Rückblick des Arbeitskreises GröschlerHaus auf das Jahr 2019

Im Mittelpunkt des Jahres 2019 standen zwei Ausstellungseröffnungen und eine Umstrukturierung der ständigen Ausstellung. Zunächst wurde vom 31. März bis 15. August die Wanderausstellung: „Unter uns? Sinti in Ostfriesland“ des Heimatmuseums Leer und des dortigen 1. Sinti-Vereins Ostfriesland e.V. gezeigt. Die Ausstellung ergänzten zwei gut besuchte Veranstaltungen mit Vertretern des Sinti-Vereins, die sich speziell an Schulen richteten. Mit dieser Dokumentation der Geschichte und der Gegenwart der Sinti in Ostfriesland rückte ein bisher wenig beachteter Teil der Regional- und Landesgeschichte in den Blick und regte die Mehrheitsgesellschaft an, einmal einen Perspektivwechsel vorzunehmen.

Am 1. September – 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen und damit des Beginns des Zweiten Weltkriegs – eröffnete unter großer Beteiligung der Bevölkerung die umfangreiche Ausstellung „Aufrüstung, Krieg und Befreiung im Jeverland: 1933 bis 1945“. Sie wurde durch die entschiedene Förderung des Schloss-Museums und durch Spendengelder an das GröschlerHaus möglich und wird noch bis zum August 2020 gezeigt. Wenig später erschien der gleichnamige Katalog zur Ausstellung, der die Aktualität des historischen Themas durch das gewählte Format einer Tageszeitung betont.

Gleichzeitig wurde die bereits bestehende Ausstellung über die jeversche Synagoge, auf deren Grundmauern ja das GröschlerHaus steht, und die jüdische Gemeinde neu gestaltet und als Basis-Ausstellung unter dem Titel „Was blieb“ im östlichen Teil des Raumes neu zusammengefasst. Als Besonderheiten werden die beim Umbau des Jahres 2018 gefundenen Reste vom Brand der Synagoge 1938 und die Keller-Mikwe präsentiert.

Im Jahr 2019 haben rund 1.600 Besucher das GröschlerHaus besucht, darunter eine Reihe Schulklassen sowie Besuchergruppen aus dem kulturellen und politischen Leben der Region. Die Führungen erfolgen durch die Mitglieder des Arbeitskreises. Volker Landig und Uta Esselborn boten 2019 erneut auch Führungen über den jüdischen Friedhof und durch das jüdische Jever an.

Durch Veranstaltungen im GröschlerHaus, aber auch an anderen Bildungsstätten wie z.B. der Volkshochschule Wilhelmshaven wurden weitere rund 400 Besucher erreicht. So musste beim Vortrag des Historikers Heiko M. Pannbacker am 17. September über das Thema „Wie der Jazz unter die Nazis geriet“ u.a. der umgedrehte Papierkorb als Sitzgelegenheit herhalten.

Nach dem Mordanschlag auf die Synagoge von Halle Anfang Oktober 2019 gehörte der Arbeitskreis zu den Initiatoren einer spontanen Kundgebung gegen Gewalt und Antisemitismus. Das Gedenken an den Pogrom vom 9. November 1938, für dessen jährliche Organisation die Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit zuständig ist, wurde unterstützt und durch eine eigene Veranstaltung zum Thema „Jüdische Frauen während des Progroms“ und die Präsentation eines interaktiven Hörspiels von Gina Bremer über den Pogrom in Jever ergänzt.

