn so lücht,
denn so lüggt
sik dat licht.

Oswald Andrae „Werkstattgerüchte“ (1971) mit Brillenputztuch als Einband und Brillen-Grafik als Umschlag

Während die Verlage zu ihm kamen, ging seine Mutter – der Vater war bereits verstorben – niemals zu einer der Lesungen ihres Sohnes. Sie hielt nichts von einem solchen Spleen. Viele Jeveraner dachten ebenso. Was will dieser Intellektuelle denn? „Wo sollte er solche Geschichten denn loswerden? (…) Große Verlage interessierten sich doch nicht für einen, wie meinen Mann“, erklärte Hannelore Andrae.32

Frau Andrae beklagt zu Recht die Arroganz der großen Verlage gegenüber der Mundartdichtung, und in der Tat wurden (und werden) plattdeutsche Texte oft als heimattümelnd abgetan oder den Vereinsgaudisten zugeordnet.

De Slüüs33
Nich blots, dat se nee is,
nich blots, dat se groot is.
Uns Slüüs is hochmodern,
meen stolt de Ingenieur.
Up Jahren vörut
is allens parat:
Utstaffeert
mit Sakramenten
un mit
Sprengkamers
för den
Dag X.
Wi hebbt an allens dacht.

Arroganz war etwas, das Oswald Andrae nicht ausstehen konnte, und wenn man seinen Werken herablassend gegenübertrat, so schmerzte ihn dies. Arroganz spricht auch aus den Worten des Ingenieurs, welcher sich über das Wohl der Menschheit erhebt, und der von sich sagt, dass er der Zeit voraus ist, weil er sogar an den Tag X gedacht hat, in Form von Sprengkammern, die den ganzen hochmodernen Zinnober dann wieder in die Luft blasen.34 Das wirkt beklemmend auf den Leser – es irritiert ihn, an was der Ingenieur so alles denkt. Oswald Andrae entlarvt, wie Technokraten mit dem Kriege spielen. Dieses Gedicht ist auch heute brandaktuell.

2: Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und „der jeversche Fahnenkrieg“ um das Gedicht „De Fahn“

Oswald Andrae als Hitlerjunge, Oktober 1944 (Sammlung Klitsch)

Oswald Andrae war ein mutiger Mann. Er ging offensiv mit seiner Vergangenheit im Dritten Reich um. Während andere leugneten, zeigte Oswald Andrae offen seine einstige Verblendung. Er ist couragiert genug, Teile aus einem seiner Schüleraufsätze, in dem er Rassenwahn und Antisemitismus das Wort redet, öffentlich zu machen.35 Er war zu ehrlicher Reue fähig, Oswald Andrae hat nichts vertuscht, bestritten, schöngeredet, wie so viele ehemalige Nazis, die in ihren Ämtern blieben, weil sie rechtzeitig die belastenden Akten vernichtet hatten. Und dass rassistisches Denken in Jever weiter gepflegt wurde, zeigte er 1996 anhand in Jever kampierender Zigeuner, die als „Landplage“36 angesehen wurden, und denen man „einen besonders zugigen Platz anweisen müsse, um dadurch zu vermeiden, daß sie in Jever für alle Zeit seßhaft werden.“37

Mit Begeisterung hatte Oswald Andrae am 1. April 1939 dem Stapellauf des Schlachtschiffes Tirpitz, dem größten das je gebaut wurde und das später in gigantomanischer Sinnlosigkeit verkümmerte und damit den gesamten Irrwitz dieses 1000jährigen Reiches symbolisierte, zugesehen.38 Als die Tirpitz am 25. Februar 1941 in Dienst gestellt wurde, war ihr Kommandant der Kapitän zur See Friedrich Karl Topp. Dieser Soldat sollte Oswald Andrae noch einmal beschäftigen. Topp leugnete später, Baldur von Schirachs Hitlerjugend-Lied gekannt zu haben.39

„De bruun Ranzel“ (1977) – Auseinandersetzung mit der eigenen Jugend im Nationalsozialismus

In der Landesbibliothek Oldenburg befindet sich „de bruun Ranzel“, sein Schultornister aus dem Dritten Reich, in dem Oswald Andrae nach dem Krieg seine Erinnerungen an die Zeit vor 1945 verbarg. 1968, als Oswald Andrae den braunen Ranzen erstmals wieder öffnete, erschrak er vor sich selbst: „Langsam begann ich zu begreifen, was man mit mir machen kann.“40 Es hatte ihn allerdings schon mehr als 20 Jahre vorher verwundert, dass sein Vater im jeverschen Geschäft nach der Kapitulation Schilder abschraubte, unter anderem „Juden hier nicht erwünscht“, denn Juden hatte es in Jever schon lange nicht mehr gegeben. Oswald Andrae schrieb dazu: „Die Schilder wurden entfernt, die Schraubenlöcher mit Kitt verschmiert, jedoch das Holz zeigte späterhin immer wieder seine Narben.“41 Subtiler und zugleich bildhafter kann politische Literatur nicht sein. Den in Die Horen hochdeutsch verfassten Text Der braune Ranzen hat er später als Radiofeature42 und als Buch in Plattdeutsch umgeschrieben.

„De bruun Ranzel – ov: Wat’n mit mi maken kann“43. Dieser Text erschien auch in hebräischer Sprache in der israelischen Tageszeitung MaAriv. Eine große Ehre.

Aufgrund seines autobiographischen Textes in Die Horen bekam Oswald Andrae noch im gleichen Jahr eine Einladung von der Evangelischen Männerarbeit Oldenburg zu einer Informationsreise nach Israel. Dort sollte er mit Israelis, Juden und Arabern Meinungen austauschen und landeskundliche Eindrücke verarbeiten. Dazu schrieb er später: „Ich war bereit zu reisen, denn auch ich glaubte: Begegnungen und Gespräche seien die kürzesten Wege der Verständigung.“44 In dem aus dieser Reise resultierenden Buch45, welches strukturell wenig gelungen ist, wird deutlich, dass die Verständigung zwischen Israelis und Deutschen nicht so einfach war, wie Andrae es sich ausgemalt hatte.

Oswald Andrae war nicht nur von pazifistischer Gesinnung, er war zu einem überzeugten Gegner des nationalsozialistischen Gedankenguts geworden. Seine Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit in der Hitlerjugend und als Sanitäter im Volkssturm, mag ihn auch zu De Fahn inspiriert haben.

De Fahn46
Ik hebb
mal lehrt,
se weer
noch mehr
wert
as de Dood.
Se is
nich mehr
wert
as en
Sluck Genever.
Well
den hett,
de hett se,
un well
dar to veel
van kriggt,
de kummt
dat hoch.

De Fahn, geschrieben 1970, veröffentlicht 197147, war neben De Slüüs, einer der Gründe, warum Oswald Andrae am 17. September 1971 den Klaus-Groth-Preis von der Freiherr von Stein Stiftung (FVS) zur Förderung der niederdeutschen Sprache verliehen bekam. Andrae hatte seine Sozialisation unter der Totalität der Hakenkreuzfahne erlebt, einer Fahne, die sinnbildlich für menschenverachtendes Denken und unsagbare diktatorische Grausamkeit stand. Und man hatte Andraes Generation singen gelehrt. Die alten Germanen wurden geschichtsklitternd musikalisch veredelt, die arische Rasse in C-Dur bejubelt, alles andere herabgewürdigt.

