Hunger-„Euthanasie“ in der Anstalt Wehnen – Opfer aus Jever und Friesland
Mi., 25.03.2026 , 19:00
Vortrag von Dr. Ingo Harms (Oldenburg)
Eintritt frei
„Euthanasie“-Verbrechen im „Dritten Reich“ sind spät erforscht worden und immer noch zu wenig bekannt. Ihre Opfer waren lange Zeit vergessen, obwohl ihre Zahl in die Hunderttausende geht. Fast jede Psychiatrie hat sich damals an diesen Morden beteiligt. Erst 1996 wurde entdeckt, dass die Heil- und Pflegeanstalt Wehnen bei Oldenburg dazugehörte. Über 2000 Patient*innen wurden dort ermordet. Aus den sorgfältig ausgewerteten Krankenakten und weiteren zahlreichen Primärquellen geht hervor, dass die Zahl der Opfer aus Friesland bei 230 Ermordeten und bei 250 Zwangssterilisierten liegt. Ein erst 2009 gemachter Fund aus dem Gesundheitsamt Jever belegt, dass von Jever ausgehend sogar Kinder und Säuglinge in die Euthanasie geschickt wurden.
Anhand von Krankenakten und Primärquellen präsentiert der Medizin-Historiker Dr. habil. Ingo Harms von der Gedenkstätte Wehnen in seinem Vortrag umfangreiches, bedrückendes Daten- und Faktenmaterial. Er zeigt auf, wie die Morde systematisch durch einen elenden Hungertod der Kranken durchgeführt wurden. Ins Zentrum seiner Ausführungen stellt er das Schicksal von Lisa Habben aus Jever, die 1940 als 22jährige Patientin dem Krankenmord zum Opfer fiel.
Zusätzlich wird Harms darauf eingehen, welchen Widerständen seine Forschungen und deren Ergebnisse begegnen. Die Veranstaltung am 25.3.2026 um 19.00 im GröschlerHaus bietet Raum, über ein weiteres, zukünftiges Gedenken der Hunger-„Euthanasie“ Opfer in Jever und Umgebung nachzudenken. Um die Namen der ermordeten Kranken in die Gemeinschaft zurückzuholen und ihrer zu gedenken, könnten sie z.B. später einmal vorgelesen und ausgesprochen werden.