Der Arbeitskreis GröschlerHaus, organisert im Jeverländischen Altertums- und Heimatverein e.V., besteht gegenwärtig aus zwölf Ehrenamtlichen. Für die Arbeitskreismitglieder, ihre Freunde und die teilnehmenden Repräsentanten des öffentlichen Lebens war sicherlich die Bar Mitzwa Feier von Jacob Rumens aus Northampton am 26. August ein Höhepunkt. Jacob ist ein Urenkel des Ehepaars Julius und Hedwig Gröschler, das die Nationalsozialisten 1944 in Auschwitz ermordeten. Nach dem Novemberpogrom 1938 gelang es dem Ehepaar noch, die beiden Söhne nach England in Sicherheit zu bringen. 1984 kam Frank Gale (Fritz Gröschler) zusammen mit seiner Ehefrau und den beiden Töchtern zurück nach Jever. Er folgte der Einladung der Initiative „Juden besuchen Jever“ am Mariengymnasium. Nach dem Tod des Vaters im Jahre 1997 hielten die Töchter den Kontakt zu Jever. 2014 nahmen sie zusammen mit ihren Kindern an der Namensgebungsfeier für das Gröschler-Haus teil. Als Lori und Paul Rumens ihren Sohn fragten, wie er sich denn nun sein Bar Mitzwa vorstelle, war dessen klare Antwort: „In Jever“. Einfacher wäre es in England gewesen. So nahm ein nicht leicht zu organisierendes Vorhaben seinen Lauf, das das GröschlerHaus für wenige Stunden in eine Synagoge verwandelte. Über die Veranstaltungshektik wurde übrigens der 5. Jahrestag der Eröffnung des Gröschlerhauses (29. September 2015) schlichtweg vergessen.

Nach dem liturgischen Teil der Bar Mizwa von Jacob Rumens spielte am 26. August der Oldenburger Liedermacher Iko Andrae zum Tanz auf.

Auch in weiteren Monaten des Jahres besuchten Nachkommen jeverscher Juden die Marienstadt auf den Spuren ihrer Vorfahren, sie kamen aus Kanada, England, den Niederlanden und Australien. Als Hartmut Peters für sein ehrenamtliches Engagement in der Geschichtsaufarbeitung am 7. Mai das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, war Prof. Dr. Bob Löwenberg aus Rotterdam, ein Enkel des in Bergen-Belsen umgekommenen vorletzten Vorstehers der jeverschen Synagogengemeinde Hermann Gröschler, einer der Laudatoren.

Durch persönliche Kontakte fanden auch weiterhin wichtige Fotos und Dokumente ihren Weg in das Archiv des Zeitgeschichtszentrums. Die Kontaktaufnahme kam meist über die Internetzeitschrift groeschlerhaus.eu des Arbeitskreises zustande. Die Mitarbeiter beantworteten außerdem zahlreiche Anfragen aus dem In- und Ausland. 2019 nutzten 32.000 Besucher mit 96.000 Aufrufen die Seite, eine vergleichsweise stattliche Bilanz. Das Portal erinnerungsorte-friesland.de des Schloss-Museums ist mit der Internetzeitschrift eng verbunden. Die Portale bieten eine interaktive Landkarte Frieslands der Erinnerungsorte und an die 150 Informationsartikel sowie viele weitere Angebote zur Landesgeschichte. So sind z.B. sämtliche Tafeln der aktuellen Ausstellung als PDF hier verfügbar. Wegen des großen Interesses an Fritz Levy, dem letzten Juden Jever, bietet das GröschlerHaus seit kurzem auch die Website www.fritzlevy.de angeboten.

Das GröschlerHaus baute 2019 sein Netzwerk weiter aus und kooperierte u.a. wie schon in den Jahren zuvor mit den Kinofreunden Friesland e.V. in der Reihe „Der besondere Film“ und ist als außerschulischer Lernort im Verbund der fünfzehn Lernorte in der „Bildungslandschaft Landkreis Friesland“ aktiv. Über das Bildungsbüro des Landkreises können Fahrten von Schulklassen zum GröschlerHaus finanziell gefördert werden. Mehrfach konnte das Team befreundete Initiativen durch wissenschaftliche Recherchen und Kontakte unterstützen, wie z.B. bei der Einweihung der Gedenkstele für die sogenannten Exodus-1947-Juden am 6. September in Sengwarden.

Der Historiker Heiko M. Pannbacker aus Hannover während seines sehr gut besuchten Vortrags zum Thema „Wie der Jazz unter die Nazis kam“ am 17. September.

In der Reihe „Schriften zur Geschichte des Nationalsozialismus und der Juden im Landkreis Friesland“ konnten 2019 im Verlag Fuego, Bremen, unter dem Titel „Das offene Versteck“ die Erinnerungen von Robert de Taube veröffentlicht werden.