Vorwärts! Vorwärts! schmettern die hellen Fanfaren, getextet von Baldur von Schirach, dem Jugendführer des Deutschen Reiches und Verantwortlichen für die Deportation von 185.000 Wiener Juden48, muss Oswald Andrae noch in den Ohren geklungen haben, als er De Fahn schrieb. Als Mitglied der Hitlerjugend wird er deren offizielle Ode oft genug gesungen haben. Darin heißt es:

Unsre Fahne flattert uns voran.
In die Zukunft ziehn wir Mann für Mann.
Wir marschieren für Hitler durch Nacht und durch Not
mit der Fahne der Jugend für Freiheit und Brot.
Unsre Fahne flattert uns voran.
Unsre Fahne ist die neue Zeit.
Und die Fahne führt uns in die Ewigkeit!
Ja! Die Fahne ist mehr als der Tod!

Ganz bewusst setzt Andrae die Schnapsfahne mit dieser Fahne gleich, denn wer von beiden zu viel bekommt, dem kommt es wirklich hoch.49 Das ist aber nur die äußere Schale, findet Heinz-Werner Pohl. „Der Kern des Gedichtes ist die Warnung, sich nicht wieder für große Worte in den Tod schicken zu lassen.“50 Ja! Und Andraes Gedicht ist allemal besser als das Gestümpere von Baldur von Schirach!

1972 hatte Kantor Günter Maurischat, ein Lehrer des Mariengymnasiums, dieses und andere Gedichte von Andrae vertont. Im Fall von De Fahn nicht gerade zu dessen Vorteil, aber es gab allgemeinen Beifall. Für den 11. März 1973 plante der NDR eine Sendung in der Reihe „Ein Abend für junge Hörer“ aus der Aula am Dannhalm in Jever, und der Chor des Mariengymnasiums sollte eines der von Maurischat vertonten Lieder singen, eben: De Fahn.

Am 3. März druckte das Jeversche Wochenblatt eine Ankündigung unter Verwendung des Gedichts. Bereits am 5. März begann der „Fahnenkrieg“, als der Vizeadmiral a.D. (Friedrich) Karl Topp seine Gesinnung nicht verbergen konnte und das Jeversche Wochenblatt seinen äußerst knappen Leserbrief abdruckte: „Pfui Teufel! Herr Andrae!“51 Am 7.3. schloss sich der Verband deutscher Soldaten, Ortgruppe Jever, „dem Ausspruch des Herrn Vizeadmiral [sic!] a.D. Topp (…) vollinhaltlich an.“52 Nun ging das erst richtig los – in Leserbriefen gesendet an und abgedruckt im Jeverschen Wochenblatt. Der eine textete „Wenn so een so wat lest de kommt dat hoch. (Wird vertont in Fies-Dur oder Schiet-Moll)“53, der andere versuchte sachlich auf eine Fehlinterpretation hinzuweisen54. Günter Maurischat empfahl, das Gedicht zu lesen, auch wenn ein „Verstehen literarischer Texte (…) oft mit Anstrengung verbunden“ ist.55

Christian Lorenz sprach Andrae das Recht auf Heimat ab und konstatierte: „Die Baader-Meinhof-Gruppe hat auch keine Fahne, vermutlich aber Ihren bekannten Genever.“56 Der Vizeadmiral dankte „den vielen Bürgern und Bürgerinnen [sic!] dafür, daß sie sich in unserer schmutzigen Welt“ – er kannte ja noch eine saubere, die Anmerkung sei hier gestattet, auch wenn sie polemisch ist – „noch ein Gefühl für Anstand, Tradition und Sitte bewahrt haben und den Ungeist sogenannter Kunst ablehnen.“57 Dann wurde es noch abwegiger, wenn Andrae mit Tommie Smith und John Carlos gleichgesetzt wurde – jene beiden schwarzen 200-Meter-Sprinter, die auf dem olympischen Siegerpodest mit ihren schwarzen Handschuhen, den geballten Fäusten und den Olympic-Project-for-Human-Rights-Ansteckern auf den Trainingsanzügen gegen Rassismus protestierten. Leserbriefautor Uwe Gerdes hatte dies 1972 in München erlebt58, tatsächlich protestierten die beiden in Mexico City 1968. Dass er Oswald Andrae damit eher erhöhte, hat der Verfasser nicht gemerkt.

Offene Drohungen wurden nun ausgesprochen – im Jeverschen Wochenblatt, welches auch den abwegigen und polemischen Leserbriefen Publikationsraum gab. Und wer sich nicht wundert, dass der Friesländer sich gerne in Reimform äußert, den mag es nicht erstaunen, dass auch demgemäß ein Barde zum Stift griff:

„Getreu dem Fahneneid
so taten wir’s geloben.
Die Fahne ein Symbol der Nationen,
wer diese in den Schmutz tut treten
verliert das Recht auf freies Leben.“

dichtete Johann Rohlfs, um zu schließen: „wer es wagt sie zu entweihen, wird solches sicher noch bereuen.“59 Das ist starker Tobak, und dass eine Tageszeitung eine solche Drohung veröffentlichte, ist unglaublich. Das grenzt an Volksverhetzung.

Immerhin gab es ein paar Leser des Jeverschen Wochenblatts, die sich gegen den Missbrauch des Fahnenkults und gegen die an Andrae gerichteten Hasstiraden wendeten. Diese wurden dann überregional gekontert. Kurt Wilken aus Leer fand Andrae „irrsinnig primitiv“, auch weil Andrae den Sittenverfall durch Unterzeichnung einer sozialdemokratischen Wählerinitiative unterstützte. Es erfreute ihn jedoch, dass „viel guter Bürgersinn (sich) durch die eisige Ablehnung Andraes gezeigt hat.“60

So ging es noch eine Zeit lang weiter, mittlerweile waren u.a. der Deutschlandfunk, Radio Bremen, die Frankfurter Allgemeine, die Frankfurter Rundschau, die Braunschweiger Zeitung, die Kieler Nachrichten, die Westfälische Rundschau und die Rheinische Post auf den jeverschen Fahnenkrieg aufmerksam geworden und hatten sich zu Gunsten von Oswald Andrae über die friesischen Reaktionäre mokiert. Die Hamburger Morgenpost titelte sensationsheischend aber auch entlarvend: „Hakenkreuzfahne ‚verunglimpft‘ – Ostfriesen machen Jagd auf einen Dichter.“61 Die Wogen schlugen hoch bis nach New York, und Oswald Andraes Bruder stand zornig vor ihm und rief: „Du schreibst kein Gedicht mehr.“62 Einige Kunden wandten sich ab von ihrem Optikergeschäft, nur ein paar andere kamen nun erst recht. In der Folge wurde dann auch eine Fensterscheibe im Hause Andrae eingeworfen.

Mittlerweile war am 11. März die Sendung „Sagten Sie Kleinstadt?“ in der Sendereihe „Ein Abend für junge Hörer“ vom NDR gesendet worden, und auch das ging nicht ohne Störgeräusche über den Äther. Der Schulchor des jeverschen Mariengymnasiums sang, vom Text „De Fahn“ verstand man nur wenig. Zuvor war der Leiter des Schulchores gebeten worden, kurz etwas zum Gedicht zu sagen, denn der Fahnenstreit war auch dem Moderator Dethardt Fissen nicht unbekannt geblieben. Nun wurden Maurischats Erläuterung des Gedichts jäh von zuerst Stille und dann mystischen Geräuschen und dann wieder Stille übertönt. Kurzum: die Erläuterungen wurden nicht gesendet.