Das GröschlerHaus erfährt nach wie vor große Unterstützung durch den Landkreis Friesland, die Stadt Jever, den Zweckverband Schloss-Museum Jever, das Schloss-Museum und durch viele Förderer aus der Zivilgesellschaft und fast allen politischen Parteien. Ohne sie alle könnte die Geschichtsarbeit, die im Grunde Arbeit für unserer demokratische Gegenwart ist, ideell und finanziell gar nicht aufrechterhalten und weiterentwickelt werden können. Ihrem Schulterschluss gilt der Dank in gesellschaftlich und politisch schwieriger Zeit.

Hartmut Peters

 

Das GröschlerHaus in der Gr. Wasserpfortstraße 19, Jever, ist regelmäßig geöffnet Dienstag und Freitag von 10 bis 12 Uhr und Donnerstag von 16 – bis 18:30 Uhr. Weitere Öffnungszeiten und Führungen für Gruppen können über 04461-964426 oder info@groeschlerhaus.eu vereinbart werden. Weitere Informationen über www.groeschlerhaus.eu sowie www.erinnerungsorte-friesland.de.

Rückblick auf das Jahr 2018

Im Mittelpunkt des Jahres 2018 stand die feierliche und sehr gut besuchte Wiedereröffnung des GröschlerHauses nach neunmonatiger Umbau- und Renovierungsphase am 15. April. Zum Festakt waren auch Angehörige von jüdischen Familien aus dem Ausland angereist, er fand seinen symbolischen Höhepunkt in der Anbringung der Mezuzah von Frank Gale an der Eingangstür durch Familienangehörige. Der Sohn des letzten Vorstehers der Synagogengemeinde  war 1938 als Fritz Gröschler in einem Kindertransport von Jever nach England entkommen. Seine Eltern wurden 1944 in Auschwitz ermordet, Frank Gale starb 1998 in Northampton.

Die Familie Gale aus England beim Anbringen einer Mezuzah an der Tür des wieder eröffneten GröschlerHauses, 15. April 2018. Die Kapsel mit dem enthaltenen Segensspruch stammt aus dem Haus des 1998 in England verstorbenen Frank Gale, der in Jever aufwuchs und 1938 den Nazis entkommen konnte.

Die Familie Gale aus England beim Anbringen einer Mezuzah an der Tür des wieder eröffneten GröschlerHauses, 15. April 2018. Die Kapsel mit dem enthaltenen Segensspruch
stammt aus dem Haus des 1998 in England verstorbenen Frank Gale, der in Jever aufwuchs und 1938 den Nazis entkommen konnte.

Auch im weiteren Verlauf des Jahres besuchten Nachkommen jeverscher Juden die Marienstadt auf den Spuren ihrer Vorfahren, sie kamen aus den Niederlanden, England, Israel, den USA und Australien und wurden von den Mitgliedern des ehrenamtlichen Arbeitskreises GröschlerHaus betreut. Im August 2018 ging eine Ära zu Ende. Mit Prof. Dr. Rolf Sternberg, der 1926 in der Schlosserstraße geboren wurde, starb in New York der letzte der Juden aus Jever, die dem Holocaust ins rettende Ausland entkommen konnten. Verschiedene Zeitungen veröffentlichten den Nachruf auf den international bekannten Erforscher der Wasserkraftgewinnung in Südamerika, der seit seinem ersten Besuch in Jever 1984 hier neue Freunde gefunden hatte.

Durch persönliche Kontakte fanden auch weiterhin wichtige Fotos und Dokumente ihren Weg in das Archiv des Zeitgeschichtszentrums. Die Kontaktaufnahme  kam häufig über die Internetzeitschrift groeschlerhaus.eu des Arbeitskreises zustande. Die Mitarbeiter beantworteten außerdem zahlreiche Anfragen aus dem In- und Ausland. 2019 nutzten 33.000 Besucher mit 96.000 Aufrufen die Seite, eine vergleichsweise stattliche Bilanz. Das Portal erinnerungsorte-friesland.de, das mit der Internetzeitschrift eng verbunden ist, wurde auf Veranlassung von Dr. Antje Sander mit Mitteln der Initiative Erinnerungsorte Friesland neu gestaltet. Es bietet auf einer interaktiven Landkarte Frieslands eine Übersicht über alle Erinnerungsorte, diese sind mit den rund 100 Informationsartikeln zur Landesgeschichte auf groeschlerhaus.eu verlinkt.