Bei den bereits durch die Anfeindungen übel gelaunten Protagonisten vermutete man Sabotage, Zensur! Der NDR redete sich mit einer unglaubwürdigen Stellungname des NDR-Pressesprechers heraus, der von einem zu beseitigenden störenden Nebenton sprach63. Damit sollte hoffentlich nicht Andraes Gedicht gemeint sein. Auf Anfrage des damals stellvertretenden Landrats und Mitglied des NDR-Rundfunkrates Bernd Theilen wurde vom NDR mitgeteilt, dass der „Techniker in der Aufnahme- und Sendezentrale, der die Live-Übertragung einerseits auf die Sender gab, und andererseits mitschnitt, (…) beim Bandwechsel einen Schaltfehler“ gemacht hatte. Diese Version ist wahrscheinlich, obwohl normalerweise Aufnahmeleitung und Sendeleitung parallel laufen. Denn wenn man die Sendeleitung der Aufnahme nachschaltet, geht man das Risiko von Übertragungsfehlern ein, falls einmal das Band reißt oder es zu Bandsalat kommt. Beim Start der Sendung hat der Tontechniker wohl wirklich die Sendeleitung aus der Bandmaschine heraus geschaltet, denn die mystischen Nebengeräusche sind eindeutig von einem zurückspulenden Band. Anschließend hat der Techniker wohl über seinen Kopfhörer gemerkt, dass etwas nicht stimmt. So fehlen 80 Sekunden der Sendung. Vielleicht hatte der Techniker einen Schluck Genever zu viel genommen. Das umstrittene Gedicht in musikalischer Form wurde jedoch gesendet.

Bei der Mehrheit der Jeveraner kamen Oswald Andraes kritische Gedanken nicht besonders gut an. Sie hätten lieber plattdeutsche Anekdoten gehört, gemütlich in der Kneipe, bei einem großen Bier. Aber so etwas wollte Andrae nicht. Dieses Ansinnen störte ihn, denn er war ein sensibler Mensch. Seine Texte behandeln in der Regel sehr irdische Dinge; vieles ist heimatgebunden, d.h. es resultiert aus seiner scharfen Beobachtungsgabe. Oswald Andrae wurde oft gefragt, ob er sich als Heimatdichter verstehe, weil, wer in Plattdeutsch schrieb, schnell als ein solcher identifiziert wurde. Er hat immer wieder geantwortet, dass er sich so fühle, weil er ja über Dinge schreibe, welche sein Umfeld betreffen.

Andrae sei jemand, der die Heimat nicht verkläre, sondern der verdeutliche, welchen Gefahren diese Heimat ausgesetzt ist, hat Ralf Schnell einmal gesagt.64 Er bezog sich dabei auf den Brokdorf-Song. Andraes Verständnis von Heimat hat nichts mit dem Schwülstigen zu tun, das gemeinhin darunter verstanden wird. Für Oswald Andrae ist Heimat der Gesichtskreis, das „Dack über’n Kopp“65 und das Recht auf Schutz, das Recht auf Arbeit, das politische Recht, das Wahlrecht.66

Oswald Andrae wurde vielfach preisgekrönt. 1971 erhielt er das Auslandsreisestipendium des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland. Die Nachricht bekam er auf seiner ersten Auslandsreise an den Ossiacher See in Kärnten, mit dem 1966 erworbenen Wohnwagen. Dieses Stipendium hat er 1972 in Schweden verbraucht. Erst besuchte er eine Schriftstellertagung, und im Anschluss reisten die Andraes durch Schweden und einen Zipfel Norwegens. Zwischendurch machten sie Zwischenstopps in Schriftstellerkommunen und bei Autorentreffen. Das hat den Horizont erweitert.

„Hollt doch de Duums för den Sittich“ (1983) gibt einen Überblick über Werk und Wirkung von Oswald Andrae

Nachdem Oswald Andrae 1983 das niedersächsische Künstlerstipendium bekommen hatte, verlieh ihm das Land 1988 das niedersächsische Verdienstkreuz am Bande. Hannelore Andrae: „Auf so etwas hat er eigentlich gar keinen großen Wert gelegt. Das landete in der Schublade.“67 Seine Anspielungen zu hochdekorierten Generälen mit viel Blech vor der Brust machen dies nachvollziehbar.

De Dannenboom68
De Dannenboom
regeert.
Se hebbt hüm
dekoreert
mit Steerns
un mit Lametta.
Dat steiht hüm goot.
Uns Majestät!
(Wat he nich weet:
He is al doot.)

Aber einer der Preise bedeutete ihm doch etwas. Hannelore Andrae: „Dass er als plattdeutscher Autor in die Villa Massimo durfte, das war ihm eine große Ehre.“69 Über die Jahreswende 1989/90 weilte Oswald Andrae zwölf Wochen als Ehrengast in der Villa Massimo in Rom, einer Kultureinrichtung der Bundesrepublik Deutschland, eingeladen und finanziert durch das Land Niedersachsen. In der Villa Massimo bekommen Komponisten, Architekten, Schriftsteller und bildende Künstler die Gelegenheit, zu wohnen, zu arbeiten und gleichzeitig ein gutes Salär zu beziehen. Unter den vielen Stipendiaten waren Karl Schmidt-Rottluff, Georg Schrimpf, Ernst Wilhelm Nay, später Heinrich Böll, Ernst Jünger, Otto Dix, Hannah Hoech, Marie Luise Kaschnitz, Ralf Hochhuth, Peter Stein und Botho Strauss. Das ist in der Tat eine Ehre für den Optiker aus Jever. Aber selbst dort lässt ihn die Heimat nicht los – er besucht die Kirche San Michele e Magno70, die besser bekannt ist als Friesenkerk. San Michele e Magno liegt direkt neben dem Petersplatz und ist die Nationalkirche der Friesen und Niederländer. Seit dem 9. Jahrhundert kümmert man sich dort um friesische Pilger. Oswald Andrae bekommt vom (niederländischen) Pfarrer die Bestätigung, dass man ökumenische Kirchenarbeit im Schatten des Vatikans leiste.

Oswald Andrae als Stipendiat der Villa Massimo in Rom (1989/90, Sammlung Klitsch)

1991 verlieh man Andrae die Verdienstmedaille der Stadt Jever, den Ehrenteller des Landkreises Friesland, 1994 ein Auslandsreisestipendium des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland, 1997 die Ehrengabe der Oldenburgischen Landschaft, und schließlich gab es auch eine Oswald-Andrae-Straße in Jever. Am 23. November 2014 wurde der Oswald-Andrae-Raum in der Bibliothek des Mariengymnasiums Jever in einer Feierstunde offiziell eröffnet.

Ehrenpreise hin, Ehrenpreise her – manchmal gab es einen Geldbetrag als Dreingabe. Der war nicht unwillkommen, denn an den meisten seiner Veröffentlichungen hat Oswald Andrae nichts verdient. Für die Rundfunkfeatures allerdings gab es feste Honorare. Die Gema zahlte auch ein wenig für seine Songtexte. Aber die Buchveröffentlichungen warfen finanziell nichts ab. Ebenso die Lesungen. Aber die hat Andrae gern gemacht, und dabei lief er zur Hochform auf, denn er war auch ein „Selbstdarsteller“71. Und seine Frau Hannelore hat manchen Kilometer auf der Autobahn mit ihm abgerissen, so, wie sie ihm eine wertvolle Stütze bei all seinen Aktivitäten war. Gelesen hat er in vielen Orten der Bundesrepublik, in Westberlin und in der Deutschen Demokratischen Republik, in den Niederlanden, in Luxemburg, Österreich, Frankreich, England, Schottland, Italien, Dänemark, Schweden und in der Schweiz. Eine besondere Lesung fand in England statt, und heute wäre eine solche wohl nicht mehr vorstellbar.