Ebenfalls am 15. April wurde die von Hartmut Peters in Zusammenarbeit mit Dr. Antje Sander konzipierte, von Andreas Reiberg gestaltete und vom Zweckverband Schlossmuseum geförderte Ausstellung „80 Jahre nach dem NS-Pogrom – die Synagoge von Jever und ihre Zerstörung im Jahre 1938“ eröffnet. Sie wurde kürzlich wegen des großen Interesses, gerade auch in der Folge des Erinnerungsjahrs 2018, bis Herbst 2019 verlänger. Als Besonderheiten sind hier auch die beim Umbau gefundenen Reste vom Brand der Synagoge ausgestellt.

Bis Ende Januar 2019 wird außerdem in der ehemaligen jüdischen Schule am GröschlerHaus die vom Linguisten Dr. Klaus Siewert erarbeitete Sonderausstellung  „Jever und die Berufssprache der Viehhändler“ präsentiert. Bisher haben rund 1.100 Besucher die beiden Ausstellungen besucht, darunter auch eine Reihe Schulklassen sowie weitere Besuchergruppen aus dem kulturellen und politischen Leben der Region. Die Führungen erfolgen durch die Mitglieder des Arbeitskreises. Volker Landig und Uta Esselborn boten 2018 erneut auch Führungen über den jüdischen Friedhof und durch Jever an.

Unter den Veranstaltungen des Jahres ragt das „Grenzenlos-Festival 2018“ heraus, das am 1. September openair bei der Gastsstätte „Waldschlösschen“ stattfand. Die Kulturveranstaltung am Weltfriedenstag mit gleich sechs Bands warb für eine offene Gesellschaft und zog  rund 500 Besucher an. Im Organisationsteam wirkten u.a. die Integrationslotsen Jever und das Jugendparlament Friesland mit. Überhaupt baute das GröschlerHaus 2018 sein Netzwerk aus, schloss einen förmlichen Kooperationsvertrag mit dem Freundeskreis der Sinti und Roma in Oldenburg e.V., wirkte bei einer öffentlichen Tagung des Netzwerks „Reise durch das jüdische Ostfriesland“ in Aurich zum Pogrom 1938 mit und kooperierte u.a. wie schon in den Jahren zuvor mit den Kinofreunden Friesland e.V. in der Reihe „Der besondere Film“. Im November wurde das GröschlerHaus  als außerschulischer Lernort im Verbund der 15 Lernorte in der „Bildungslandschaft Landkreis Friesland“ anerkannt. Damit können jetzt auch Fahrten von Schulklassen zum GröschlerHaus finanziell gefördert werden.

Mehrfach konnte das Team des GröschlerHauses befreundete  Initiativen durch wissenschaftliche Recherchen, Textformulierungen und Kontakte unterstützen, wie z.B. bei der Errichtung der Gedenkstele für die 1943 aus Zetel nach Auschwitz deportierten Sinti im März 2018 oder bei der Einweihung von Gedenktafeln in Schortens, Neustadtgödens und Horsten.  Im Oktober erhielt der Arbeitskreis GröschlerHaus den „Engagementspreis gegen das Vergessen“ der AWO Weser-Ems zuerkannt. Überregional bekannt wurde die Erinnerungsarbeit in Jever auch durch einen TV-Beitrag in der NDR-Sendereihe „DAS!“ über das Versteck der Familie Hirche auf dem Dachboden des „Concerthauses“ am Alten Markt.

Die Reihe „Schriften zur Geschichte des Nationalsozialismus und der Juden im Landkreis Friesland“ wurde 2018 mit gleich drei Publikationen weitergeführt. Die Broschüre mit gefalteter Stadtkarte „Jüdisches  Jever – ein historischer Stadtrundgang“ fand auch bei Touristen Anklang. Hans-Jürgen Klitsch und Hedda Esselborn übersetzten sie ins Englische bzw. Niederländische.  In „Die Synagoge von Jever, der Pogrom von 1938 und der lange Weg der Erinnerungen“ fasst Hartmut Peters die Ergebnisse seiner Forschungen zu den genannten Themen zusammen. Holger Frerichs legte die „Geschichte der Familie Schwabe-Barlewin aus Varel“ vor.