Oswald und Hannelore Andrae (4. und 5. v.r) bei der Tagung des Internationalen Dialektinstituts in Wien (1991, Sammlung Klitsch)

3: Die Übersetzung von Robert Burns in Plattdeutsche

Oswald Andrae hatte Erfahrung mit der Übersetzung englischer Songs und songnaher englischer Lyrik. Bereits in den 60er Jahren hatte er englische Gedichte zum Thema „Meer“ von Lord Tennyson, Robert Browning und anderen ins Plattdeutsche übertragen. Er hatte seine Schottlandliebe auch in einem Song Ausdruck verliehen, damals im Repertoire von Helmut Debus, „Glens un Bens“72. Mit Helmut Debus hat Andrae übrigens bei Dutzenden von Songs zusammengearbeitet: Andrae die Texte, Debus die Musik.

1975 fuhr Oswald Andrae mit seiner Frau, den Wohnwagen angekuppelt, zunächst nach England und anschließend nach Schottland. In Newcastle-upon-Tyne durfte er in einem Pub namens Tanner’s Arms in der New Bridge Street seine Gedichte vortragen – „Low German into English“. Der gesellige Abend in der gemütlichen Pub war in der Woche zuvor durch die Lokalzeitung bekannt gemacht worden: Eintritt 10p (damaliger Umtauschwert 30 Pfennige). Einen Tag später las er vor einer Deutschklasse an der Blakelaw Comprehensive School73, eine der neuen Gesamtschulen in England.

Auf dieser England–Schottland-Reise entdeckte Oswald Andrae die Lieder und Gedichte von Robert Burns, welcher geflissentlich im schottischen Dialekt schrieb. Andrae war schnell von dem Gedanken entflammt, diese ins Plattdeutsche zu übertragen. Unter Mithilfe von Detlef Pohl übersetzte er die Texte aus dem Buch „The Poems and Songs of Robert Burns – edited by James Kinsley“74 zunächst ins Hochdeutsche. Von dort übertrug er sie ins Plattdeutsche. Ferdinand Freiligrath, der bereits 1843 Burns-Gedichte ins Deutsche übersetzt hatte, wählte eine freie Form, doch Oswald Andrae blieb eng am Originaltext. Aus „For a‘ That and a‘ That“ wurde „För all dat un all dat.“

Zu Tam O Shanter, einem weiteren Gedicht von Robert Burns, gibt es eine Anekdote. Der Inhalt des Gedichts ist etwa so: Ein Farmer, die Abende in der Kneipe verbringend und seine Frau vernachlässigend, reitet des nachts – ziemlich angetrunken – heimwärts, als ihm an einer Kirche allerlei Hexenpack und widerwärtige Wesen auflauern – wie es so ist, wenn man sich dem Alkohol hingibt. Ihm gelingt gerade noch die Flucht, doch seinem Pferd Meg kostet es den Schwanz. Man könne meinen, es sei ein nur kurzes Gedicht.

Am 4. Januar 1978 kam ein junger Mann in das Geschäft Optik Andrae, und stellte sich als schottischer Offizier der Royal Air Force, Squadron Leader Alexander Davis, vor, zu der Zeit im Austausch mit deutschen Luftwaffenoffizieren am Fliegerhorst Wittmund stationiert. Er wolle den Andrae, der Burns ins Plattdeutsche übersetzt hatte, sprechen. Doch der – es war Mittwoch – weilte in Emden an der Fachhochschule. Hannelore Andrae berichtete abends ihrem Gatten vom Besuch des Rottenführers. Oswald möge bitte für ein von Davis veranstaltetes Burns-Dinner im Fliegerhorst Wittmund den Tam O Shanter des schottischen Dichters für die Wittmunder Gäste ins Plattdeutsche übersetzen. Zu wann? Zum 25. Januar 1978!

Als Andrae sah, dass das Gedicht 224 Zeilen lang war, erschrak er. Dennoch, zusammen mit Detlev Pohl, wurde am 12. Januar in Wittmund ein erster Übersetzungsmarathon begonnen. Mit Whisky und Wasser war man am 13. Januar um ein Uhr dreißig in der Früh bis Zeile 114 gekommen. Am 21. Januar hatte Andrae den Tam O Shanter dann fertig. Er rief den Philologen Jochen Schütt, einen studierten Anglisten, bei Radio Bremen an, um ihn zu fragen, ob er den Text nicht öffentlich machen wolle. Schütt aber hatte gerade ein Essay publiziert, in dem er Burns Tam O Shanter mit der plattdeutschen Übertragung von Klaus Groth Hans Schander verglich. Andrae schluckte, und Schütt fragte, ob Andrae die Version von Groth denn nicht kenne. Andrae kannte sie nicht! Andrae las seine Version von Tam O Shanter beim Wittmunder Burns-Dinner, und als er am 28. Januar den Hans Schander in den Händen hielt, war ihm klar: den hätte er in Wittmund nicht vorgelesen.75

Oswald Andrae lebte ein Leben, das dem einer Kerze glich, welche man an beiden Enden angezündet hatte. Tagsüber betrieb er das Optikergeschäft, in der Mittagspause und abends schrieb er – oft bis spät in die Nacht. Mittwochs, weil das Geschäft geschlossen hatte, fuhr er regelmäßig nach Emden, denn er hatte einen Lehrauftrag an der dortigen Fachhochschule Ostfriesland, wo er nicht allein künftigen Sozialpädagoginnen und -pädagogen das Plattdeutsch lehrte – denn wenn man mit den Leuten auf dem Lande kommunizieren wollte, dann musste man Plattdeutsch verstehen und zumindest im Ansatz sprechen können.

Das Schreiben, Vorlesen, Tagungen besuchen usw. nahm einen immer größerer Zeitaufwand in Anspruch. Hannelore Andrae: „Das dehnte sich dann so aus, dass ich meinen Mann kaum noch zu sehen bekam.“76 Sie hat dann opponiert. „Wir haben dann die Vereinbarung getroffen, um zehn Uhr kommt er aus dem Arbeitszimmer runter.“77 Das hat er nur kurze Zeit eingehalten, zu groß war sein Drang zu schreiben. Selbst als er 1984 auf der Intensivstation im Krankenhaus Sanderbusch lag, schrieb er weiter: Der heiße Herbst.