Im April startete der Arbeitskreis ein spezielles „Baustein“-Projekt, um die Mittel für eine virtuelle Rekonstruktion der 1938 zerstörten Synagoge Jevers aufzubringen. Für 25.– €  erhält der Spender einen der 1.000 nummerierten roten Klinker mit der eingeprägten Silhouette der Synagoge. Sie wurden mit Unterstützung der Bockhorner Klinkerziegelei Uhlhorn und des Keramikmeisters Acki Jürgens gebrannt. Bisher fanden allerdings nur 130 der attraktiven Steine ihren Weg z.B. auf die Schreibtische der Förderer dieses Projekts, das also auch 2019 noch weitergeführt wird.

Die „Bausteine“ für die virtuelle Rekonstruktion der jeverschen Synagoge

Die „Bausteine“ für die virtuelle Rekonstruktion der jeverschen Synagoge

Zum 1. September plant der Arbeitskreis GröschlerHaus zusammen mit dem Schlossmuseum eine Ausstellung über die regionalen Kriegsplanungen für den Zweiten Weltkrieg, den Krieg selbst und seine Folgen. Anlässe sind der 80. Jahrestag des Überfalls auf Polen am 1. September und der 75. Jahrestag des Kriegsendes im Mai des kommenden Jahres.

Das GröschlerHaus in der Gr. Wasserpfortstraße 19, Jever, ist regelmäßig geöffnet Dienstag und Freitag von 10 bis 12 Uhr und Donnerstag von 16 bis 18:30 Uhr. Weitere Öffnungszeiten und Führungen für Gruppen können über 04461-964426 oder info@groeschlerhaus.eu vereinbart werden. Weitere Informationen über groeschlerhaus.eu sowie erinnerungsorte-friesland.de.

Grenzenlos Festival 2018

Sechs unterschiedliche Bands treten für den Frieden auf. Sie sehen und hören Ausschnitte von jeder Gruppe.

Eindrucksvoll erzählt der Buchautor Eckhard Harjes aus dem Leben des letzten Juden von Jever – Fritz Levy

Wiedereröffnung des Zeitgeschichtszentrums GröschlerHaus

Die Wiedereröffnung des Zeitgeschichtszentrums ist für den 15. April 2018 im Rahmen einer geschlossenen Veranstaltung geplant. Dann sollen auch die Artefakte der zerstörten Synagoge präsentiert werden, die beim Abriss eines Schuppens im Hof gefunden wurden.

Ab dem 16. April 2018 um 16 Uhr wird das GröschlerHaus mit einer Ausstellung „80 Jahre nach dem NS-Pogrom – die Synagoge von Jever und ihre Zerstörung im Jahre 1938“ für die Öffentlichkeit geöffnet.

Rückblick auf das Jahr 2017 im GröschlerHaus

Die beste Nachricht für das Zentrum für Jüdische Geschichte und Zeitgeschichte der Region war seine Schließung im September 2017. Denn diese markierte den Beginn der lange erhofften, umfassenden Sanierungsmaßnahmen, die das bisherige Provisorium in der Großen Wasserpfortstraße 19 zu einem zeitgemäßen außerschulischen Lernort umgestalten sollen. Fußboden, Elektrik, Brandschutz, Heizung, Energetik, Toiletten, Fenster, Dach u.a.m. des Gebäudes, das an der Stelle der 1938 zerstörten Synagoge steht, müssen modernisiert werden. Dafür haben auf Initiative von Prof. Dr. Antje Sander vom Zweckverband Schlossmuseum die LEADER-Regionen Nordseemarschen und Südliches Friesland beträchtliche Mittel der Europäischen Union für die Förderung des ländlichen Raums bereitgestellt. Diese werden gegenwärtig im Rahmen des Projekts „Erinnerungsorte in Friesland“ investiert. Die Wiedereröffnung des Zeitgeschichtszentrums ist für den 15. April 2018 geplant. Dann sollen auch die Artefakte der zerstörten Synagoge präsentiert werden, die beim Abriss eines Schuppens im Hof gefunden wurden.