Besuch der während der NS-Zeit vertriebenen ehemaligen Einwohner Jevers jüdischen Glaubens (April 1984). Oswald Andrae beim Vortrag eines Heimatlieds im Schützenhof. (F C.-G. Friederichsen)

Oswald Andrae im Gespräch mit dem jüdischen ehemaligen Mitschüler Herbert Gale (Hans Gröschler), dem 1938 die Flucht nach England gelang und der im Mai 1985 seinen alten Wohnort besuchte (F H. Peters)

4: Das Theaterstück „Laway“

„Laway – Aufstand der Deicher 1765“, Programmheft von 1983

An „Laway“, das später zu einem Theaterstück wurde, hat er 10 Jahre gearbeitet; es steckte ein unglaublicher Rechercheaufwand darin. Vom Stadtarchiv in Emden bis zum Staatsarchiv in Oldenburg hat er alle Möglichkeiten genutzt, alte Dokumente und Zeugnisse einzusehen, um ein historisch-wissenschaftlich gesichertes Stück abzuliefern. Er hat Deichbauspezialisten befragt und alte Kirchbücher der Küstengemeinden eingesehen. Hannelore Andrae: „Letztendlich habe ich gemeutert. Ich sagte: ‚Oswald, es findet überhaupt kein Familienleben mehr statt! ‘ ‚Gut‘, sagte er, ‚dann arbeite ich abends nicht mehr oben am Schreibtisch, dann arbeite ich im Bett. Dann bin ich wenigstens bei dir!‘“78 So geschah es. Sie ist dann irgendwann eingeschlafen, und er hat neben ihr weitergeschrieben.

Mit „Laway“ ist ihm ein historisch fundiertes Werk gelungen, wie gut es als szenisches Spiel, als Theaterstück war, kann ich nicht beurteilen, denn ich habe es nicht gesehen. Die Kritik war nicht nur positiv. „Laway – Aufstand der Deicher 1765 – eine szenische Chronik“ (mit Musik von Helmut Debus) beschäftigte insgesamt 82 Schauspieler in Zusammenarbeit von Staatstheater und der niederdeutschen August-Hinrichs-Bühne. Es hatte am 28. Januar 1983 Premiere und ist 17 Mal aufgeführt worden. Andrae und seine Frau Hannelore waren in allen 17 Vorstellungen, so stolz war der 56jährige auf seine Arbeit. Und sie auf ihn. „Laway“ war eine Auftragsarbeit. 25.000 Mark hat es Oswald Andrae eingebracht. Einen Mercedes hat er sich gekauft. Das einzige Mal, dass er mit seiner literarischen Arbeit richtig Geld verdiente. Wenn man den Stundenlohn ausrechnet, relativiert sich das Ganze.

Harry Niemann, der Generalintendant des Oldenburger Staatstheaters, hatte von dem Rostocker Intendanten Dr. Hanns-Joachim Theil, in Oldenburg weilend, weil die beiden Theater etwas zusammen machen wollten, von der Existenz des Autors Oswald Andrae erfahren. Andrae wurde auch in der DDR rezipiert, was damals nicht alltäglich für einen westdeutschen Dichter war. Theil kannte Andrae im Zusammenhang mit Andraes Lied „Dat Leed van den Häftling Nr. 562“ von 1978. Andrae hatte mit ihm diesbezüglich korrespondiert. So tauchten Theil und Niemann Am Kirchplatz 15 in Jever auf. Ja, Herr Andrae, woran arbeiten sie denn im Moment? Hannelore Andrae: „Dann kam Oswald mit seiner dicken Mappe [zum Deicharbeiteraufstand].“ Resultat war der Auftrag, dieses als Theaterstück zum Theaterjubiläum zu schreiben. Andrae wandte ein, dass es nur zweisprachig werden könne, zum Teil in Hochdeutsch, zum Teil in Plattdeutsch. Und Niemann war begeistert. Man habe doch die plattdeutsche Bühne in Oldenburg, dann mache man das eben mit den Amateuren zusammen.

Die Deicharbeiter im 18. Jahrhundert hatten Schwerstarbeit zu leisten, schutzlos, bei häufig miserablem Wetter. Sie litten wiederholt unter Hunger, weil die Marketender nicht eingetroffen waren, wurden schlecht bezahlt, oft auch gar nicht, und sie rebellierten immer mal wieder gegen ihre Ausbeutung, voller Wut auf die hohen Herren, die in warmen Stuben zum Beispiel auf dem Gut zu Friederikenhausen saßen. Sie machten „Laway“. Die verantwortlichen Administratoren, an Dekrete und Anweisungen gebunden, schlugen diese Aufstände oft brutal nieder. Es gab zahlreiche Tote.

Bereits 1973 hatte es ein Radio Feature gegeben Laway – über Deicharbeiteraufstände an der Nordsee im 18.Jahrhundert.79 Wie in vielen seiner Beiträge für das Radio nimmt Andrae sich der Unterschichten an, vertritt die Sache der kleinen Leute. Später hat er die Thematik noch einmal für das Schweizer Radio aufgearbeitet. „Wer nicht deichen will, muß weichen – Nachrichten aus dem Land der Friesen“80.

5: Heimat von unten und „Dat Leed van den Häftling Nr. 562“

Durch Michael Augustin von Radio Bremen bekam Oswald Andrae Gelegenheit, eine Reihe von interessanten Radiofeatures zu schreiben. Diese waren in der Regel historisch-kritisch, setzten sich mit Ungerechtigkeiten, Machtmissbrauch und Armut auseinander, wie „Der rieke Mann kann blieven, well nix hett, moot in’t Feld“81 oder „De Straten stunken na Brand – eine Kindheit in Jever“82. Im ersteren ging es darum, wie sich reiche Leute vom Kriegsdienst freikaufen konnten, indem sie einen armen Burschen als Ersatzmann bezahlten, und in letzterem ging es um das Aufwachsen in einer braunen Zeit und die NS-Vergangenheit Jevers. 1968 beginnt Andrae seine persönliche Aufarbeitung der Vertreibung und Ermordung der jeverschen Juden sowie seiner Jugend unter dem Einfluss der Nazis. Es ist erschreckend zu hören, wie durchsetzt von Nazipropaganda der Unterricht am Mariengymnasium in allen Fächern war. „De Straten stunken na Brand“ ist ein ergreifender Text, in dem Andrae aus der Perspektive eines Kindes die Zeit von 1932 bis 1945 beschreibt.

Dann wurde Andrae ein Tagebuch zugänglich, welches der Bauernsohn Gerhard Hinrich Janssen aus Sillenstede verfasst hatte. Er beschreibt darin die Stationen der Auswanderung seiner Familie im Jahre 1883 auf ein Stück Land in der Nähe von Topeka, Kansas. Als nachgeborener Sohn musste er den elterlichen Bauernhof dem Erstgeborenen, Johann Folkerts Janssen, überlassen. Um der Armut zu entgehen, sah Gerhard Hinrich Janssen keinen anderen Weg, als mit seiner zweiten Frau und den Kindern auszuwandern. Andrae kleidete dieses mit Akribie geführte Tagebuch in literarische Form und ergänzte es durch historische Fakten und den entsprechenden soziokulturellen Hintergrund.

Wieder gelang Andrae ein beeindruckendes Werk, welches viel über die Verhältnisse im 19. Jahrhundert, die Mühen und Leiden der einfachen Menschen zu jener Zeit aussagt, ohne einen moralischen Zeigefinger zu erheben. Er zeigt auf, dass sich viele Friesen in jenen Jahren einschifften, um in den Vereinigten Staaten das Glück zu suchen. So auch die Janssens mit ihren vier Kindern und dem Bruder der Gattin, Friedrich Riklefs. „De Familie Janssen geiht na Amerika – Stationen einer Auswanderung im Jahre 1883“83 ist ein starker Text, der zunächst als Radiofeature Verwendung findet und 1996 in gedruckter Form vorgelegt wurde.84

Sein international wohl berühmtester Text dürfte „Dat Leed van den Häftling Nr. 562“ sein, welches dem Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky gewidmet ist. Ossietzky, ein Pazifist und Demokrat, war von 1927 bis 1933 Herausgeber der radikaldemokratischen Zeitschrift Die Weltbühne. In der Nacht des Reichstagsbrandes wurde Ossietzky verhaftet, seine Zeitschrift am 7. März 1933 zum letzten Mal ausgeliefert. Ossietzky hatte bereits 1932 wegen angeblichen Geheimnisverrats 227 Tage im Gefängnis verbracht. Nun wurde er am 6. April einer der ersten Insassen des am 3. April 1933 eröffneten Konzentrationslagers Sonnenburg85. Im Frühjahr 1934 wurde er mit der Häftlingsnummer 562 in das Konzentrationslager Esterwegen im Emsland verlegt. Unter mörderischen Bedingungen mussten die Insassen die dortigen Hochmoore trockenlegen. In einem der fünfzehn emsländischen Konzentrationslager ist auch das berühmte Lied „Die Moorsoldaten“ entstanden.

Bereits Ende 1934 wurde Ossietzky, am Ende seiner Kräfte und nur noch ein Skelett, in das Krankenrevier verlegt. Dort ist er scheinbar weiter misshandelt worden. Der Schweizer Diplomat Carl Jacob Burckhardt besuchte das KZ Esterwegen 1934 als Mitglied des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Er beschrieb Ossietzky später als ein „zitterndes, totenblasses Etwas, ein Wesen, das gefühllos zu sein schien, ein Auge verschwollen, die Zähne anscheinend eingeschlagen“. Er habe sich nur noch nach dem Tode gesehnt.86 1936 wurde der schwerkranke Ossietzky mit einer offenen Lungentuberkulose aus der Haft in ein Berliner Krankenhaus entlassen, wo er unter Gestapo-Bewachung stand. Als ihm am 23. November 1936 rückwirkend der Friedensnobelpreis für 1935 verliehen wurde, verbot das NS-Regime seine Ausreise zur Preisverleihung. Das Preisgeld von 100.000 Reichsmark veruntreute ein Rechtsanwalt. 1938 starb Ossietzky infolge seiner schweren Krankheit.

Diesem Geschundenen des NS-Regimes dichtete Andrae eindringliche Verse. Er widmete sie seinem Sohn Joost, der an Carl von Ossietzkys Todestag, dem 4. Mai, geboren wurde.

Dat Leed van den Häftling Nr. 56287
En halv Dusend un fief Dutzend
un denn noch twee mal Een.
Kind, mien Kind, tell dat tosamen,
denn hest de Tahl, de ik meen.

Is en Tahl blots, is en Tahl blots.
Schriev se up. Kind, hest sehn?
Disse Tahl, dat weer de Nummer,
weer de Nummer, de ik meen.

Weer en Nummer, blots en Nummer.
Van ganz veel weer’t man een.
So veel Nummers up de Jacken
van de Minsken de ik meen.

Weren Minsken insperrt Minsken.
Hitler harr’t Regiment;
man se glöwen, wat se glöwen,
– foltert, slaan, vergast, verbrennt.

Männich Christ und Kommunisten,
Sozialdemokrat,

Jöden, Zentrum, Pazifisten:
„Schutzhaft“, KZ, Moorsoldat.

In’t KZ van Esterwegen,
– Kind, nümms kann’t nu verstahn! -,
Hebbt se Carl vonOssietzky
elennig tosamenslaan.

Nägn-tein-hun-nert-acht-un-dar-tig.
veerten Mai in Berlin:
ünner Upsicht van d’Gestapo
schräwen se sein Dodenschien.

Fief-hun-nert-un-twee-un-seß-tig
weer sien Nummer mal wään.
Den Nobelpries för den Fräden
krääg de Häftling, de ik meen.

Gegen Unrecht harr he sträden.
Mien Kind, vergäät dat nicht:
Waak wään, handeln för den Fräden,
denn dat Woort alleen helpt nicht.

Das 1978 geschriebene Lied wurde zunächst durch Helmut Debus bekannt88 und als „Prisoner 562″ in einer englischen Bearbeitung von Iain Mackintosh89 exportiert. Durch den schottischen Folksänger Dick Gaughan90 erhielt der Song 1983 weltweite Verbreitung.

Giovanni Nadiani, der später noch andere Texte Andraes übertrug und in Buchform publizierte, hatte den Text 1986 ins Italienische übersetzt: „La ballata del prigioniero n. 562″91. Auf Initiative des belgischen Folkmagazines Gandalf wurde im gleichen Jahr sowohl eine französische Übersetzung, „La chanson du détenu cinq-six-deux“, die wohl niemals zur Aufführung gekommen ist, als auch eine flämische Version erarbeitet: „Het Lied van Gevangene 562″. Kristien Dehollander sang letztere Version offenbar bei einigen Anti-Kriegs-Festivals in Belgien.

Das Übersetzen plattdeutscher Texte ins Italienische, wie beim Ossietzky-Lied, ist sicherlich ungewöhnlich. Giovanni Nadiani sagt dazu: „Das ‚geiht‘. (…) Es geht viel Poetisches verloren, (…) man muss das Gedicht rekreieren.“92 Bei Lesungen in Italien las Oswald Andrae zunächst die Texte im Original vor, und Nadiani lieferte anschließend die italienische Übertragung. „Das Spröde, die unerwartete Musikalität einer deutschen Sprache“ genoss das Publikum, „und auch der Inhalt ist nicht unwichtig.“93 Subversives kommt in Italien gut an. 1991 legte Nadiani noch einmal einen Sammelband mit Übersetzungen niederdeutscher Texte vor, darin sind 15 Gedichte von Oswald Andrae.94

Im September 1983 erlitt Oswald Andrae einen schweren Hinterwand-Herzinfarkt. Der Leser ahnt, warum. Im Jahr drauf schloss er auf Anraten seines Arztes die Optikabteilung des Geschäfts Uhren Andrae – Optik Andrae. Mit zwei Kindern im Studium und einem in der Ausbildung war es keine leichte Zeit für die Eltern. Nach seinem Herzinfarkt 1983 änderte sich die Qualität der Andraeschen Texte. Sie wurden subjektiver, besinnlicher, reflektierender.

Över verlaaten Plaasterstraten95

Över verlaten Plaasterstraten
Springt en Kind.
Wind eit sein Haar,
Weiht al vörut
Na Huus, na Huus.

Up den verlaten Plaasterstraten
Fallt de Rägen dal,
Bävert de Häven
Blänkern up’t Water.
Rullt de See,
Schellt de Fink,
Ruust in’n Wind
De Sanddoornstruuk,
Gielt en iesern Holtsagg
Allens twei.

Bi de verlaten Plaasetrstraten
Bäävt un schämert Sülwergras.
Sünner Blöö de Stievelstrüük
Höödt de wille Ros‘ är Frücht:
Root as Bloot
Wiest se torügg

Up vergöäten Tieden.

Bold schall de Vagel kamen.

Jochen Schütt sagt 1986: „Oswald Andrae ist gewiss noch nicht am Ende seiner literarischen Produktivität angelangt. Auch die Lieder, die er in den letzten Jahren geschrieben hat, unterscheiden sich deutlich [von den früheren]. Sie sind leiser geworden, eignen sich mehr zum Zuhören, denn zum Mitsingen. Und halten sich dennoch frei von jener süßlichen Sentimentalität, die dem plattdeutschen Liedgut gemeinhin anhaftet. Wir haben also noch einiges zu erwarten von diesem Autor.“96 Zehn produktive Jahre blieben Andrae.