Kurz zuvor war der Ankauf des Gebäudes aus Privatbesitz durch die Hanna- und Elfriede-Heeren-Stiftung unter dem Dach der JaWir-Stiftungen erfolgt. Hiermit ist die weitere Existenz des GröschlerHauses, das durch eine Gruppe von Ehrenamtlichen betrieben wird, abgesichert.

Wegen der Schließung sanken naturgemäß die jährlichen Besucherzahlen, die in den Sommermonaten noch durch die Präsentation des eindrucksvollen Ölbilder-Zyklus „Reise nach Jerusalem“ der Essener Künstlerin Michaela Classen stark angestiegen waren. Durch eine Reihe von Veranstaltungen außer Haus wurde ein gewisser Ausgleich geschaffen. So suchten die Schulklassen einmal nicht den authentischen Gedenkort auf, sondern die Mitarbeiter des GröschlerHauses kamen mit dem Medienkoffer in der Schule vorbei. Jeweils zwei stark frequentierte Rundgänge durch das jüdische Jever bzw. Besichtigungen des jüdischen Friedhofs wurden angeboten. Zusammen mit den „Kinofreunden Friesland e.V.“ fand in der jeverschen „Filmpalette“ ein wissenschaftliches Seminar der Murnau-Stiftung mit Filmvorführung über den antisemitischen Hetzfilm „Jud Süß“ statt. Außerdem wurde der aktuelle Dokumentar-Spielfim „Die Unsichtbaren“ über untergetauchte junge Juden im Berlin der 1940er Jahre nach Jever geholt. Wie in jedem Jahr fand am 9.November in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit eine feierliche Kranzniederlegung an der Synagogengedenktafel statt. Der Historiker Dr. Georg Wagner-Kyora beleuchtete in einer vielbeachteten Rede, unter Bezug auf das laufende Reformationsjahr, Luthers Antijudaismus.

Sicherlich ein Höhepunkt war das spontane Benefizkonzert der bekannten amerikanischen Folksängerin Laura Wetzler am 28. Mai im Audienzsaal des Schlosses. Laura Wetzler befand sich auf Europa-Tournee und spürte gleichzeitig den Wurzeln ihrer vom Nationalsozialismus verfolgten Familie in Wilhelmshaven nach. Mitarbeiter des GröschlerHauses halfen ihr bei der Spurensuche und begleiteten sie durch die Stadt. Musikalisch wurde es auch im Oktober, als die Band „Hellhead“ 50 Exemplare ihrer CD „Denkmal“ mit dem gleichnamigen Song über die jeverschen Juden überreichte. Der Song wurde der vor dem Mahnmal für die ermordeten Juden in der Frl.-Marienstraße abgespielt. Leider musste ein Open-Air-Kultur-Festival „Musik gegen Rassismus“, dessen Planungen schon weit vorangeschritten waren, abgesagt werden, weil just auf diesen Tag ein kommerzieller Veranstalter ein Rockkonzert legte.

Das GröschlerHaus wird zunehmend Anlaufpunkt für Menschen aus dem Ausland auf den Spuren ihrer jüdischen Vorfahren. Insgesamt sechs kleine Reisegruppen bis hin zu Australien und Alaska wurden 2017 durch die Straßen Jevers geleitet. Die innerfamiliären Informationen sind durch die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands unwiederbringlich zerstört und die Überlebenden in alle Welt zerstreut worden. Das GröschlerHaus hilft mit seinen Informationen, Teile des Puzzles wieder zusammenzufügen.

Anlaufpunkt für neue Kontakte ist meist die Internetzeitschrift www.groeschlerhaus.eu, die jährlich über 40.000 Besucher aufweist und in der auch 2017 zahlreiche neue Artikel zur Landesgeschichte Frieslands erschienen sind. Die Seite stellt keine übliche Website dar, sondern ein eigenständiges Informationsangebot, das unabhängige Beobachter als fast einzigartig kennzeichnen. Die Internetartikel werden auch von Schulen im Rahmen des Unterrichts genutzt.