Oswald Andrae im Gespräch mit dem Schriftsteller Hein Bredendiek (1906 – 2001) und der Bundestagsabgeordneten Erke Noth (1939 – 2007), ca. 1984 (Sammlung Peters)

Oswald Andrae 1992 bei einer von den Schülern der Berufsbildenden Schulen und des Mariengymnasiums in Jever initiierten Kundgebung gegen Ausländerfeindlichkeit auf dem Alten Markt (Sammlung Peters)

Oswald Andrae und die aus Jever stammende israelische Schriftstellerin Eva Basnizki (1933 – 2016) in Schillig (1996, Sammlung Peters)

Am 19. Februar 1997 starb Oswald Andrae im Krankenhaus Sanderbusch an Herzversagen. Die Beerdigung fand am 25. Februar 1997 im Beisein von 300 Trauergästen statt. Hein Bredendiek trug ein Gedicht Andraes vor: „Kyrie Eleison“97. Es handelt von Gottes Schöpfung und ihrer Zerstörung durch den Menschen. Auf dem Stadtfriedhof erinnert eine Steinstele in Form eines Bleistifts an Jevers streitbaren Dichter.

 

Quellen

1 Rolf Heinrich Wecken, Interview mit Oswald Andrae, NDR, 01.04.1982

2 Oswald Andrae, zitiert von Jochen Schütt in „Lieber ‚dütlich‘ als ‚nüdlich‘“, Radio Bremen 1, Hansawelle, 21.6.86, 20:55 – 22:00 h.

3 Hannelore Andrae, im Interview mit dem Verfasser, Jever, am 26.9.14.

4 O. Andrae, zitiert von Schütt (s. Anm. 2).

5 O. Andrae, zitiert von Schütt (s. Anm. 2).

6 O. Andrae, zitiert von Schütt (s. Anm. 2).

7 Oswald Andrae, „Luftwaffenhelfer“, in: Dreeundartig Mullsbülten – Texte in niederdeutscher Mundart, Reihe: Dichten im Dialekt, Band , Verlag van Acken, Krefeld 1987, S. 51.

8 Oswald Andrae, „Der braune Ranzen – oder Was man mit mir machen kann“. In: wir stellen vor, folge59, in: Die Horen, 13. Jahrgang, Ausgabe 74, Winter 1968/69, Seiten 34-37; S. 36.

9 H. Andrae (s. Anm. 3).

10 H. Andrae (s. Anm. 3).

11 H. Andrae (s. Anm. 3).

12 Eigenverlag 1957, gedruckt auf Wangerooge

13 H. Andrae (s. Anm. 3).

14 H. Andrae (s. Anm. 3).

15 Oswald Andrae, Heiseres Rufen, Verlag C.L. Mettker & Söhne, Jever 1965.

16 Jochen Schütt, in: „Lieber ‚dütlich‘ als ‚nüdlich‘“, Radio Bremen 1, Hansawelle, 21.06.86, 20:55 h – 22:00 h.

17 O. Andrae, Heiseres Rufen (s. Anm. 15), S.6.

18 Oswald Andrae, „Inselbesöök“, Norddeutscher Rundfunk, 2. Programm, und Radio Bremen 1, Hansawelle, 1965.

19 Johann P. Tammen, „‘Wenn allens stimmen moot, denn stimmt dar wat nicht‘ oder Was einer sieht, der den Kopf nicht in den Sand steckt“. In: Tammen, Johann P. [Hrsg.], Oswald Andrae – Hollt doch de Duums för den Sittich – Niederdeutsche Texte, Lyrik, Prosa, Lieder, Werk & Wirkung, edition „die horen“ 4, Wirtschaftsverlag NW Verlag für neue Wissenschaft“, Bremerhaven 1983, S.9.

20 Wecken (s. Anm. 1).

21 Ralf Schnell, „Riet dien Muul up!” – Niederdeutsche Mundartdichtung heute. In: Quickborn, Zeitschrift für plattdeutsche Sprache und Dichtung, S. 234, 69/1979.

22 Oswald Andrae, interviewt von Rolf Heinrich Wecken, NDR, 01.04.1982

23 O. Andrae, Wecken (s. Anm. 22).

24 Oswald Andrae, Wat maakt wi? – Niederdeutsche Mundarttexte, hochdeutsche Übersetzung. Henstedter Handdruck-Verlag, Henstedt-Ulzburg 1971 (mit Graphiken von Volker H. Steinhau), ohne Seitenangaben.

25 „Hollt doch de Duums“, anlässlich der Verleihung des Klaus-Groth-Preises, Manuskript Heinz-Werner Pohl, WDR, 1972.

26 Oswald Andrae, Hoppenröök geiht um – Texte in niederdeutscher Mundart, Verlag J. P. Peter, Gebr. Holstein, Rothenburg ob der Tauber 1975, S. 8.

27 H. Andrae (s. Anm. 3).

28 O. Andrae, Hoppenröök (s. Anm. 26).

29 Oswald Andrae, Dreeundartig Mullsbülten – Texte in niederdeutscher Mundart, Reihe: Dichten im Dialekt, Band , Verlag van Acken, Krefeld, 1987.

30 O. Andrae, Wat maakt wie (s. Anm. 29), ohne Seitenangaben.

31 O. Andrae, Wat maakt wie (s. Anm. 29), ohne Seitenangaben.

32 H. Andrae (s. Anm. 3).

33 O. Andrae, Wat maakt wi? (s. Anm. 24), ohne Seitenangaben.

34 O. Andrae, „De Slüüs“, in: Wat maakt wi? (s. Anm.24), ohne Seitenangaben.

35 O. Andrae, „Der braune Ranzen“ (s. Anm. 8), S.34-37.

36 Oswald Andrae, Heimat – wat is dat?, Oldenburg 1996, S. 15.

37 O. Andrae, Heimat, (s. Anm. 36), S. 15f.

38 O. Andrae, „Der braune Ranzen“ (s. Anm. 8), S. 36.

39 Karl Topp, in einem Leserbrief an das Jeversche Wochenblatt, 17.3.73.

40 O. Andrae, „Der braune Ranzen“ (s. Anm. 8), S. 37.

41 ebd., S. 36

42 „De bruun Ranzel“, Radio Bremen, 30. Januar 1973

43 Oswald Andrae, De bruun Ranzel – ov: Wat’n mit mi maken kann, Fischerhude, Atelier im Bauernhaus, 1977, 1000 nummerierte und signierte Exemplare.

44 Oswald Andrae, >Begegnungen und Gespräche< – Bericht einer Reise, Henstedter Handdruck Verlag, Henstedt-Ulzburg 3 1971, S. 1.

45 O. Andrae, Begegnungen (s. Anm. 44), S. 1.

46 O. Andrae, Wat maakt wi? (s. Anm. 24), ohne Seitenangaben.

47 Oswald Andrae, „De Fahn“, in: Wat maakt wi? (s. Anm. 24), ohne Seitenangaben, und: „Fünf zeitkritische Texte – Niederdeutsch“, in: Der Historien-Kalender auf das Jahr 1971, Jever 1971, S. 34.

48 http://de.wikipedia.org/wiki/Baldur_von_Schirach; Zugriff am 7. Oktober 2014.

49 Es wäre interessant zu wissen, wie Oswald Andrae die Deutschlandfahnenorgien während der letzten Fußballweltmeisterschaften bewertet hätte.

50 „Hollt doch de Duums“ (s. Anm. 25).

51 Karl Topp, in einem Leserbrief an das Jeversche Wochenblatt, 5.3.73.

52 VdS Ortgruppe Jever, in einem Leserbrief an das Jeversche Wochenblatt, 7.3.73

53 Fritz Burkhardt (Dralle), in einem Leserbrief an das Jeversche Wochenblatt, 7.3.73

54 Eckhard Fürluß, in einem Leserbrief an das Jeversche Wochenblatt, 7.3.73

55 Günter Maurischat, in einem Leserbrief an das Jeversche Wochenblatt, 8.3.73

56 Christian Lorenz, in einem Leserbrief an das Jeversche Wochenblatt, 8.3.73

57 Karl Topp, in einem Leserbrief an das Jeversche Wochenblatt, 8.3.73

58 Uwe Gerdes, in einem Leserbrief an das Jeversche Wochenblatt, 9.3.73

59 Johann Rohlfs, in einem Leserbrief an das Jeversche Wochenblatt, 9.3.73

60 Kurt Wilken, in einem Leserbrief an das Jeversche Wochenblatt, 13.3.73

61 Hamburger Morgenpost, 30.03.73;

62 H. Andrae (s. Anm. 3).

63 Günter Quast, in einem Brief an das Jeversche Wochenblatt, 24. 3. 73

64 Ralf Schell, „De Muul uprieten“ – Politisch plattdeutsche Poesie, Radio Bremen, 26.5.79.

65 O. Andrae, Heimat, (s. Anm. 36), S. 19.

66 O. Andrae, Heimat, (s. Anm. 36), S. 19.

67 H. Andrae (s. Anm. 3).

68 Tammen, Hollt doch de Duums (s. Anm. 19), S. 194.

69 Tammen, Hollt doch de Duums (s. Anm. 19), S. 194.

70 Die Kirche ist auch bekannt als San Michele in Sassia.

71 H. Andrae (s. Anm. 3).

72 Helmut Debus, „Wo ik herkam“, 30-cm- Langspielplatte, 33 UpM, Atelier im Bauernhaus h 10, Fischerhude 1976.

73 Wegen schlechter Lehrqualität und einer hohen Zahl von Schulschwänzern wurde die Schule 1999 geschlossen und als „new start school“ 2000 unter dem Namen Firfield Community School wiedereröffnet.

74 James Kingley, [ed.], The poems and songs of Robert Burns, Vol. 1., Clarendon Press, Oxford 1968.

75 http://www.cobbler.plus.com/wbc/newsletter/0201/how_i_met_tam_oshanter.htm, Zugriff: 27.09.14; der Text ist eine Abschrift eines Briefes (übersetzt und zusammengefasst vom Verfasser), den Oswald Andrae am 29.01.78 an Alexander Davis, den Veranstalter des Burns-Dinners geschrieben hat; auf http://www.cobbler.plus.com/wbc/expert/deutsch_tam.htm kann man Oswald Andraes plattdeutschen Tam O Shanter lesen.

76 H. Andrae (s. Anm. 3).

77 H. Andrae (s. Anm. 3).

78 H. Andrae (s. Anm. 3).

79 „Laway –Aufstand der Deicher 1765“. Radio Bremen, 1973.

80 „Wer nicht deichen will, muß weichen – Nachrichten aus dem Land der Friesen“, in der Reihe Land und Leute, Radio DRS, Basel, 28.1.86, Wiederholung in der Reihe Aula, 6.2.86.

81 „Der rieke Mann kann blieven, well nix hett, moot in’t Feld“, Sprecher Claus Boysen, Musik Helmut Debus. Radio Bremen, Hansawelle, 14.11.81, 21:00 Uhr.

82 „De Straten stunken na Brand – eine Kindheit in Jever“, Reihe Heimaterkundung, Radio Bremen II, 5.12.85

83 „De Familie Janssen geiht na Amerika – Stationen einer Auswanderung im Jahre 1883“ – Tagebuchnotizen des Gerhard Hinrich Janssen. Reihe Heimatfunk am Wochenende, Radio Bremen, Hansawelle, 2.1.88, 20:15 Uhr

84 O. Andrae, Heimat, (s. Anm. 36), S. 21 – 41.

85 Dieses KZ ging durch das Massaker von Sonnenburg am 30. Januar 1945 in die Geschichtsbücher ein.

86 Carl Jacob Burckhardt, Meine Danziger Mission: 1927 bis 1939, München 1960, S. 60f. Anm. d. Verf.: Die Glaubwürdigkeit dieses Berichtes wird auch in Zweifel gezogen.

87 Oswald Andrae „Dat Leed van den Häftling Nr. 562“, in: Plattdütsch Land un Waterkant, 56. Jahrgang, Heft 1, Hamburg 1979, S. 13 f.

88 Helmut Debus, „Kammt Tohoop“, 30-cm-Langspielplatte, 33 UpM, Verlag Atelier im Bauernhaus PL 512, Fischerhude 1979.

89 Iain Mackintosh , „Straight to the Point“, 30-cm-Langspielplatte, 33 UpM, Verlag Atelier im Bauernhaus L 513, Fischerhude 1979.

90 Dick Gaughan, A Different Kind of Love Song”, 30-cm-Langspielplatte, 33 UpM, Folk Freak FF 4000 4013, Ebergötzen 1983.

91 Giovanni Nadiani, Orme d’ombra (mit 31 Texten von Oswald Andrae), Edizione Cooperativa Guidarello Ravenna, Ravenna 1986.

92 Giovanni Nadiani, im Gespräch mit Rainer Brüggemann und Gerd Spiekermann in der Sendung Huitmorgen up plattdüütsch, NDR Radio Hamburgwelle, 19.3.90.

93 Nadiani (s. Anm. 92).

94 „Wat maakt wi?“, „Hollt doch de Duums!“, „De Brügg na güntsiet“, „Riet dien Muul up!“, „Schrieven“, „Status quo“, „Geven is seliger as nehme”, „Suup di duun“, „Fallen“, „Verlaten Plaasterstraten“, „Wöhlt hett he“, „Kreihen“, „Dröög bruun Blöö“ (Lyrik), „As Dag un Nacht sik drepen“ und „Dat Leed van den Häftling Nr.562“ (Lieder) in: Giovanni Nadiani, Över verlaten Plaasterstraten – per abbandonati selciati , poeti bassotedesci 1961 – 1990, Edizioni Moby Dick, Faenza 1991.

95 O. Andrae, Dreeundartig Mullsbülten (s. Anm. 29), S. 24.

96 Schütt (s. Anm. 16).

97 „Kyrie Eleison!“ in DWARSDÖR – Dat Schrieverkringbook II, Bad Zwischenahn, Zwischenahner Autorenverlag 1993, S.14.

 

Zuerst veröffentlicht in: Oldenburger Jahrbuch, Bd. 115, 2015
Klitsch, Hans-Jürgen: Oswald Andrae – Autor, plattdeutscher Querdenker, Intellektueller aus Jever. Sonderdruck.- Jever: Bibliothek des Mariengymnasiums, 2016, 23 S.