Das Jahr 2017 sah den Einstieg in die Schriftenreihe „Zur Geschichte des Nationalsozialismus und der Juden im Landkreis Friesland“, zu der sich als Herausgeber das GröschlerHaus, der Jeverländische Altertums- und Heimatverein e.V., das Schlossmuseum Jever und der Heimatverein Varel e.V. zusammengefunden haben. Als Nr. 1 erschien im Verlag Hermann Lüers in der Bearbeitung von Hartmut Peters und in der Übersetzung von Linda Robbins-Klitsch in einer zweisprachigen Ausgabe der Bericht der jeverschen Jüdin Änne Gröschler „Aus dieser schweren Zeit“ / About these Hard Times“ von 1945. Weitere Veröffentlichungen in der Reihe stehen unmittelbar bevor.

Im Januar 2017 erhielt das GröschlerHauses einen Award der renommierten amerikanischen Obermayer-Stiftung, die mit dem Leo-Baeck-Institut zusammenarbeitet. Die Ehrung im Berliner Abgeordnetenhaus galt dem jahrzehntelangen Engagement von Volker Landig und Hartmut Peters beim Aufbau der regionalen Erinnerungskultur. Die Auszeichnung führte zu einem spürbar höheren Bekanntheitsgrads des GröschlerHauses und seiner Internetzeitschrift und zu vielen Kontakten.

Der Arbeitskreis GröschlerHaus arbeitet zur weiteren Entwicklung der Einrichtung und im Rahmen des Projekts „Erinnerungsorte in Friesland“ intensiv mit Prof. Dr. Antje Sander und Holger Frerichs vom Schloss-Museum Jever zusammen. Er kooperiert u.a. mit dem Netzwerk „jüdisches Ostfriesland“, der Bildungsregion Friesland, den Kinofreunden Friesland e.V., dem Verein der Freunde der Sinti und Roma e.V. Oldenburg und erhält gute Unterstützung aus Bevölkerung, Politik und Verwaltung.

Für ihre konkrete Arbeit sind die Ehrenamtlichen nach wie vor auf Spenden aus der Bevölkerung angewiesen, die aufgrund der gegenwärtigen Schließung leider zurückgegangen sind.

H. Peters, 2.1.18

Baustelle außerschulischer Lernort GröschlerHaus am Standort der 1938 durch Brandstiftung zerstörten Synagoge: Verkohltes Holz und steinerne Relikte der Brandruine wurden gefunden und werden bei der Neueröffnung mit ausgestellt

Pogrom-Gedenken in Jever am 9.11.2017: Rede von Dr. Georg Wagner-Kyora über den Pogrom von 1938 und den Einfluss des Antijudaismus von Martin Luther

Aktuelle Bilder vom Umbau des GröschlerHauses

GröschlerHaus seit dem 14.08.2017 wegen Umbauarbeiten geschlossen

Artikel vom 16.08.2017 (NWZonline):

Zentrum wird restauriert

Jever Das Gröschler-Haus bleibt wegen Renovierungsarbeiten ab sofort geschlossen: Der ehemalige Laden und die Nebenräume werden denkmalgerecht restauriert und für das Zentrum für jüdische Geschichte und Zeitgeschichte der Region Friesland eingerichtet. Der Termin der Wiedereröffnung steht noch nicht fest, teilt Volker Landig vom Arbeitskreis Gröschler-Haus mit.

Der Arbeitskreis macht in der Schließphase „Angebote außer Haus“:
  • Gang durch das jüdische Jever (Hartmut Peters; 24. August und 21. September, 15 Uhr, ab Graftenhaus)
  • Besuch des jüdischen Friedhofs in Schenum (Volker Landig; 31. August und 28. September, 15 Uhr, am Friedhofstor Hohewarf/Schenumer Straße 1)
  • Am Mittwoch, 6. September, ab 18.30 Uhr bietet der Arbeitskreis mit dem Verein der Kinofreunde ein Filmseminar über den antisemitischen Nazi-Spielfilm „Jud Süß“ von Veit Harlan aus dem Jahr 1940 im Kino Jever an. Der Film darf nur mit wissenschaftlicher Begleitung nichtöffentlich aufgeführt werden. Die Teilnahmegebühr beträgt 5 Euro, Anmeldungen unter Tel. 04461/96 44 26.

Alle weiteren Termine finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.